Bei seinem Jubiläumskonzert begab sich der Musikverein Cäcilia Nordheim auf eine Reise in die Vergangenheit. Und das mit Erfolg, wie das begeisterte Publikum belegte.
Sich auf eine Zeitreise 1100 Jahre in die Vergangenheit zu begeben – das wirkt nur auf den ersten Blick wie eine einfache Angelegenheit. Sie wird kompliziert, wenn es sich um ein Jubiläumskonzert handelt und niemand Noten aus dem Jahr 918 nach Christus auftreiben kann. Geschweige denn Musikinstrumente wie ein Spinett oder eine offen geblasene Längsflöte.
Und ob der Musikverein Cäcilia Nordheim noch jemanden gefunden hätte, der einem solchen Museumsstück Töne entlockt hätte, bezweifelte Sibylle Säger vom Musikverein, die beim Jubiläumskonzert am Samstagabend zwischen der Trompete und ihrer Rolle als Moderatorin hin- und hersprang.
„Weshalb wir mit der Musik auch gleich mal ein paar Jahrhunderte überspringen und gleich bei Georg Friedrich Händel im Barock einsteigen“, verkündete Säger. Flugs schwang Dirigent Klaus Säger den Taktstock und der Musikverein lud seine gut 200 Zuhörer in der TSV-Halle in Nordheim ein, diese musikalische Zeitreise zu genießen.
Händel, Verdi und Strauss
Die gestaltete sich im ersten Block, gespielt vom Musikverein, auch getreu der guten alten Zeit, mit Händel, Guiseppe Verdi und Johann Strauss. Womit der historische Teil auch schon abgehandelt war, der restliche Abend präsentierte sich musikalisch in einem sehr modernen Gewand.
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Allein schon wegen der modernen Instrumenten, mit denen die Orange Moon Band (aus Musikern aus dem Landkreis bestehend) die Bühne eroberte. Saxophon, Schlagzeug, Percussions (mit der Hand gespielte Trommeln), um nur einiges an Instrumenten zu nennen. Vom Stil her ist die Band eine Cover-Band, doch sie gleich für irgendwelche Stimmungspartys buchen zu wollen – dafür ist die Musik dann doch zu modern. Okay, Michael Jackson, Phil Collins oder auch Sade gehören durchaus auf Partys. Wenn die Stilrichtung aber mit Jazz und Elementen des Blues versehen ist, dann ist es eher doch eine gediegene Musik für gepflegte Abende mit einem schönen Wein und angeregten Gesprächen.
Die vorderen Reihen verschmäht
Was sich auch gefühlt 30 Zuschauer an diesem Abend gönnten, die die vorderen zwei Sitzreihen verschmähten und lieber an den Stehtischen in der Nähe der Getränkestation (betreut natürlich von den Musikern) aufhielten. Da mischte sich die Musik mit den Gesprächen zu einem sehr angenehmen Mix, ähnlich einer Stehparty.
Dann wechselten einige der Musiker ihre Positionen, gingen in die Zuschauerreihe und ließen sich auf der Bühne von anderen Musikern ersetzen. Es war das FlatCat Jazz Project, und der Namensteil „Jazz“ war das eigentliche Programm. Sehr modern, sehr jazzig, mit vielen für diese Stilrichtung eingestreuten Soli von Gitarre, Kontrabass, Keyboard oder Saxophon. Stimmig, griffig, einfühlsam, dann mal wieder schneller und aggressiver, aber insgesamt rundum harmonisch – Jazz halt.