Trainingseifer als Einstellungskriterium

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Vom Spieler zum Trainer: Markus Wolf übernimmt den TSV Sulzfeld, für den er einst in der Landesliga die Fußballschuhe schnürte.
Foto: Hans Will

Ein sportlicher Tiefpunkt ist erreicht: Ex-Landesligist TSV Sulzfeld spielt in der Kreisklasse. Trainer Markus Wolf erlebte die ruhmreichen Zeiten noch als Spieler.

Zehn Jahre ist es her, da spielte der TSV Sulzfeld noch in der Landesliga. Doch seitdem folgten vier Abstiege, und der Verein aus dem Maustal ist mittlerweile in der Kreisklasse angekommen. Acht Trainer versuchten sich in dieser Zeit an der Mannschaft. Markus Wolf, der noch zu Glanzzeiten für die Blau-Weißen selbst die Schuhe schnürte, ist nun der neunte binnen eines Jahrzehnts. Dabei setzt der Übungsleiter auf Akribie und Nachhaltigkeit.

Eigentlich schien es sich der TSV Sulzfeld in der Kreisliga gemütlich gemacht zu haben. Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga 2013 spielten die Maustaler in den vergangenen Jahren mal recht, mal schlecht, schlossen die Runde aber immer im Mittelfeld ab, ob im vorderen oder im hinteren. Auch in der Vorsaison sah es nach der Hinserie nach einem ähnlichen Verlauf aus und der Verein suchte bereits nach einem Trainer für die neue Saison. Die Sulzfelder Verantwortlichen hatten entschieden, den Vertrag mit Christian Hofrichter, der vier Jahre hervorragende Arbeit geleistet hatte, nicht mehr zu verlängern. Schnell wurden sie fündig und konnten mit Markus Wolf einen alten Bekannten davon überzeugen, an seine frühere Wirkungsstätte zurückzukehren.

„Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich in dieser Saison schon wieder an der Seitenlinie stehe. Ich habe die Zeit ohne viel Fußball genossen“, gibt der 41-Jährige zu. Dann kam die lose Anfrage Bernd Herings im Winter, ehe ernsthafte Gespräche mit Benjamin Krumpholz folgten. Wolf war sofort angetan von der Vorstellung, die Blau-Weißen zu übernehmen und sagte nach kurzer Bedenkzeit zu. Zum damaligen Zeitpunkt ging der Übungsleiter, der vor seiner dreijährigen Pause sechs Spielzeiten lang seinen Heimatverein SG Seinsheim/Nenzenheim betreute, noch davon aus, einen Kreisligisten zu übernehmen.

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Doch die Sulzfelder legten eine desolate Rückrunde hin und stürzten am letzten Spieltag sogar noch aus den Relegationsrängen, obwohl sie fünf Spieltage noch 13 Zähler Vorsprung auf den einzigen Konkurrenten aus Hopferstadt hatten. „Ich hätte die Mannschaft natürlich lieber in der Kreisliga übernommen. Aber ein Beinbruch ist der Abstieg in die Kreisklasse nicht“, glaubt Wolf. Denn er findet, dass der TSV trotz aller Erfolge weiterhin der Dorfverein geblieben ist, der er immer war. Auch die Zuschauer hielten den Maustalern während des sportlichen Niedergangs die Stange.

Vor allem den jüngsten Abstieg hat sich die Mannschaft selbst zuzuschreiben. „Das hat sicher nicht am Trainer gelegen. Denn das Potenzial ist absolut vorhanden, in der Kreisliga konkurrenzfähig zu sein“, so Wolf. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass der TSV Sulzfeld der Topfavorit auf den Meistertitel ist. Denn die Truppe hat im Sommer ein neues Gesicht bekommen. Arrivierte Spieler wie Korbinian Kiemer (SSV Kitzingen) oder Marcel Reuther (Bayern Kitzingen) verließen den Verein, Christopher Voit pausiert. Hinzukamen ambitionierte Kicker wie Biebelrieds Samba Jallow, Mainsondheims Joshua Then oder Wolfs ehemaliger Schützling Andreas Walter (SG Seinsheim/Nenzenheim). „Wir haben bei den Neuen darauf geachtet, dass es Spieler sind, die regelmäßig trainieren. Denn die Beteiligung war vergangene Saison ein großes Manko“, erklärt der 41-Jährige.

Daher werde es sicherlich seine Zeit dauern, bis sich ein Team bilde und eine Formation herauskristallisiere. Viele gute Ansätze hat Wolf in den Einheiten und Testspielen sowie den Pokalduellen schon gesehen. Die ambitionierten Kleinochsenfurter schlugen die Maustaler deutlich, ebenso wie Ligakonkurrent Hoheim. Auch gegen Bezirksligaabsteiger SC Schwarzach waren die Blau-Weißen bis zum vermeidbaren Ausgleich ebenbürtig. „Es macht großen Spaß, mit den Jungs zu arbeiten. Sie sind willig und geben Gas“, freut sich der gebürtige Nenzenheimer, der vor allem nachhaltig arbeiten möchte.

Natürlich wolle er so erfolgreich wie möglich arbeiten, aber nicht um jeden Preis. Daher sei die direkte Rückkehr in die Kreisliga auch kein Muss. „Wir wollen in ruhiges Fahrwasser kommen, aber der Verein macht uns keine Vorgabe. Die Ziele müssen aus der Mannschaft kommen“, so der Übungsleiter, der vor allem die eingespielten Willanzheimer und die SpVgg Gülchsheim ganz vorne sieht. Beide hätten eingespielte Mannschaften, bei denen sich personell kaum etwas verändert hat. Diese Grundfeste und diesen Teamgeist hätten seine Schützlinge noch nicht. Das müsse sich erst entwickeln. Und dann wird man sehen, wie sich der ehemalige Landesligist in der Kreisklasse zurechtfindet.