Die Stimmung in den Büros und Werkstätten von Fehrer ist schlecht, seit das Schreckgespenst der Schließung und Verlagerung ganzer Abteilungen umgeht, Entlassungen eingeschlossen. Rund 250 Mitarbeiter und Beschäftigte weiterer Großbetriebe in Kitzingen folgten am Samstag der Einladung der IG Metall zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz, um auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen.

Längst geht es nicht mehr um die Arbeitsplätze bei Fehrer alleine, zahlreiche Schlossereien in der Region arbeiten regelmäßig als Zulieferer für Fehrer. Ihre Aufträge würden bei Betriebsverlagerungen ins Ausland oder andere Regionen ebenfalls wegfallen.

Als Sprecher der Geschäftsführung zog sich Bernd Welzel im Vorfeld der Veranstaltung auf die schriftliche Feststellung zurück, das Unternehmen habe die Arbeitnehmervertreter über notwendige Maßnahmen und die Gründe informiert und werde weiter verhandeln - allerdings im direkten Gespräch und nicht in der Öffentlichkeit.
"Die Stimmung ist außerordentlich schlecht", bilanziert Fehrer-Mitarbeiter Reinhold Braun. Die Belegschaft würde über die Entscheidungen des Sanierers quer durch alle Abteilungen im Ungewissen gelassen. "Die Unsicherheit steigt, die Motivation fällt", beklagt er.

Jugend- und Auszubildendenvertreterin Babett Wirsching geht es um 48 Menschen, deren Zukunft im Betrieb derzeit überwiegend offen ist. "Im kaufmännischen Bereich werden demnächst drei Jugendliche fertig, im gewerblichen Bereich sind es fünf", fasst Wirsching zusammen. Wer bis März die Ausbildung abschließt, wird unbefristet übernommen, alle anderen, die später fertig werden, erhalten nur einen befristeten Arbeitsvertrag bis zum Ende des laufenden Tarifvertrages am 31. Januar 2014, berichtet sie.

Stimmung auf dem Tiefpunkt

"Der Sanierer wird durchsetzen, was er sich vorgenommen hat", vermutet Kathrin Eberlein, die seit zehn Jahren zur Belegschaft im Einkauf gehört und dort ihre Ausbildung absolvierte. In allen Abteilungen werde ein Stellenabbau befürchtet. Weit verbreitete Meinung im Hause sei, dass die Angestellten Angebote für einen Standortwechsel bekommen. Wer das Angebot nicht annimmt, muss wohl gehen. "Die Stimmung und die Frustration haben einen Tiefpunkt erreicht", beklagt sie. Am meisten mache ihr zu schaffen, dass keine Absprachen untereinander mehr erfolgten und jeder nur seine eigene Aufgabe erledige.

Der Ehemann von Beate Jünk gehört seit 31 Jahren zur Belegschaft und arbeitet nach der Lehre im Anlagen- und Formenbau. "Der Verlust des Arbeitsplatzes wäre eine Katastrophe", sagt sie. Ihr Mann habe zwar eine Schlosserlehre absolviert, die aber sei sehr betriebsspezifisch ausgerichtet gewesen. Selbst das Angebot, an einen anderen Standort zu wechseln, wäre für die bodenständige Familie eine Überforderung. Neben finanziellen Auswirkungen bis ins Rentenalter gehe es auch um die Ausbildung der Kinder.

Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Würzburg, Walther Mann, sprach von massiven Einschnitten und der Gefährdung des Standortes, sollte es tatsächlich zu Entlassungen kommen. Die Forderung, Deutschland müsse mindestens einen Standort weniger haben, bedeute, dass Braunschweig, Wackersdorf oder Kitzingen auf der Kippe stehen.

Die vorgesehene Reorganisation des Unternehmens bedeutet für Walther Mann eine Halbierung der Belegschaft im Bereich Maschinenbau, die es zu verhindern gelte. Die Schicksale der Menschen scheinen keine Rolle mehr zu spielen. "In welcher Zeit leben wir eigentlich?", fragte er und löste stürmischen Beifall aus.
Fehrer habe am Markt Dank seiner Belegschaft immer punkten können, die absolute Zuverlässigkeit habe das Unternehmen stark gemacht. Im Maschinen- und Formenbau besitze Fehrer ein Alleinstellungsmerkmal, aber wer gehe, nehme Erfahrung mit.

Begeistert von der Teilnahme von Mitarbeitern aus anderen Betrieben zeigte sich Oberbürgermeister Siegfried Müller. "Beim Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofer wurde der Bereich Formenbau von Geschäftsleitung und Mitarbeitern als das Herzstück des Unternehmens bezeichnet", erinnerte er. Ohne dieses Herzstück sei das Unternehmen folglich nicht überlebensfähig. Auch ihm gegenüber habe die Geschäftsführung versichert, dass der Verzicht auf den Formenbau ausgeschlossen sei.
"Ohne den Bereich Formenbau ist das Unternehmen jederzeit austauschbar", kritisierte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Betriebsrat Formen- und Anlagenbau Kurt Wexlberger die Entscheidung für einen externen Formenbau.
Im Dezember habe die neue Geschäftsleitung eine Redimensionierung im Anlagen- und Formenbau mit der Begründung angekündigt, externe Lieferanten seien besser und billiger als das eigene Fachpersonal. Dabei habe Wirtschaftsprüfer Roland Berger gerade die gewachsene Infrastruktur als Stärke des Unternehmens gelobt. Wirtschaftsprüfer Dröge habe bereits 2004 den Formenbau in Kitzingen mit dem Ausland verglichen und "aufstocken aber nicht auslagern" als sinnvoll erachtet.
"Viele von uns haben Fehrer auf die Stirn tätowiert", meinte Betriebsratsvorsitzender Holger Lenz und fragte, ob denn Loyalität mit bis zu 40 Jahren Betriebstreue nichts mehr wert sei. Statt dessen werde bei der Aquise von neuen Aufträgen bereits mit tschechischem Lohnniveau kalkuliert. Lenz forderte für die Beschäftigten eine faire Chance ein. "Wir wollen nichts geschenkt, wir haben es uns verdient", unterstrich er.