Der September ist ein überaus schicksalhafter Monat für das so genannte "Paulshaus" in Mainbernheim. Im September 1745 hielt im großen Innenhof des Gasthauses "Zur Güldenen Krone" in Mainbernheim eine Kutsche. Kaiserin Maria Theresia von Österreich war auf der Durchreise und nahm Quartier für eine Nacht.

Zwei Jahre zuvor hatten die Kuriere mit der Deutschen Kaiserkrone und den Reichsinsignien auf dem Weg nach Frankfurt Halt gemacht. Der Krongesandtschaftssekretär Gustav Adam Braun ließ 1790 Nürnberger und Ansbacher Begleitpersonen in diesem Gasthaus beherbergen.

Er war ebenfalls auf der Durchreise zu einer Krönung in Frankfurt, diesmal war Leopold II an der Reihe. Neun Jahre später kehrte gar der Preußenkönig Friedrich Wilhelm II mit seiner Gemahlin hier ein.

"Zur Güldenen Krone" war im 18. Jahrhundert ein weitbekanntes Gasthaus. Seine Mauern und besonders der schöne Gewölbekeller sind 1594 erbaut worden. Das konnte durch eine Bohrung in die uralten Dachbalken auf das Jahr genau bestimmt werden.

Viel mehr weiß selbst Kurt Kraus nicht über den Ursprung des Hauses. Er hatte das Stadtarchiv jahrzehntelang gepflegt und gerne in der spannenden Vergangenheit recherchiert. Seine Dokumente berichten erst wieder ab 1893 vom Besitzerwechsel des Anwesens in der Herrnstraße. Damals brachte der Zeilitzheimer Jacob Paul seinen Weinhandel in den Gebäuden unter. Es war ein günstiger Standort, genau gegenüber dem Rathaus. Bald nannten es die Einwohner nur noch "das Paulshaus".

Vielfältig genutzt

Der Name blieb auch, als 1928 die Stadt Mainbernheim das Anwesen übernahm, nachdem Jacob Paul nach Mainz gezogen war. Bullen und Eber wurden weiterhin auf dem Hof gehalten. Die kleineren Nebengebäude standen 1933 der Hitlerjugend zur Verfügung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in diesen Räumen Tiefkühltruhen für die Bauern aufgestellt. Später probte dort der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr. Schließlich wurden die Nebengebäude 1988 endgültig abgerissen.

1962 wurde die Tierhaltung eingestellt und der städtische Bauhof fand seine Räumlichkeiten in der Hofanlage. Seit September 1950 hat die Sparkasse ihre Geschäftsräume in dem zur Herrnstraße liegenden Gebäude eingerichtet. Sie renovierte und erweiterte ihre Räume eigenständig bis in die heutige Zeit.

Neue Besitzer für das Paulshaus

1978 entschloss sich der Stadtrat zu einer eingehenden Renovierung. Doch bald war klar, dass die Stadt die Wartung und Erhaltung der Hofanlage nicht mehr weiterführen könnte. Hans und Ute Metzger hatten davon in der Lokalpresse gelesen. Die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung verliefen schnell und sehr konkret.
Im September 2007 wurden sie zu den neuen Besitzern des Paulshauses. Dr. Ute Metzger ist Heilpädagogin und lebt mit ihrem Mann in Sulzfeld. Sie sorgt vor allem für die finanzielle Seite. Ihr Mann lebt sein Hobby aus. Er sucht gerne alte, denkmalgeschützte Objekte, bei denen es sich lohnt, sie wieder zum Leben zu erwecken.

Zusammen mit der Architektin und Diplom-Ingenieurin Ute Ritter-Krauß entwickelten sie ein Konzept, in dem die Struktur der historischen Herberge erhalten bleiben konnte. Aus den Fremdenzimmern wurden drei schöne Wohnungen. Im zweiten Stock blieben die Stuckdekorationen, und große Teile der alten Fußböden konnten verwendet werden. "Es soll so viel wie geht erhalten bleiben", betont Hans Metzger. "Hier konnte ich nicht viel Eigenleistung bringen", erinnert er sich, "deshalb gingen irgendwann die Kosten durch."

Erfreut war der gelernte Stahlbauschlosser über die gute Zusammenarbeit mit der Mainbernheimer Stadtverwaltung, dem Landratsamt und natürlich dem stets präsenten Amt für Denkmalpflege.
Wie sehr es dem Ehepaar Metzger gelungen ist, Historie mit Moderne zu verbinden, das wird nun mit dem Förderpreis Bausubstanz belohnt. "Die 25 000 Euro, die der Preis mit-bringt", freut sich Hans Metzger, "werden sofort für weitere Reparaturen ins Paulshaus gesteckt." Überreicht wurde ihm der Preis am diesem Donnerstag, 25. Juli, in der ehemaligen Synagoge in Arnstein.