Es ist wohl die Höchststrafe für einen Musiker, von den wirtschaftlichen Einbußen gar nicht zu reden: keine Auftritte! Die Corona-Folgen machen auf den „Dorfrockern“ aus Kirchaich in den Haßbergen zu schaffen. Doch die drei Thomann-Brüder wären keine Gute-Laune-Band, wenn sie sich von Corona komplett die Petersilie verhageln ließen. Corona ist, wenn man trotzdem singt: auf der mobilen „Helden-Bühne“!

„Wir wollten einfach raus aus dem Netz, raus zu den Leuten.“
Markus Thomann, Dorfrocker

Die Idee, so Markus Thomann, fußt auf dem Erfolg des Liedes „Stille Helden“. Die ruhige Nummer haben die Partyrocker aus dem Steigerwald schon seit gut vier Jahren im Programm, erzählt Markus. Im April, als sich die Corona-Krise zuspitzte und die Live-Auftritte reihenweise abgesagt werden mussten, stellten die „Dorfrocker“ eine aktuelle Version des „Helden“-Songs online. Und sie landeten damit einen Überraschungshit im Netz – Premiere selbst für die inzwischen altgedienten „Thomänner“ Markus, Tobias und Philipp: der erste Schlager aus dem Homeoffice.

„Das Lied ist schon immer gut angekommen, weil es den Leuten gefällt, wenn wir bei all den Gute-Laune-Liedern auch mal ein Stück zum Zuhören und Nachdenken spielen“, sagt Tobias. Bei den letzten Konzerten vor der Absage aller Termine wegen der Corona-Krise haben die Musiker gespürt, dass das Lied ganz neue Relevanz bekommen hat.

„Wir haben das Lied eigentlich geschrieben für die vielen Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, in Vereinen und Gesellschaft. Bis hin zum Platzwart im Sportverein, der seit 40 Jahren den Rasen mäht und selten mal ein Dankeschön hört“, sagt Markus. In der Corona-Krise rückten noch mehr stille Helden in den Blickpunkt bis hin zu den Helden, die schon immer in aller Stille das Notwendige tun und von Corona gleich mehrfach getroffen wurden: Homeoffice und Kurzarbeit plus Kinderbetreuung. „Wir haben gespürt, dass dieses Lied gut in diese Zeit passt, und haben es spontan neu arrangiert und produziert“, erzählt Markus. Mit ins Boot holten sich die „Dorfrocker“ das Berliner Duo „Schokkverliebt“ alias Mia Julia und Frenzy Blitz. Sonst eher als Partykracher bekannt, haben die beiden Damen es sichtlich genossen, der guten Sache ihre Stimmen zu leihen.

Entstanden ist die Coproduktion im „Homeoffice“, per Internet und Smartphone. Die Improvisation tut dem Song gut, der auf den Kanälen der „Dorfrocker“ im Internet – Facebook, Instagram, Youtube – millionenfach aufgerufen wurde.

Der Schritt hinaus auf die Bühne war dann für die „Dorfrocker“ konsequent, nachdem die Corona-Regeln nach und nach gelockert wurden. „Wir wollten einfach raus aus dem Netz, raus zu den Leuten“, sagt Markus. „Und das wollten wir ganz bewusst als Dankeschön gestalten für die vielen Helden.“

So hat eine in der Szene wohl einzigartige Konzertreihe begonnen: Die „Dorfrocker“ tingeln mit einer mobilen Bühne durch das Land. Vor der „Helden-Bühne“ können sich bis zu 100 Zuschauer versammeln, natürlich nach den Corona-Regeln, mit Abstand und so weiter. Damit es nicht zu einem Ansturm von Fans kommt, hängen die drei Thomann-Brüder die Konzerte nicht an die große Glocke.

