Zum Artikel "Demokratie und Zahlen akzeptieren" vom 14. April erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift:

Die Steigerwaldbahn stellt ein Thema dar, das seit einigen Monaten breiten Raum in dieser Tageszeitung einnimmt. Sowohl Gegner wie auch Befürworter der Reaktivierung liefern sich eine heftige Diskussion in Form von redaktionellen Beiträgen und auch in zahlreichen Leserbriefen. Ich persönlich habe mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Das CSU-Vorhaben der autonomen Busse halte ich aber schlicht für eine politische Luftnummer, um dem Wähler zu suggerieren, dass man Interesse an modernem ÖPNV hat.

Wer sich die Mühe macht, die Webseiten des Herstellers und Fachberichte einmal zu studieren, wird feststellen, dass der Hersteller der Fahrzeuge Hervorragendes in der Erforschung von autonomem Fahren leistet, diese für die genannte Strecke aber völlig ungeeignet sind. Die Begründungen stehen teilweise sogar in den technischen Berichten: Noch sind die Fahrzeuge zu langsam, die benötigte Spurbreite würde nie eine Begegnung, geschweige denn parallel einen Radweg zulassen und an den Straßenübergängen sind wie bei der Bahn kostspielige Absicherungen notwendig.

Es ist auch etwas verwunderlich, dass die Partei, die sonst an die Elektromobilität aus Angst um Arbeitsplätze eher etwas vorsichtig herangeht, hier nun ein führerloses, elektrisch angetriebenes Fahrzeug aus der Schublade zaubert. Ich glaube, dass das Projekt nur vorgeschoben ist und es im Kern um die (wählenden) Anwohner und das Bauland rund um die Bahntrasse geht.

Dabei ist es absolut richtig, die Anwohner sehr ernst zu nehmen. Ich weiß wovon ich rede. Mein Elternhaus stand im Abstand von je 200 Metern zwischen der heutigen Mainschleifenbahn (damals fuhren da Tankzüge) und der Staatsstraße 2260 von Volkach nach Würzburg. Dabei sei angemerkt, dass wir als Kinder die Straße als störender und gefährlicher empfunden haben als die Bahn.

Die CSU sollte aufhören, ihre Anhänger zu belügen und die Befürworter der Reaktivierung sollten die Zahlen und Fakten nicht ganz so einfach als falsch abtun. Wichtig wäre ein Dialog beider Parteien, zusammen mit Anwohnern und mit der thüringischen Eisenbahn GmbH, die alles andere als ein Verein von Hobbyeisenbahnern ist.

Bernd Dietrich
97332 Volkach