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Volkach

Frank Hofmann im Ruhestand: Mit dem E-Bike durch Toskana-Franken

Freitags-Fragen: Seit 45 Jahren ist er in der SPD, 1994 wurde er für 19 Jahre Bundestagsabgeordneter. Der Volkacher Frank Hofmann zieht Bilanz einer bemerkenswerten Karriere.
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Der Wahlkämpfer: Frank Hofmann im September 2006 in Kitzingen. Foto: Harald Meyer
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Frank Hofmann war 19 Jahre lang für seinen Wahlkreis Kitzingen/Schweinfurt Abgeordneter im Bundestag. Zuletzt saß der 1949 in Schweinfurt geborene SPD-Mann noch im Kreistag, seit dessen Neuwahl hat sich der Volkacher nun endgültig aus der Politik verabschiedet. Eine Bilanz.

Frage: Was hat Sie bewogen, 1975 in die SPD einzutreten?

Frank Hofmann: Das war keine Spontanentscheidung. Bereits zehn Jahre früher, mit 16, habe ich mich für Politik interessiert. Das Erstarken der NPD in den 60er Jahren, der Atomkraftwerksbau im Grafenrheinfeld, die soziale Ungerechtigkeiten in Deutschland und in den Entwicklungsländen waren mir die wichtigen Themen. Dann kam der Anstoß 1975 durch meinen Nachbarn Wolfgang Härtel, der damals SPD-Ortsvereinsvorsitzender und Stadtrat in Volkach war.

Sie waren früher beim Bundeskriminalamt - was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie nicht Bundestagsabgeordneter geworden wären?

Hofmann: Diese Frage kann ich nicht beantworten. Aber vielleicht gibt folgendes eine Einschätzung. Mit dem späteren Polizeipräsidenten von Unterfranken bildete ich eine Fahrgemeinschaft für ein Jahr. Jeden Sonntag 400 Kilometer nach Münster-Hiltrup und Freitag zurück nach Würzburg. Das verbindet. Bei meiner Ausbildung zum höheren Polizeivollzugsdienst traf ich auch auf Jörg Ziercke, den späteren BKA-Präsidenten. Diese Vernetzungen habe ich nutzen können, um Otto Schily auf sein Amt als Bundesinnenminister vorbereiten zu können.

Wie kam es zur Kandidatur für den Deutschen Bundestag?

Hofmann: Ich hatte bereits Kontakte zur SPD-Bundestagsfraktion und wurde als Sachverständiger für Kriminalstatistiken geladen. Für die bayerische SPD-Landtagsfraktion hatte ich maßgeblich ein Wahlprogramm für die Innere Sicherheit entworfen. Vom SPD-Kreisverband Kitzingen wurde ich gefragt, ob ich mir so eine Kandidatur zutraue. In Bayern kommt man als SPDler über die Parteiliste in den Bundestag, direkt gewählt wird in der Regel der CSU-Kandidat, in Schweinfurt/Kitzingen also Michael Glos. Ich erkämpfte mir im Dezember 1993 den Platz 27 gegen zwei weitere Mitbewerber. Das brachte mich 1994 in den Bundestag.

Welche Eigenschaften braucht ein Politiker?

Hofmann: Jede Menge Sitzfleisch. Ein selektives Gedächtnis ist ebenfalls gut, man darf sich nicht jede Kritik zu Herzen nehmen. Und ein Saumagen ist wichtig Es gibt keine geregelten Pausen.  Alles andere als gesund.

Worauf blicken Sie am liebsten zurück?

Hofmann: 1998 war ich Schriftführer im Deutschen Bundestag. Bei der Wahl des Bundeskanzlers rufen die Schriftführer die Abgeordneten zur geheimen Wahl des Bundeskanzlers auf. Wie es der Zufall wollte, rief ich Gerhard Schröder zur Stimmabgabe auf, der dann auch Bundeskanzler wurde.

Die eindrucksvollste Begegnung in dieser Zeit?

Hofmann: Ein Flug nach Griechenland mit dem Verfassungsrichter Winfried Hassemer als Nachbar. Unser Thema: Darf der Verteidigungsminister den Abschuss eines Flugzeuges anordnen, um Tausende von Menschenleben zum retten? Bewegt hat mich auch ein Besuch auf einem deutsch-russischen Soldatenfriedhof in Russland.

Wie viele Kilometer liegen zwischen Volkach und Berlin? Wie oft haben Sie diese Strecke bewältigt?