„Die Konzerte sollen ein Dankeschön sein. Ein Dankeschön für die Mitarbeiter im Krankenhaus oder in der Firma zum Beispiel.“ Eben spielten die „Dorfrocker“ nach mehreren Auftritten unter anderem in Hessen zum ersten Mal in Franken, unter anderem vor Schülern in Stegaurach. „Die Kinder gehören für uns auch zu den stillen Helden der Corona-Krise“.

Für die „Dorfrocker“ ist die „Helden“-Tournee auch so etwas wie eine Fingerübung. „Es ist ja nicht so, dass wir zuhause einrosten würden, aber ein Auftritt vor Publikum, und wenn es noch so klein ist, ist eben doch etwas ganz anderes.

Da spürst Du, ob ein Lied funktioniert“, sagt Markus Thomann.

„Corona macht uns nicht stumm.“
Die Dorfrocker, Band aus Oberfranken

Und: Auch für das Team im Hintergrund ist es gut, unterwegs zu sein, etwas zu tun zu haben. „Eine Band besteht ja nicht nur aus den drei Leuten, die auf der Bühne stehen. Wir haben Tontechniker, Beleuchter, ein ganzes Team. Das sind unsere ganz persönlichen stillen Helden.“ Für die „Dorfrocker“ ist die Reise durch die Corona-Krise auch eine Reise in die eigenen Vergangenheit, zu den Anfängen. Anders als bei den Konzerten vor großem Publikum auf Festivals wie in Wacken „ist man da viel näher dran und die ganze Zeit dabei, von der Anfahrt, Aufbau und Soundcheck bis zum Abbau“, erzählt Markus. „Das ist ein bisschen Back to the Roots.“ Auch wenn sie nicht mit der Klampfe im Schlafsack übernachten, sind die „Konzerte to go“ für die Hitarbeiter, die als Kirchenband in Kirchaich begonnen haben und 2007 ihren ersten Fernsehauftritt hatten, eine besondere Erfahrung. Und die Einlösung eines Versprechens vom April 2020: „Corona macht uns nicht stumm!“

INFOS: www.dorfrocker.de

Dorfrocker in Dettelbach

Danke: Die Stadt Dettelbach lädt zum Dankeschön-Konzert der Dorfrocker ein. So soll allen stillen Helden der Großgemeine Dettelbach gedankt werden. Zum Beispiel Erzieher, Eltern mehrerer Kinder, Ärzte, Arzthelferinnen, Kassierer, Pflegekräfte, Krankenschwestern, Polizisten, Sicherheitskräfte usw. dürfen sich auf ein besonderes Konzert, in einem fast familiären Rahmen, freuen. Und so geht es: Alle Bürger, die in Dettelbach oder in einem Ortsteil von Dettelbach wohnen oder in Dettelbach tätig sind, sind aufgerufen, bis zum 15. Juli kurz schriftlich zu schildern, warum sie ein „stiller Held“ sind. Diese „Bewerbungen“ für die Konzerttickets bitte an stadt@dettelbach.de schicken oder persönlich im KUK Dettelbach am Rathausplatz 6 abgeben.

100 Karten: Wegen den Coronaschutzmaßnahmen sind die Karten für dieses Konzert auf 100 Stück limitiert. Jeder Kartenbesitzer darf eine Begleitperson mitnehmen. Sollten mehr als 50 Bewerbungen eingehen, werden die Karten unter allen Bewerbern verlost. Alle Gewinner werden am 16. Juli benachrichtigt.

Wann? Das Konzert findet am 21. Juli, um 19.30 Uhr auf dem Gelände der Spedition Michel im Mainfrankenpark statt. Einlass ab 18.30 Uhr. Speisen und Getränke dürfen selbst mitgebracht werden. Einen Verkauf vor Ort kann es nicht geben.

Weitere Informationen: Tourist-Information im KUK Dettelbach; Rathausplatz 6; Tel.: (09324) 3560; E-Mail: tourismus@dettelbach.de; www.dettelbach-entdecken.de