Wirtschaftlich gesehen müsste die Bäckerei Schindler aus Mittelfranken eigentlich höhere Preise verlangen. Doch menschlich sei das keine Option, auch wenn es das Aus bedeute, so der Inhaber.
Die kleine Handwerksbäckerei Schindler in Markt Erlbach (Kreis Neustadt Aisch-Bad Windsheim) hat mit diversen schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Eine Straßensperrung störe etwa seit längerer Zeit den Zugang der Kunden zu seinem Laden, wie Inhaber Christian Klehm am Freitag (24. April 2026) inFranken.de erklärt. Diese treibe zudem die Frage um, ob er seine Preise aufgrund der herausfordernden Weltlage erhöhe.
"Ja, wir haben die ersten Erhöhungen der Rohstoffe bekommen", sagt er in einer Videoansprache in den sozialen Medien. Doch sein Standpunkt ist eisern: "Ich muss bei den Preisen bleiben", führt er im Gespräch aus. "Es kann sich ja sonst keiner mehr leisten."
"... oder man muss zumachen": Fränkische Bäckerei schildert Konflikt
"Ich finde es mittlerweile echt traurig, dass sich nicht mehr jeder den Weg zum Bäcker leisten kann", so Klehm. Eine Kaisersemmel koste bei ihm 60 Cent, eine Körnersemmel ab 85 Cent. "Wirtschaftlich müssten wir erhöhen, aber menschlich geht es einfach nicht", sagt er in Hinblick auf die Kunden. "Entweder es funktioniert mit den Preisen, oder man muss zumachen." Die Alternative wäre, ein Teil des Personals zu entlassen und Fertigprodukte einzuführen, doch hierfür sei der handwerkliche Anspruch des gesamten Teams viel zu hoch, führt er aus. Auch Kunden würde man so verärgern.
"Es ist ein gedanklicher Konflikt. Wir sind ein Kleinbetrieb, der teuer einkaufen muss und ausschließlich aus Handwerkern besteht." Klehm arbeite bereits sieben Tage in der Woche, um seine Bäckerei aufrechtzuerhalten, berichtet er. "Man braucht sich nicht zu schämen, wenn es nicht mehr funktioniert." Er habe wenigstens alles in seiner Macht Stehende getan und sei seinem handwerklichen Ideal treu geblieben.
Vergangenes Jahr machte er im Netz auf die verschiedenen Widrigkeiten aufmerksam. Auch wegen drohender Strafzettel seien Kunden weggeblieben. Die Bürgermeisterin hielt dagegen. Im Anschluss spürte der Betrieb eine Welle an Unterstützung der Kunden und Klehm meldete sich überwältigt zurück.
Heute sei das Team mit dem Bestellaufkommen zufrieden. "Aber das nötige Plus fehlt durch die Straßensperrung", betont er. Auch die neue Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro, die Unternehmen an ihre Angestellten zahlen können, beschäftigt Christian Klehm. Er würde es ja gerne zahlen, wenn es bei ihm selbst nicht brennen würde. Er ist damit nicht allein. In einem gesonderten Artikel erklären wir, warum die wenigsten Firmen zahlen werden.