Einen Kredit muss die Marktgemeinde Seinsheim in diesem Jahr nicht aufnehmen. Gleichwohl: "Wir haben einen angespannten Haushalt", verdeutlichte Bürgermeisterin Ruth Albrecht dem Gemeinderat, der das Zahlenwerk für 2021 nach der Vorberatung einstimmig verabschiedete.

Angespannt war den Tag über die Bürgermeisterin selbst. Von ihren zwölf Ratsmitgliedern hatten sich für die Haushaltssitzung bis zum Nachmittag nämlich bereits sechs Marktgemeinderäte entschuldigt. Einer konnte es dann doch noch möglich machen zu kommen. Damit war das Gremium beschlussfähig.

Das Zahlenwerk stellte der Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit, Wolfgang Schmer, dem Ratsgremium detailliert vor. Der Gesamthaushalt hat ein Volumen von 3 140 900 Euro, 190 000 Euro weniger als im vergangenen Jahr. Dabei erhöht sich der Verwaltungshaushalt im Vergleich zum Vorjahr um 8,9 Prozent auf 2 175 400 Euro. Auf der Einnahmenseite stehen die Grundsteuer (121 000 Euro), die Gewerbesteuer (45 000), die Beteiligung an der Einkommens- und Umsatzsteuer (521 000) und die Schlüsselzuweisungen (544 600).

Im Ausnahmefall möglich

Auf der Ausgabenseite steht zum einen die Kreisumlage mit 409 700 Euro. Sie steigt bei einem Umlagesatz von 41 Prozent (2020: 39,5 Prozent) um 38 800 Euro. Die Umlage an die Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit erhöht sich um 34 600 auf 184 800 Euro.

Eigentlich sollte Geld im Verwaltungshaushalt übrigbleiben, das in den Vermögenshaushalt fließt. In der Regel soll es die Summe decken, die für die Tilgung laufender Kredite notwendig ist. In diesem Fall wären das 33 000 Euro. Diese Summe wird laut Schmer aber nicht erreicht. Im Gegenteil, es müssen 60 500 Euro vom Vermögenshaushalt in den Verwaltungshaushalt fließen. Das sei im Ausnahmefall möglich, erläuterte der Kämmerer. In den nächsten Jahren, wenn Kreditaufnahmen wegen beschlossener Maßnahmen notwendig werden, müsse es aber wieder eine positive Zuführung geben. Eine solche ist auch im Finanzplan für die nächsten Jahre vorgesehen.

Um die Finanzkraft und die dauernde Leistungsfähigkeit der Gemeinde auch in den kommenden Jahren zu sichern, sei es wichtig, sich auf die notwendigsten Investitionen zu beschränken, heißt es in der Schlussbemerkung des Kämmerers zum Haushalt. Eventuell müssten Projekte, wenn möglich, auch geschoben werden, meinte Schmer.

Schulden sollen reduziert werden

Die Investitionen sind im Vermögenshaushalt, der ein Volumen von 965 500 Euro hat, aufgelistet. 872 000 Euro stehen dafür zur Verfügung. Sie verteilen sich unter anderem auf Maßnahmen für den Jugendraum Seinsheim, die Planung für die Kindergartenerweiterung, die Restkosten für die Erschließung des Baugebiets "An der Leite" in Wässerndorf, die Beseitigung von Straßenschäden, Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen für den Bauhof, Ausstattungen für die Gemeinschaftshalle und den Neubau des Dorfgemeinschaftshauses Iffigheim. Für letztgenanntes Projekt sind heuer 200 000 Euro vorgesehen.

Aus den Rücklagen werden voraussichtlich 455 700 Euro entnommen, so dass Ende des Jahres diese noch 354 000 Euro betragen. Die Schulden der Marktgemeinde sollen in diesem Jahr von 98 200 auf 65 300 Euro reduziert werden.

Ob der Finanzsituation und mit Wissen um beschlossene Projekte war die Diskussion im Rat nur kurz. Marktgemeinderätin Cornelia Nagler mahnte, die notwendigen Reparaturen von Straßeneinläufen in Wässerndorf nicht zu vergessen, ihr Kollege Stephan Jamm verdeutlichte die Dringlichkeit, an die Sanierung von Wirtschaftswegen heranzugehen und nicht weiter zu schieben.