Hofmann: Da ich immer mit dem Zug gefahren bin, haben mich nie die Kilometer interessiert, sondern die Zeit, die ich unterwegs war. In der Regel waren es fünf bis sechs Stunden. Aber ich konnte die Zeit sinnvoll nutzen mit lesen, telefonieren und einem kleinen Nickerchen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem, was Sie politisch erreicht haben? 

Hofmann: Ich habe dafür gekämpft, dass die Polizei alle Instrumente bekommt, die sie für eine erfolgreiche Verbrechensbekämpfung benötigt. Aber ich habe auch darauf geachtet, dass der Bürger informiert werden muss, wenn der Staat heimlich überwacht.

Zu welchen Weggefährten halten Sie Kontakt?

Hofmann: Zu meinem Vorgänger als Bezirksvorsitzenden, dem langjährigen Parlamentarische Staatssekretär und Würzburger Abgeordneten Walter Kolbow. Von 1990 bis 2020 war ich ehrenamtlich und als Berufspolitiker engagiert als Stadt- und Kreisrat, als Mitglied in der G 10 Kommission des Deutschen Bundestages und als Bundestagsabgeordneter. Von vielen meiner Kolleginnen und Kollegen habe ich eine hohe Meinung. 

Gibt es eine Art Bundestags-Rentner-Stammtisch?

Hofmann: Ich bin Mitglied in der Vereinigung der ehemaligen Parlamentarier des Deutschen Bundestages und des EU-Parlaments. Es ist kein Rentner-Stammtisch, es geht eher um Vorträgen, Reisen und Begegnungen.

Wie sehen Sie die aktuelle Lage der SPD?

Hofmann: Auf Bundesebene sind die Umfragewerte mehr als bescheiden. Auf Landesebene ist die SPD im Süden ohne Chance auf eine Regierungsbeteiligung. Bemerkenswert bleibt jedoch gerade in Bayern, dass die SPD in den Städten und Gemeinden fest verankert ist.

Wie konnte es für die SPD so weit kommen?

Hofmann: Darauf habe ich keine schlüssige Antwort. Mittlerweile interessieren sich die Bürger nicht für die Bundes-SPD, gleichgültig wie gut ihre Politik ist. So wird die gute Arbeit des Finanzministers Olaf Scholz der Bundeskanzlerin zugerechnet, nicht aber der SPD.

Ihr Tipp an die beiden Vorsitzenden?

Hofmann: Sie haben es schwer, denn sie sind nicht im politischen Machtzentrum verortet. Aktuelle Politik wird durch die Minister und die Fraktionsführung gemacht. Aber läuft es bei der CDU- Parteivorsitzenden AKK besser? Sie verschwindet fast unbemerkt aus den Medien. Niemand interessiert sich mehr für sie. Aber das bleibt ohne negative Auswirkungen auf die Umfrageergebnisse. Ich verstehe das nicht.

Ist Kevin Kühnert die Zukunft der SPD?

Hofmann: Die SPD ist keine Ein-Personen-Partei und kein Kanzlerwahlverein. Sondern eine Partei, die sich durch Werte definiert und sie in politische Programme umsetzen will. Hier kann Kevin Kühnert eine Rolle spielen, aber keinesfalls alleine.

Wie sieht das Rentnerdasein des Frank Hofmann aus?

Hofmann: Montags stand, bevor das Coronavirus uns einen Strich durch die Rechnung machte, eine wöchentliche Schafskopfrunde beim Düll in Krautheim an. Tischtennis ist immer noch eine Sucht. Ich kann davon nicht loslassen. Ich schaue mir die Bundesligaspiele in Bad Königshofen und „unsere Etwashäuser“ an und mache Punktspiele für meine Sommeracher Mannschaft. Radfahren auf dem E-Bike ist eine weitere Leidenschaft geworden. Unterfranken ist ein Paradies für Radfahrer. Ziel sind 4000 bis 5000 Kilometer jährlich, mit Zabelstein, Friedrichsberg, Schwanberg und einmal im Jahr auch die Rhön und der Kreuzberg.

Warum ist es in Volkach am schönsten?

Hofmann: Viele müssen 1000 Kilometer und mehr fahren, um Urlaub in der Toskana zu machen. Ich nehme mein Fahrrad, fahre runter an den Main und in die Weinberge und bin schon mitten in meiner fränkischen Toskana.