Neben der Verkehrsinfrastruktur, den Kultur-, Sport- und Schulangeboten oder Einkaufsmöglichkeiten gehört ein schneller Internetanschluss zu den wichtigen Standortfaktoren jeder Kommune. Deshalb fördert der Freistaat Bayern seit 2014 den Breitbandausbau in großem Stil. Das Ziel: Bis Ende 2018 soll fast überall mindestens eine Downloadmenge von 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich sein.

Im Landkreis Kronach sind formell alle 18 Kommunen Teil des Förderverfahrens, in 15 findet ein geförderter Ausbau statt. Dieser wird mit 80 (bei wirtschaftlich stärkeren) oder 90 Prozent der Baukosten bezuschusst, den Rest stemmen die Kommunen. Zusätzlich gibt es im Kreis aber auch noch Bereiche, die für einen Netzbetreiber so lukrativ sind, dass er dort auf eigene Kosten ausbaut.

In einer vierteiligen Serie stellen wir den aktuellen Breitband-Stand vor. Diesmal: das Kronachtal und die Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz.

Reichenbach — "Die Leute denken immer, dass wir kein schnelles Internet haben, nur weil wir nicht ausbauen. Aber das ist komplett falsch", sagt Karin Ritter. Sie ist Bürgermeisterin der kleinen Kommune, und man merkt ihr an, dass ihr das Thema am Herzen liegt.

"Es war damals eine der ersten Taten meiner Amtszeit", sagt die SPD-Politikerin über den Breitbandausbau, der in Reichenbach schon seit gut sechs Jahren abgeschlossen ist. Denn die Kommune hat im Zuge des ersten bayerischen Förderverfahrens, das um 2010 herum lief und vordergründig für einen Grundlagenausbau von einstelligen Mbit/s-Zahlen gedacht war, mit dem Kooperationspartner Telekom gleich viel umfangreicher ausgebaut.

Die für das aktuelle Verfahren maßgeblichen 30 Mbit/s werden in dem 716 Einwohner großen Ort nahezu überall erreicht. Deshalb - so stellt Karin Ritter noch einmal klar - ist Reichenbach eine von drei Gemeinden im Kreis, die aktuell keine Fördergelder beantragt haben.

Dabei soll es aber für die Zukunft nicht bleiben, die Kommune plant Glasfaseranschlüsse. "Wo gebaut wird, verlegen wir die Leerrohre gleich mit", sagt Ritter. Um das gesamte Dorf auf die Premium-Klasse in Sachen Breitbandausbau zu hieven, brauche man jedoch zusätzliche Finanzmittel. Hierzu - so Ritter - gebe es Überlegungen, ob eine Bewerbung für ein Förderprogramm des Bundes Sinn macht.

Teuschnitz — Der Kooperationsvertrag mit der Telekom wird vorbereitet, der Förderbescheid wurde der Stadt am 20. September in den Räumen der Regierung von Oberfranken in Bayreuth übergeben. Er kann also demnächst losgehen, der Ausbau in Teuschnitz.

Das Fördergebiet umfasst fast die gesamte Stadt (mit Ausnahme eines bereits erschlossenen Streifens im Westen) und den Ort Rappoltengrün. Mehrere Dutzend Gebäude - vor allem im Süden und im Osten von Teuschnitz - erhalten dabei sogar einen Glasfaseranschluss ins Haus. Der Rest mindestens die im Zuge des Förderverfahrens geforderten 30 Mbit/s.

Noch haben die Baumaßnahmen nicht begonnen, Ende 2017 sollen sie abgeschlossen sein. Für einige kleinere Gebiete, die nach dem Ausbau noch nicht erschlossen sind, gibt es laut Geschäftsstellenleiter Thomas Weber zudem Überlegungen, diese unabhängig vom aktuellen Verfahren noch zu erschließen.

