"Organissimo" - allein der Superlativ als Titel für ein Orgelkonzert hätte das Publikum aufhören lassen müssen. Leider kennen hierzulande viel zu wenige den "hessischen Franken" Christian Brückner. Ganz vorsichtig füllten sich am Sonntagabend die Bänke der St. Johannes Kirche in Mainbernheim. Genauso zaghaft kam der erste Applaus, aber dann ließen sich die Zuhörer von der Musik tragen und die Begeisterung steigerte sich mit der Musik.

Christian Brückner weckte die 100 Jahre alte Steinmeyer-Orgel zu ungeahnten Tönen auf. Nur in einer entsprechend alten Orgel könne man noch die Tasten für bestimmte Instrumente finden, die zusammen ein Orchester ergeben. War das gerade eine Querflöte bei den Improvisationen von "L. Cohen meets D. Bortniansky"? Aus der Orgel klangen Hörner, Trompeten, Flöten und Streichinstrumente.

Absoluter Höhepunkt des Konzertes war die "Hommage an Verdi", unübertrefflich die "Trompeten" des Triumphmarsches aus der "Aida". Bei der Trinkspruch-Arie aus der "Traviata" hätte so mancher am liebsten gleich mitgesungen. Doch selbst bei den Liedern aus dem Evangelischen Gesangbuch hätte niemand mitsingen können: Gerade noch gut erkennbar für den Kirchgänger wurden sie spontan mit jazzigen Improvisationen völlig neu arrangiert, so dass einem der Atem wegblieb.

Klassik, Kirche, Jazz, Romantik, Pop. Das Konzert hatte mit einer klassischen Bachfuge begonnen und endete mit einem "Choral in ABBA-Style". Zwischen Walzer und Psalmen wurde es auch mal richtig schön romantisch mit "Somewhere over the rainbow".

Außergewöhnliche Musik

Am Ende gab es originelle Notenschlüssel und Autogramme für das Publikum. Alle waren sich einig über den außergewöhnlichen Musikgenuss, den sie erleben durften.

Christian Brückner hatte in einem seiner Orgelbücher gestöbert und war auf den ungewöhnlichen Geburtstag gestoßen. "Es ist erstaunlich, dass Steinmeyer im Kriegsjahr 1913 so eine schöne Orgel gebaut hat", sagte er und lobte besonders den sehr guten Zustand dieses Instruments.

Brückner hatte sich spontan für dieses Konzert entschieden und von Pfarrer Gerhard Schäfer die sofortige Zusage bekommen. "Sie sollte täglich gespielt werden", mahnte Brückner schon nach der ersten Probe und fügte nach einem knapp zweistündigen Konzert augenzwinkernd hinzu: "Herzlichen Glückwunsch für diese Orgel! Sie hat ihren Test bestanden."

Vielleicht kommt der Ausnahmemusiker ja bald wieder nach Mainbernheim. Nicht nur die Orgel würde es sich wünschen.