Rund 750 Parteimitglieder und interessierte Zuhörer füllten zum politischen Aschermittwoch die Steigerwaldhalle in Wiesentheid. Natürlich hatte der Ehrengast, der frühere Bayerischer Finanzminister Georg Fahrenschon, diverse Vorstände und Geschäftsleitungen der ansässigen Banken angelockt. CSU-Kreisvorsitzender Dr. Otto Hünnerkopf freute sich dennoch besonders über die zahlreichen Parteifreunde: "Unsere Mitglieder sind ja quasi die Feinwurzeln eines starken mächtigen Baumes."
Hünnerkopf hob die Bedeutung der Kommunalpolitik besonders hervor und stellte im Wahljahr 2013 auch gleich die Kandidaten der CSU vor, darunter sehr viele Frauen.
Die Begründung dafür lieferte Hünnerkopf prompt: "Mit Frauen haben wir bei der Bayernwahl mehr Chancen." Und kündigte an: "Es wird auch wieder eine taffe Frau aus Kitzingen aufgestellt werden."
Laut einer Studie des Bayrischen Rundfunks würden 98 Prozent der Menschen gerne in Bayern leben. Das bestätigte Dr. Hünnerkopf: "Auch wir Unterfranken sind da dabei. Wir leben also gerne in Bayern." Lachender Applaus war ihm gesichert. Den Grund dazu sah Hünnerkopf im ehrenamtlichen Engagement und im "grundsoliden Unternehmertum".
Die unzähligen mittelständischen Familienunternehmen würden das Rückgrat der Bayrischen Wirtschaft bilden. Und "in aller Bescheidenheit" sorge dafür auch eine solide Politik, bei der die CSU ihren wichtigen Anteil habe. Ein paar Streicheleinheiten müssen schon vergeben werden.
Das Thema des Abends "Deutschland und der Euro" wurde mit Spannung erwartet. Katrin Blendel, die jüngste Stadträtin im Volkacher Rathaus, kannte Georg Fahrenschon. Sie war in Passau dabei gewesen und hatte ihn bei einer Diskussion erleben dürfen. Deshalb wusste sie, "er kann die Menschen in seinen Bann ziehen". Katrin Blendel hatte ihre Freundin Michaela Rehm zur CSU gebracht. Die Jurastudentin ist erst seit drei Wochen mit dabei.
In seiner 45-minütigen Rede konnte sich Georg Fahrenschon eines überaus aufmerksamen Publikums sicher sein. In der Steigerwaldhalle war es stiller als bei einem klassischen Konzert. Der ehemalige Bayrische Finanzminister und heutige Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes beeindruckte seine Zuhörer mit einer kompetenten und charismatischen Rede aus dem Stegreif. Er führte Zahlen und Fakten in Konzepte ein und blieb logisch und kontinuierlich in seiner Ausführung.
Der Euro wurde von ihm in einer historischen Biografie eingeführt, warum es eigentlich dazu kam und weshalb Europa eine einheitliche Währung nötig hatte. "Der Euro hat uns geholfen, die Krise erfolgreich zu überstehen", betonte der Diplomökonom. Sein Loblied auf die Europäische Zentralbank (EZB) wurde nicht von allen angenommen. Als Fahrenschon forderte, "die Unabhängigkeit der EZB muss bestehen bleiben", kam der Applaus nur zögernd, aber er hatte geduldig darauf gewartet. Schließlich muss auch ein guter Redner mal wieder durchatmen.
Seine Kritik am Europarat, der "seine Abschlüsse in Hinterzimmern" vornimmt, stieß da schon eher auf Verständnis. Fahrenschon unterstrich die schuldenfreien Bayernhaushalte. Als er deshalb neben dem Wettbewerbskommissar auch einen Währungskommissar forderte, bekam er aufrichtigen spontanen Applaus. Die Einhaltung der Regeln lag ihm sehr am Herzen. "Transparenz und Kompetenz bilden die Basis für Demokratie und Kontrolle."
Natürlich durfte auch die Kommunalpolitik nicht fehlen. "2000 Städte und Gemeinden allein in Bayern", zählte er auf. "Das ist ein Unding in der heutigen Zeit." Es sei nicht einfach für die einzelnen Kommunalpolitiker, ihre täglichen Aufgaben zu bewältigen. Doch gerade darin liege ihre Stärke.
Der letzte Teil der Rede bezog sich auf den Mittelstand und dessen Stabilität und Solidität: "Der Mittelstand in Bayern ist der größte Arbeitgeber, der größte Ausbilder und der größte Innovator." Die Zuhörerin Martha Nüßlein aus Wiesentheid war damit nicht einverstanden: "Da ist er zu weit gegangen. Der Mittelstand hat noch hart zu kämpfen."
Für die Banker Cornelius Göb und Andreas Lab der Sparkasse Mainfranken Würzburg war die Rede selbst für Laien gut verständlich gewesen. Auf eine spezifische Frage hin, wie es um den Mittelstand steht, gab es jedoch nur verlegenes Schweigen und ausschweifende Blicke.