Früher gab es hitzefrei. Heute müssen sich die Kinder an die heißen Temperaturen im Klassenzimmer gewöhnen. Oder sie gehen ins Freie. So wie es die vier Klassen der Grundschule Mainbernheim diese Woche tun dürfen. Unter dem Motto "Manege frei" gibt es Workshops in Zirkusdisziplinen anstatt trockenem Schulunterricht.

André Lauenburger gehört zur jungen Generation der Zirkusleute. "Ich bin in Ostfriesland geboren, im Rheinland aufgewachsen und in Deutschland zu Hause", sagt er und lacht vergnügt, während seine Augen die Jungs nicht aus den Augen lassen. Die versuchen gerade, den Diabolo mit dem Seil zu schwingen. Das erfordert höchste Konzentration.

Die Schüler sind zwischen acht und zehn Jahre alt, lassen sich nicht stören und geben auch nicht auf, wenn mal der Diabolo aus dem Seil fällt. Ein großer Teil der Schulkinder übt unten im Turngarten auf dem fein geschnittenen Rasen. Walter Emmert, ihr Schulleiter, zeigt ihnen, wie man mit Ringen jongliert. Seine Begeisterung steckt an. Die Kleinen schauen bewundernd zu und probieren dann selbst ihr Glück.

Nebenan lässt sich eine Mädchengruppe nicht aus der Ruhe bringen. Die Teller müssen sich auf dem Stab drehen, dürfen auch mal in die Höhe geschossen werden, sollen aber wieder sicher auf dem Stab landen. Da kommt es auf die konstante Übung an.

In der Mehrzweckhalle begleitet Nadine Lauenburger die Zweit- und Drittklässler auf einem dünnen Band. Simon fixiert voll konzentriert das schmale Band. In diesen intensiven Augenblicken beantwortet er keine Fragen mehr, ist voll auf seine Aufgabe konzentriert. Hinter ihm steht die Schlange seiner Mitschüler. Nadine nimmt seine rechte Hand und Simon geht los. Nach einem Meter kniet er elegant auf dem schmalen Band.

Hula Hoop und Häuser

Zwei Meter weiter streckt er das linke Bein nach hinten und beugt, nur noch auf seinem rechten Bein gestützt, den Oberkörper nach vorne. Endlich ist er am Ziel und strahlt vor Stolz. "Er ist sehr elegant in seinen Bewegungen", lobt ihn die Zirkuschefin und endlich hat auch Simon Zeit, zu erzählen. "Ich bin erst neun Jahre alt", berichtet er begeistert und stellt sich gleich wieder an der Schlange an, damit er möglichst schnell noch einmal an die Reihe kommt.

Weiter vorne setzen sich die Lehrerinnen mit Hula Hoop-Balletten auseinander. Draußen vor der Schule ist Marius der Architekt. Er baut "Häuser" mit Schülern. Die kommen aus der ersten, zweiten und dritten Klasse. Alle wollen mitmachen. Ihre konzentrierten Gesichter zeigen, wie ernst sie diese neuen Aufgaben nehmen.

Letzten Montag hat dieses außergewöhnliche Training begonnen. Am Freitag um 17 Uhr und am Samstag um 14.30 Uhr werden die Schüler ihr Können dem Publikum vorstellen. Zwischen professionellen Showeinlagen der Familie Lauenburger beweisen sich die Schüler der vier Grundschulklassen von Mainbernheim.