Sie ist ein „Landkind“ und zugleich „Trägerin des schwarzen Gürtels was Medien, Presse und Koalitionsverhandlungen betrifft.“ So beschrieb am Freitag in Dettelbach Barbara Becker die frisch ernannte Staatsministerin für Digitales Dorothee Bär.

Beim Kreuzbergbieranstich der Dettelbacher CSU im Rathaus war kaum ein Stuhl frei – so viele waren gekommen, um die künftige Ministerin zu begrüßen. Seit ihrer Ernennung war der Termin in Dettelbach der erste in einer Kommune, und dann noch im Nachbarwahlkreis. Marcel Hannweber, der Ortsvorsitzende, war stolz auf den Coup, der ihm da gelungen war. Die designierte Ministerin enttäuschte nicht: Zu Beginn stand der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Bürgermeisterin Christine Konrad empfing den Gast aus Berlin zusammen mit einem Teil des Stadtrates im Kulturzentrum KUK. „Gottes Segen allen Bewohnerinnen und Bewohnern“ schrieb Bär in schwungvollen Lettern.

In der Folge ließ sie an diesem Abend wenig Zweifel daran, dass sie das ernst meint, was sie sagt.

Eine gute Stunde hatte sie Zeit, über die Digitalisierung, zu sprechen. Dabei machte sie klar, dass sie den Leuten die Angst vor dem diffusen Thema nehmen möchte. Denn natürlich sei ein flächendeckender Breitbandausbau die Grundlage, machte sie klar. Damit war sie am richtigen Ort: Da in vielen Stadtteilen von Dettelbach die Anbindung ans schnelle Netz noch weit entfernte Zukunftsmusik ist, spitzten die Anwohner die Ohren. Schnelles Internet und ordentlichen Handyempfang – rund um Dettelbach keine Selbstverständlichkeit. „Wir leben zum Teil im Tal der Ahnungslosen“, machte etwa Pfarrer Uwe Hartmann klar. Dorothee Bär warb dafür, vor neuen Technologien nicht die Augen zu verschließen. Das viel zitierte Flugtaxi, das in den letzten Tagen durch die Medien geisterte, ist dabei nur ein Beispiel: „Es gibt in Deutschland Unternehmen, die an dieser Idee arbeiten. Es fehlt aber hierzulande an Testmöglichkeiten, deshalb gehen sie ins Ausland. Das kann nicht sein“, sagte sie. In ihren Augen hat die Politik – auch ihrer eigenen Partei – zu lange geschlafen und wichtige Schritte verpasst.

Diese Schritte aufzuholen, das ist ihr erklärtes Ziel. Dorothee Bär erklärte, Deutschland dürfe nicht verschlafen, eine ebenso erfolgreiche Digitalnation wie Industrienation zu werden. „Dafür muss man auch mal jemandem auf die Füße treten“, so die künftige Ministerin.

Auf der Bühne im Dettelbacher Rathaus herrschte geballte Frauenpower: Barbara Becker, die bei den Landtagswahlen im Oktober gerne Otto Hünnerkopf als Abgeordnete beerben würde, führte durch den Abend. Ihr Fazit am Ende: Das Schlagwort „Laptop und Lederhose“ sei nun abgelöst. Ab sofort heiße es in der CSU „Dirndl und Digitalisierung“.