Tschirn — Das Bergdorf ist wie das benachbarte Reichenbach ein Vorreiter in Sachen Breitband und hat ebenfalls keine Fördergelder aus dem aktuellen Verfahren benötigt. Der Ausbau wurde auf anderen Wegen organisiert: "Bereits vor einigen Jahren haben wir im Zuge des ersten Verfahrens einen Zuschuss geleistet, um zwei Kabelverzweiger im Ort zu installieren", sagt Bürgermeister Peter Klinger. "Ein Tiefbau war deshalb aktuell nicht mehr notwendig, und die Baumaßnahmen waren verhältnismäßig kostengünstig", erklärt der CSU-Politiker.

Die Vorlage nahm die Telekom auf und baute den Ort auf eigene Kosten mit der neuen Vectoring-Technik aus, wodurch die Kupferkabel wesentlich mehr Leistung erbringen als der alte DSL-Anschluss. Seit September 2016 können die Tschirner das Angebot von bis zu 100 Mbit/s nutzen.

Wilhelmsthal — "Ein flächendeckender Ausbau ist schwierig und eine große finanzielle Herausforderung", sagt Kämmerer Mario Kotschenreuther mit Blick auf die besondere Topografie der Mittelgebirgsgemeinde mit ihren weit verstreuten Ortsteilen und Gehöften.

Zwar beträgt die maximale Fördersumme, die der Freistaat Bayern auf Grund fester Parameter (zum Beispiel Topografie, Wirtschaftskraft, Verschuldung, Gemeindegröße) für Wilhelmsthal errechnet hat, 880 000 Euro. Nur Wallenfels (920 000) erhält mehr, die Kreisstadt Kronach das gleiche. Allerdings würde selbst das maximale Ausschöpfen der Fördersumme nicht reichen, um alle Wilhelmsthaler Gemeindeteile mit einer Downloadrate von über 30 Mbit/s auszustatten. Zudem muss sich die Kommune an jedem Schritt mit einem zehnprozentigen Eigenanteil beteiligen.

Ausgebaut wird trotz der Probleme eifrig. Bereits 2010/11 wurde Effelter mit DSL erschlossen. Seit Ende Oktober können Bürger in den fünf Erschließungsgebieten Lahm, Hesselbach, Gifting, Wilhelmsthal/Schäferei und Steinberg/Eichenbühl mit bis zu 50 MBit/s versorgt. Weitere Gebiete - zum Beispiel in Roßlach, Geschwend, Grümpel, Tiefenbach oder Kämmerlein - werden aber auch danach nicht mit über 30 Mbit/s erschlossen sein. In der Sitzung am 29. September hat der Gemeinderat beschlossen, eine Förderung für eine allgemeine Verbesserung anzustreben.


Der Breitbandausbau im Kronachtal und in der VG Teuschnitz in Zahlen & Daten

Reichenbach Einwohner: 716; Fläche: 9 km 2 ; Ortsteile: 1; Förderung: 0 Euro; Eigenanteil: 0 Euro; Ausbaustand: bereits vollständig erschlossen; Netzbetreiber: Telekom; Breitbandpatin: Karin Ritter

Teuschnitz Einwohner: 2020; Fläche: 34 km 2 ; Stadtteile: 4; Förderung: 400 000 Euro (90%); Eigenanteil: 50 000 Euro; Ausbaustand: Vertrag wird vorbereitet, geplanter Abschluss Ende 2017; Netzbetreiber: Telekom (Förderpartner), Kabel Deutschland; Breitbandpate: Thomas Weber

Tschirn Einwohner: 550; Fläche: 20 km 2 ; Ortsteile: 1; Förderung: 0 Euro; Eigenanteil: 0 Euro; Ausbaustand: Eigenwirtschaftliche Erschließung beendet; Netzbetreiber: Telekom; Breitbandpate: Peter Klinger

Wilhelmsthal Einwohner: 3750; Fläche: 43 km 2 ; Ortsteile: 8; Förderung: 574 000 (90%); Eigenanteil: 64 000; Ausbaustand: seit Oktober 850 Haushalte mit bis zu 50 MBit/s versorgt; Netzbetreiber: Telekom (Förderpartner); Breitbandpate: Mario Kotschenreuther