Der Halt war für die lokale Industrie ein wichtiger Umschlagsplatz. Ludwig Jäckisch, der über 50 Jahre bei der Bahn arbeitete, erinnert sich: "Zeitweise wurden zwei bis drei Waggons Stoff und Wolle pro Tag verladen." Das Material kam aus der Spinnerei und der Eisengießerei Sperber. Auch Dr. Schneider hatte einen Gleisanschluss.
Bis 1966 hatte Neuses auch einen eigenen Fahrdienstleiter und noch bis in die 1970er Jahre hinein einen Fahrkartenschalter. Das Stellwerk befand sich in einem Anbau zwischen den zwei noch existierenden Häusern. Im großen Gebäude war der Bahnhof, im kleinen die Toiletten.
Ab den 1970er Jahren ging es mit der Bedeutung des Bahnhofs bergab. In Bahnkreisen wurde der Neuseser Halt zur Ausweichanschlussstelle (Awanst) herabgestuft. Das Stellwerk wurde fortan von Kronach und Küps aus bedient - und die Umstiegsmöglichkeit zur Nebenbahn nach Weißenbrunn verschwand.
Bahnhof ersteigert
Seit einigen Jahren gehören die Gebäude nicht mehr der Bahn. Wie einige andere Bahnhöfe der Region wurden auch die Gebäude in Neuses versteigert. Durchgeführt hat das ein Berliner Auktionshaus im Rahmen einer Internetauktion. Der neue Besitzer betreibt laut Schild am Briefkasten des kleineren Bahnhofsgebäudes eine Handelsagentur.
Der Bahnhof Kronach: ein Ort für Nostalgiker
Ludwig Jäckisch und anderen alten Eisenbahnern, mit denen wir uns in Neuses getroffen haben, blutet bei dem Anblick der Bretter und der anderen Gegenstände, die an der den Gleisen zugewandten Seite an den Gebäuden lehnen, das Herz. Sie empfinden den Bahnhof als Schandfleck ihres Ortes.
Der Besitzer der Gebäude sprach auf Nachfrage zunächst telefonisch mit unserer Redaktion, nahm seine Aussagen anschließend jedoch wieder zurück. Fragen nach dem Zustand und der Zukunft des Neuseser Bahnhofs bleiben somit unbeantwortet.