Friedrich Woesch ist ein Künstler. "Sagt zumindest meine Frau", merkt er an. Allerdings arbeitet er nicht mit Leinwand und Pinsel oder Marmorblock und Meißel. Er hantiert mit Schwarzpulver, Kupfer und Barium, Magnesium und Aluminium, Strontium und Natrium. Er schießt die Metallsalze, eingepackt in faust- bis fußballgroße Kanonenkugeln, bis zu 200 Meter in die Luft, wo sie in buntem Ascheregen verglühen. Auf seine Art ist Friedrich Woesch ein Maler, denn er zeichnet Bilder an den nachtschwarzen Silvesterhimmel.

Woesch führt den gleichnamigen Familienbetrieb als professioneller Feuerwerker nunmehr in der dritten Generation. "In unserer Familie hat man Schwarzpulver im Blut und wächst mit Feuerwerken auf", sagt der 64-jährige Würzburger.

Schon von Kindesbeinen an gehören die explosiven Kugeln zu seinem Alltag.
Heute, mehr als fünf Jahrzehnte später, brennt er 150 Feuerwerke jährlich ab.


Von Langweile oder Monotonie keine Spur, gleicht doch kein Programm dem anderen. "Jedes Feuerwerk wird für einen speziellen Ort gestaltet", erläutert er. Die Würzburger Residenz stellt als Hintergrund andere Ansprüche als der Volkacher Festplatz oder die Kitzinger Harvey Barracks. "Wenn ich ein Feuerwerk plane, sehe ich genau den Abbrennplatz vor mir", erklärt der Pyrotechniker.

Die vorhandene Kulisse bestimmt, was möglich ist. Danach stellt er eine Abschuss-Choreographie zusammen.
Er legt vorher am Schreibtisch fest, in welcher Reihenfolge die Bomben fliegen und Palmen, Chrysanthemen oder Schmetterlinge an den Himmel zaubern. "Es ist wichtig, dass man Bilder zusammenstellt und die Bilder aufeinander abstimmt", sagt er. Formen, Farben und Rhythmus: Bei Woesch geschieht nichts zufällig.

Steht die Choreographie fest, geht es mit dem Aufbau vor Ort weiter. Erst werden die Abschussrohre aus Fieberglas oder Metall aufgebaut und mit den jeweiligen Geschossen geladen. "Danach wird alles verkabelt und kann dann gezündet werden", schildert Woesch weiter.

Feuer braucht er zum Abbrennen nicht, das geht alles elektrisch.

"Per Knopfdruck an einem Steuerpult", sagt er. Drückt er den roten Knopf, werden die Kugeln wie aus einer Kanone in die Luft geschleudert. Am höchsten Punkt der Flugbahn angekommen, zündet schließlich der Effekt und lässt goldene, rote, grüne und blaue Glut aufleuchten. Nach 15 Minuten ist das Spektakel meistens vorbei.

Die Sprengsätze stellte Großvater Fritz Woesch zum Ende des 19. Jahrhunderts noch selbst her. "Heute wird aber alles gekauft", meint der Chef-Pyrotechniker. Für seine Großfeuerwerke benutzt er Raketen der Kategorie 4. "Dafür braucht man eine staatliche Sprengstofferlaubnis." Zum Vergleich: Im Handel können Privatleute für ihre Silvesterparty Raketen und Böller der Kategorie 2 erwerben. Das mag sich wenig anhören, aber auch hier werden mittlerweile ohne Weiteres 40 Meter Höhe erreicht.

"Die Feuerwerkskörper sind von der Bundesanstalt für Materialprüfung abgenommen, sind bewährt und funktionieren", erklärt der Experte. Das allein sei allerdings noch keine Garantie für Sicherheit. "Die korrekte Verwendung ist das Problem. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er damit umgeht."

Einen achtsamen Umgang mit den Silvesterraketen hält er deshalb für geboten.

Gerade weil die Kombination von Alkohol und Sprengstoff ein explosives Gemisch ergeben. "Aber das Böllern an Silvester hat Tradition. Das gehört dazu und soll jedem selbst überlassen bleiben", findet Woesch. Das Problem stellt sich für ihn jedoch nicht. Wie jedes Jahr ist er in der Nacht auf Neujahr mit einem Großfeuerwerk im Einsatz. Heuer übrigens in Bad Griesbach bei Passau. "Seit ich Feuerwerke mache, war ich immer auf Achse", erzählt er. Also steht er bei Schnee, Minusgraden oder auch strömendem Regen im Freien und sorgt in seinem roten Schutz-Overall für einen strahlenden Jahresbeginn. Nur bei Sturm oder Orkan muss selbst er, der Profi, passen.

In einigen Orten im Landkreis Kitzingen darf nicht geböllert werden: Kitzingen, Mainbernheim, Marktbreit, Volkach und Wiesentheid haben böllerfreie Zonen in ihren Altstädten eingerichtet, um Bränden vorzubeugen. Die Stadt Kitzingen bietet als Alternative zur Innenstadt die Alte Mainbrücke als Raketenabschussrampe an. Marktbreit empfiehlt, zum Abfeuern überwiegend freie Mainufer zu benutzen. Bei Nichtbeachtung drohen Strafen bis zu 50.000 Euro.

Alkohol und Feuerwerkskörper ergeben eine explosive Mischung. Die Feuerwehr bittet deshalb folgende Hinweise zu beachten:

1 Die Gebrauchsanleitung des Herstellers lesen und danach handeln.

2 Feuerwerkskörper sicher vor Kindern aufbewahren.

3 Feuerwerkskörper nur im Freien abbrennen und nie in den Händen halten.

4 Raketen und Böller nie auf Menschen und Tiere richten.

5 Raketen immer senkrecht aus sicherem Stand schießen. Sicherheitsabstand einhalten und Flugbahn der Geschosse beobachten.

6 Feuerwerkskörper auf freien Flächen zünden.

7 Blindgänger kein zweites Mal verwenden, sondern unbrauchbar machen. Auch glühende Reste ablöschen und sicher beseitigen.

8 Nie selbst Feuerwerkskörper basteln. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch strafbar.

9 Sollte es dennoch zu einem Brand kommen, unbedingt sofort die Feuerwehr über die Notruf 112 alarmieren.