Vier Stockwerke ist es hoch - und leuchtet in grüner Farbe. Ins Auge fällt die Vielzahl an Giebeln und Erkern im Dachgeschoss. In einigen der einfachen, rechteckigen und gleichmäßig angeordneten Fenster leuchtet Mitte Dezember Weihnachtsschmuck. Hört sich an wie die Beschreibung eines durchschnittlichen Wohngebäudes.

Vorsicht, Zug kommt: Als in Oberlangenstadt noch gekurbelt wurde

Stimmt, ist aber nur die halbe Geschichte des Hauses, das nicht immer grün war. "Den alten Bahnhof haben sie in den letzten Jahren neu gestrichen", sagt Rolf Schierer, der seit 1996 nebenan wohnt und schon seit den 1980er Jahren als Hobbyfotograf von Zügen unterwegs ist. "Sonst sieht das Haus aber von außen noch wie in den 1930ern aus."

Und damit wie zu jener Zeit, in der sich seine Funktion änderte. Aus dem Bahnhof der Marktgemeinde wurde ein Wohnhaus, dessen Wohnungen die Bahn vor allem in den Anfangsjahren oft an ihre Mitarbeiter vermietete.

Neuer Bahnhof kleiner

Den Grund für den Bau des neuen, deutlich kleineren Bahnhofs wenige Meter neben dem alten erläutert Rudolf Mayer: "Als die Strecke 1936 generalsaniert wurde, baute man den neuen Bahnhof näher an den Bahnübergang heran, um den Schrankenwärter einzusparen", erinnert sich Mayer, der von 1956 bis 1967 Aufsichtsbeamter und Fahrdienstleiter in Küps war. "Das erledigte dann der Aufsichtsbeamte mit." Heute fahren Autos unabhängig von den Zügen durch eine Unterführung. Bis 1999 war das anders: Die Straße verlief oberirdisch und der Verkehr zwischen Ortsmitte und Tüschnitz stockte, wenn ein Zug kam.

Das raubte Zeit, war aber typisch für den Bahnhof, der sich erst mit der Zeit zum ferngesteuerten Halt von heute entwickelte. Nicht nur der Bahnübergang ist Geschichte, auch die Gebäude werden anders genutzt: Der "neue" Bahnhof steht leer, in der früheren Post sind Wohn- und Geschäftsräume. Wo früher die Güterhalle mit eigenem Ladegleis war, befindet sich der örtliche Teil des elektronischen Stellwerks. Rolf Schierer: "Hier wurde alles geladen, was es in Küps gab - vor allem Waren der Korbhändler und der Porzellanfabrik."

15 Personen in Lohn und Brot

"Täglich wurden bis zu fünf Wagen mit Stückgut empfangen und versendet", erinnert sich Rudolf Mayer. Bis zu 15 Personen standen am Bahnhof in Lohn und Brot - Aufsichtsbeamte, Fahrdienstleiter, Schalteristen. Und Küps war als Bahnhof vielen Bahnangestellten ein Begriff. Hier stand das einzige mechanisierte Einheitsstellwerk der Region, welches oft zu Ausbildungszwecken genutzt wurde.

Erfahrene und Azubis durchlebten am Bahnhof Küps eine wechselvolle Geschichte. In den 1930er Jahren wurde die Frankenwaldbahn zwischen Hochstadt am Main und Probstzella elektrifiziert und hatte ihre Glanzzeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als das demokratische Deutschland in Ludwigsstadt endete, ging es mit der Strecke bergab. Sie wurde auf ein Gleis zurückgebaut. "Viel Material wurde nach Nürnberg gebracht zum Wiederaufbau der Kriegsschäden", erzählt Rolf Schierer.

Lediglich in Überholbahnhöfen wie Küps lagen weitere Schienen, weshalb hier nicht selten Güterzüge warten mussten. Erst nach der Wende brachte das "Lückenschlussprogramm" ein Umdenken - und die Strecke erhielt wieder ein zweites Gleis.

Guter Anschluss an die weite Welt

"Wir haben den Vorkriegszustand wiederhergestellt. Die Anbindung der Region ist durch den Eilzug sogar besser geworden", meint Schierer mit Blick auf den seit 9. Dezember gültigen neuen Fahrplan.

So gibt es in Küps zwar kein genutztes Bahnhofsgebäude mehr, dafür aber einen guten Anschluss an die weite Welt. "Mit dem Regionalexpress kann man jetzt für 22 Euro direkt nach Nürnberg und für 28 nach Leipzig fahren", sagt Schierer. "Die Station ist nach wie vor wichtig für einen Ort, der als einer der wenigen im Kreis noch wächst."

Zahlen & Fakten zum Küpser Bahnhof Anbindung In Küps halten nach dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember pro Tag 23 Regionalexpress-Züge, die direkt bis Leipzig oder Nürnberg fahren.

Ausstattung Auf den zwei Gleisen gibt es je ein überdachtes Wartehäuschen und überdachte Fahrradabstellplätze. Es gibt zehn Sitze, sechs davon überdacht. Einen warmen Warteort gibt es nicht. Der Bahnhof ist barrierefrei, wenn man von der richtigen Seite kommt.

Parken Für Pendler gibt es 30 kostenfreie Parkplätze.