Die Dettelbacher waren sich vor der Bürgermeisterwahl einig: Eine Stichwahl zwischen Marcel Hannweber (CSU) und Matthias Bielek (FW) wird es geben. "Joachim Beck wird am Sonntag nur ein kleines Flämmle im Hintergrund bleiben", erklärte der Dettelbacher Michael Then. Doch wer von beiden mehr Stimmen erhält, da waren sich die Wähler nicht sicher. Beide seien aus Dettelbach, bekannt und engagiert, sagten etwa Lydia Müller und Susanne Schmitt.

So überraschte das Ergebnis – Stichwahl zwischen Hannweber und Bielek – kaum jemanden. Dass Bielek 8,6 Prozent mehr Stimmen erhält als Hannweber, das war aber so nicht vorhersehbar. Beck, der parteilos für die SPD antrat und 19,0 Prozent der Stimmen erhielt, sagte: "Dass Bielek so viele Stimmen bekommt, hätte ich nicht gedacht." Zudem hätte er für sich selbst etwas mehr Stimmen gewünscht.

Hannweber hatte sich mehr Stimmen erhofft

Hannweber freute sich erst einmal über sein Ergebnis und das Weiterkommen in die Stichwahl, sagte aber auch, dass er es eigentlich andersherum erwartet hätte. "Ich hätte gedacht, dass ich mehr Stimmen bekomme, weil mein Team und ich ein Jahr lang wahnsinnig viel angeboten haben, Bürgerbeteiligungen annahmen, neue Wege gegangen sind und von vielen Bürgern auch dafür bewundert wurden." Vielleicht gingen einige Wähler nicht so sehr in die Tiefe der Kommunalpolitik und hätten sich deshalb anders entschieden, mutmaßte Hannweber.

Bielek, der mehr Stimmen gewann, freute sich über ein "sehr starkes Ergebnis, das mich total stolz macht". Das sei aber noch lange kein Wahlsieg, jetzt gelte es Neuentscheider für sich zu gewinnen. Für Hausbesuche sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Der Wahlkampf werde zum Großteil über Online-Medien laufen, kündigte Bielek an. Hannweber ist es für die kommenden zwei Wochen wichtig, "keine Gräben zwischen den Parteien aufzureißen, sondern ruhig und gelassen das eigene Programm durchzuziehen".

Herbert Holzapfel: Wahlkampf muss enden

Bürgermeisterin Christine Konrad (FW) war auf Nachfrage nicht bereit, telefonisch ein Statement zur Wahl zu geben, da sie sich moralisch dazu nicht verpflichtet fühle. Zweiter Bürgermeister Herbert Holzapfel gratulierte Bielek zu dessen tollen Ergebnis. Die Herausforderung in der kommenden Amtszeit werde es sein, den Stadtrat wieder in eine gute Führung zu bringen, damit dort wieder ein sinnvolles und gemeinschaftliches Ziel erreicht werden könne. "Es darf nicht weiter Wahlkampf geführt werden. Bielek wird da gut Ruhe hereinbringen können", erklärte Holzapfel.

Hannweber und sein Team trafen sich im kleinen Rahmen im Winzerhof Göb, um auf die Ergebnisse zu warten, Beck und Mitglieder des SPD-Ortsverbandes im Sportheim in Bibergau. Die Freien Wähler haben das Treffen aufgrund von Empfehlungen der Regierung abgesagt und werden der reservierten Gaststätte etwas spenden, sagte Bielek. Eine öffentliche Auszählung im Rathaus gebe es dieses Jahr nicht, berichtete Wahlleiterin Claudia Bräuer. Die Endergebnisse konnten ab 19.20 Uhr auf der Internetseite der Stadt Dettelbach schnell und übersichtlich abgerufen werden. Die ersten Ergebnisse der Wahllokale waren dort um 18.15 Uhr online.

Jeder wählte mit einem eigenen Stift

Die Wahlbeteiligung sei gut gewesen, berichteten die Wahlhelfer im Wahllokal des Feuerwehrgerätehauses am Sonntagnachmittag. Sie hatten Bedenken, dass wegen des Virus nur wenig Wähler kommen würden. Doch das hat sich nicht bestätigt. Auch im Kultur- und Kommunikationszentrum in Dettelbach mussten die Bürger vor dem Wahllokal manchmal anstehen. In den Wahllokalen waren Vorkehrungen getroffen: Jeder wählte mit dem eigenen Stift und die Tische wurden nach jeder Wahl mit Desinfektionsmittel und Alkohol abgewischt.

Trotzdem haben sich in Dettelbach fast Dreiviertel der Wähler für die Briefwahl entschieden. Dass die Wahlbeteiligung mit 70 Prozent insgesamt sehr hoch lag, liege daran, dass in diesem Jahr in Dettelbach seit über 30 Jahren wieder Stadtrat und Bürgermeister zusammen gewählt werden, sagte Hannweber.