Die Integration der Neubürger wird für beide Seiten immer wichtiger. Deshalb gibt es im Rathaus auch eine Referentin für Integration. Astrid Glos lud am Wochenende zum dritten Nachbarschaftsfest ein.

Der Marktplatz war überfüllt mit Menschen aus allen Himmelsrichtungen. Tradition, Religion, Ernährung und Familie spielten eine große Rolle. "Wir brauchen eine echte Willkommensstruktur", forderte Glos in ihrer Begrüßung. Es gehe nicht nur darum, die Sprachbarrieren mit verstärkten Deutschkursen abzubauen.

"Wenn es irgendwann einmal Probleme gibt, dürfen wir uns nicht darüber hinwegsetzen", forderte OB Siegfried Müller. Vorurteile würden nur Misstrauen hervorrufen. Erst mit dem Verständnis der fremden Kultur komme man zu einem friedlichen Miteinander.

Russland im Fokus

Beim Nachbarschaftsfest steht jedes Jahr ein neues Land im Fokus. Dieses Mal war Russland an der Reihe, oder besser: die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Der Frauenchor "Harmonie" aus Schweinfurt konnte Sängerinnen aus Kasachstan, Uzbekistan, Russland und der Ukraine ausweisen. Olga Baluyev ist mittlerweile schon seit neun Jahren in Deutschland und leitet die 15 Frauen. Sie sprechen und singen in deutscher Sprache.

Die Brüder Alex und Deslan Dosgoyev kommen aus Tschetschenien. Sie brachten ihre Kostüme mit und zeigten einen traditionellen Tanz aus dem Kaukasus. Zwischen den Ständen konnten die Besucher russische und türkische Spezialitäten probieren. Wer es leichter und fruchtiger wünschte, fand bei Nishanthi eine reiche Auswahl an frischem Obst und leckeren Teesorten. Die quirlige Sri Lankerin lebt seit 19 Jahren in Markt Einersheim. Das hält sie aber nicht davon ab, sich um die Kinder ihres Landes zu kümmern. Für ihr Projekt "Dedunu" konnte sie schon zahlreiche deutsche Freunde gewinnen.

Es gab auch Showeinlagen von den Kitzinger Schulen und Kindergärten. Das bunt gemischte, aber durchaus dichte Programm auf der Bühne kannte keine Pausen. Aus Dettelbach kam die akrobatische Tanzgruppe "Deca Dance" des JTSC. Die verschiedenen Hymnen wurden von einer Auswahl der Kolping Musikgruppe gespielt.
Die türkische Gemeinde freute sich über den großen Stand mit heimischen Spezialitäten. Nur die Angehörigen der muslimischen Religion mussten sich zurückhalten. Sie sind gerade mitten im Ramadan. Deshalb fehlten auch viele Familien aus den überwiegend muslimischen Ländern.

Viele Nationen vertreten

Bei der Pfadfinderabteilung "Royal Rangers" aus Kitzingen bewiesen Jungs und Mädels ihre handwerklichen Talente. Gegenüber konnten sie bei "Jung Stil" der Stadt Kitzingen weitere Geschicklichkeitsspiele ausprobieren und an einem Wettbewerb teilnehmen. Am Ende gab es Kinokarten zu gewinnen.

Unter dem Publikum waren die verschiedensten Nationen: Tunesien, Italien, Russland, Serbien, Türkei, Burma, Sri Lanka, Guinea und immer wieder Afghanistan. Viele flüchteten vor dem Krieg, vor dem Terror und der Diktatur. Sie suchten eine bessere Zukunft für ihre Kinder. Ihr Heimatland haben sie nicht vergessen. "Ich fühle mich wohl hier", antworten die meisten höflich. Aber die Sehnsucht nach der Heimat ist ihnen anzusehen.

Im Rathaus gab es eine Ausstellung über die "Geschichte der Deutschen in Rußland". Denn auch das ist ein Teil der Integrationsgeschichte: Vor rund 250 Jahren sind viele Deutsche nach Russland emigriert. Wie es ihnen ergangen ist, zeigen bewegende Bilder in der Rathaushalle. Integration ist keine Einbahnstraße.