Ach, wie habe ich sie genossen, die vergangenen Wochen. Dieses tolle Gefühl, einmal richtig gebraucht zu werden. Nicht nur ein paar Minuten in und um München. Nein, mehrere Stunden lang hörte alles auf mein Kommando.

"Bei der nächsten Ausfahrt rechts halten." Die Autobahnen in Richtung Kronach, ich kenne sie jetzt alle. Meistens kam ich von Süden her. Mit den Größen des Freistaats Bayern im Gepäck. Seehofer, Herrmann, Scharf und wie sie nicht alle heißen.

Aber nein, ich bin kein Navigationsgerät der CSU, ich fahre auch die Opposition. Einmal waren gleich mehrere Abgeordnete der SPD-Landesgruppe auf einmal an Bord.

Gut 200 Kilometer auf der Autobahn, anschließend auf die Bundesstraße 173. Vorbei an all den Stellen, an denen sie mich schon seit Jahren updaten wollen - mit vier Spuren, Tunneln oder was ihnen sonst noch so einfällt.
Ob sie mir die neuen Daten noch einspeisen, ehe ich auf dem Lager für Elektroschrott lande?

Und dabei bin ich doch so lernbegierig, fahre auf keinen Fall nur Bayern. Auch Wolfgang Tiefensee lotste ich erfolgreich, den SPD-Minister aus dem schönen Thüringen. Das war mal eine neue Strecke. Das Ende jedoch ist immer gleich: "Sie haben ihr Ziel erreicht."

Die Politstars, die vorher so lange auf mich gehört haben, sie müssen dann eilig aussteigen, werden schon erwartet, halten Reden und genießen den Applaus.

Und ich habe Pause. Und das nicht im Lärm der Großstadt, sondern in aller Ruhe auf dem Land. In Steinbach am Wald, Au oder Tettau. Dort, wo es so schön ruhig ist und der Wind durch die Bäume des Frankenwalds weht.
Hach ja. Vorbei, die schöne Zeit. Gerade war ich so richtig in Fahrt, habe schon weitere Bewerbungen geschrieben.

Stoiber, Gabriel, Merkel, Obama, der Papst. Alle hätte ich sie gut nach Kronach gebracht. Und jetzt: Liege ich im Schrank und habe Langeweile. Eine Hoffnung aber bleibt: Dass er kommen wird, der nächste Wahlkampf im Kreis Kronach.