Trompeten und Posaunen gehören in jede Blaskapelle. Aber ein reiner Posaunenchor entspringt dem Alten Testament. Er soll mit seinem feierlichen Gebläse Gott loben, preisen und ehren. Jede Zeremonie, die von einem Posaunenchor musikalisch begleitet wird, hebt die festliche Seite des Glaubens hervor.

Der Mainbernheimer Posaunenchor kann stolz auf 110 Jahre zurückblicken. Er gehört zu den ältesten in ganz Bayern. Zwei Weltkriege konnten die Bläser nicht vertreiben. Immer wieder gibt es junge Menschen, die gerne im Dienste Gottes ihr Instrument einsetzen.

Entstanden ist der Posaunenchor aus einigen Mitgliedern des Evangelischen Jünglingsvereins (heute bekannt als CVJM). Die Helden zwischen den beiden Kriegen sind Michael Müller und Georg Herbst gewesen. Als Männer der ersten Gründungsstunde hielten sie jahrelang alleine die Tradition aufrecht. Erst 1930 kamen wieder junge Bläser dazu.
Müller blieb bis weit in die 1960er Jahre ihr Chorleiter.

Stolz nahmen sie 1936 am Bayrischen Posaunentreffen in Nürnberg teil. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Posaunenchor wieder zügig aufgebaut. Lob- und Dank-Choräle zur Jahreswende erweiterten das religiöse Programm. Bald gab es auch Konzerte außerhalb des Markgrafenstädtchens. Die Einladungen führten sie in viele Ortschaften und Städte in ganz Unterfranken. 1980 organisierte der Mainbernheimer Posaunenchor das Bezirksposaunentreffen im Markgrafenstädtchen.

Frauen erobern den Chor

Einst reine Männersache kamen in den letzten Jahrzehnten auch Frauen hinzu. Bis heute sind es die Brüder Kramer gewesen, die seit der Nachkriegszeit den Posaunenchor mit reichlich eigenem und angeheiratetem Nachwuchs versorgt haben. Rudolf Kramer leitet den Chor seit acht Jahren als Obmann. Gerne würden die 13 Musiker wieder einem Dirigenten folgen. "Wer sich berufen fühlt, darf sich gerne melden", lud Rudolf Kramer in seiner Festrede während des Empfangs im Rathaus dazu ein.

Wie gut sie spielen können haben die im Chor involvierten Männer, Frauen und der erst zehn Jahre alte Hannes Haferkamp an diesem Wochenende bewiesen. Samstagabend gaben sie ein Festkonzert in der Stadtkirche von Mainbernheim. Der Bezirksposaunenchor des Dekanats Kitzingen unterstützte sie dabei, sodass gut 40 Bläser vor dem Altar aufs Feinste musizierten. Unter der Leitung von Carl Friedrich Meyer gab es Gospels und bekannte Kirchenlieder, die von den Zuhörern gerne mitgesungen wurden. Dazwischen überreichte Bezirksobmann Andrea Wagner eine Ehrenurkunde für die stolzen 110 Jahre. Und der Kirchenvorstand spendete 1100 Euro zum Anlass der Feier.

Den Festgottesdienst am Sonntag begleiteten sie zusammen mit den befreundeten Bläsern aus Fröhstockheim. Die Leitung übernahm Matthias Lux und Obmann Baron von Crailsheim. Der Gottesdienst endete mit einem überraschenden Tango, dem ein rauschender Beifall die schuldige Ehre gebührte.