Von der Stadtmauer bis hin zur B8 fand man alles, was angebaut werden konnte: Blumen, Gemüse, Obst. Das war in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Leute sprachen nicht von "Bio", sie praktizierten es ganz selbstverständlich.

Heute liegen die Beete teilweise brach, nur acht "Graben gärtner" sind übrig geblieben. Die Stadt Mainbernheim hat sich endlich zum Handeln entschlossen.

Sie lud zur 2. Werkstatt ein. Der stellvertretende Bürgermeister Georg Gurrath (FWG) moderierte den Abend. Landschaftsarchitektin Sigrid Ziesel von der WGF Nürnberg stellte die Ergebnisse, hervorge-kommen aus der 1. Werkstatt, vor. Der Stadtrat war vertreten durch Oskar Münzer (SPD). Hans Brummer, zuständig für das Bauwesen der Stadt Mainbernheim, begleitete Stefan Weißkopf, Vertreter des Staatlichen Bauamtes.

Hecke und Parknischen

Unter anderem waren die Schadstoffe angekreidet worden, die von der B 8 her in die Gärten dringen. Zur Abdämmung dafür soll eine Hecke sorgen. Nur in zwei Stellen soll sie von Parknischen unterbrochen werden.
Das war eine andere große Sorge der zukünftigen Nutzer. "Kurze Wege zu den Gärten", waren gefordert. Diese Parkplätze werden den Pächtern der Grabengärten vorbehalten bleiben. Und nur sie können den neu angelegten Radweg zur Anfahrt nutzen.

Natürlich sind auch öffentliche Parkplätze vorgesehen. Über eine eigene Zufahrt von der Kitzinger Straße her wird man bequem auf eine größere Parkmöglichkeit fahren können.

Bürgermeister Gurrath wies darauf hin, dass "Touristen gerne am Straßenrand halten, besonders an der Bushaltestelle, um die mittelalterliche Stadtmauer zu fotografieren." Deshalb werden dort mindestens zwei Kurzparkplätze eingerichtet.

Parkplätze sind gesichert, Hecken grenzen ab und Radfahrer können sich austoben. Dann ging es thematisch die kleine Böschung hinunter in den Graben. Die Bürger begannen sofort eine Diskussion um die pflegeleichte Anpflanzung der Böschung und die nötigen Trampelpfade. "Solche Feinheiten können wir in der nächsten Werkstatt ausdisku-tieren", waren sich Sigrid Ziesel und Georg Gurrath einig.

Unten im Graben wird es parallel zur Straße einen Fußweg geben, den auch Kinder sicher betreten können. Die restliche Fläche bis hin zur Stadtmauer wird in Gartenparzellen und drei schöne Ruheplätze mit Spielmöglichkeiten für die Kleinen aufgeteilt.

"Vergesst nicht das Hundeklo in den Grünflächen!", warf ein Mitbürger ein. Dafür bekam er mehr Zustimmung als Gelächter.

Wasseranschlüsse sollen flexibel angelegt werden. Bürgermeister Gurrath versicherte, die Wasserzufuhr sei schon ausreichend vorhanden und könne beliebig abgezapft werden. Zusätz-lich sollen in bestimmten Abständen Behälter für Komposthaufen aufgestellt werden.

Die unglaubliche Stille im Saal während der detaillierten Ausführungen durch Sigrid Ziesel entsprach dem hohen Interesse der Anwesenden. Ebenso diszipliniert verlief die Diskussion, in der Bedenken geklärt und Anregungen aufgenommen wurden. Es ging dabei auch um den bestehenden Radtourismus im Markgrafenstädtchen. Hanni Krueninger, eine Anwohnerin der Herrnstraße, hatte letzten Sommer an einem Sonntagnachmittag 129 Radler durch die Altstadt fahren sehen. Schnell war man sich einig, dass der neue Radweg außerhalb der Mauern vor allem denjenigen Bürgern zur Verfügung steht, die "schnell mal nach Kitzingen fahren wollen".

Einige Mainbernheimer haben aber nicht ohne Grund Angst, dass der Tourismus im wahrsten Sinne des Wortes an der Stadt vorbeifahren könnte. Ausreichende Hinweisschilder und Parkleitsysteme sollen dabei helfen, dass das sehenswerte Städtchen künftig von Gästen nicht übergangen wird.

Eine wichtige Rolle für Bürger und Steuerzahler spielt die Finanzierung. Im Großen und Ganzen wird das ehrgeizige Projekt nicht zu stark die Kassen der Gemeinde belasten. Das war dann auch die Überraschung des Abends: die knapp 240.000 Euro für den Radwegebau werden vollständig vom Staatlichen Bauamt Würzburg getragen. Stefan Weißkopf, zuständig für den Landkreis Kitzingen, bekam einen spontanen Applaus dafür.

"Können wir im Frühjahr noch etwas anbauen oder kommt gleich der Bagger?", fragte ein besorgter Grabengärtner. Sigrid Ziesel beruhigte ihn: Die Ausführung der Pläne sei für 2013/14 vorgesehen.

Es gibt noch viel zu tun, aber der Anfang klang vielversprechend. Ein großes Thema blieb auch die Nutzung der Gärten. Franz Lindenthal, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins (OGV), hatte schon sehr klare Ideen im Kopf: "Man muss vor allem die Jüngeren sensibilisieren." Weiter wird der OGV Pflanzen zum Anbau zur Verfügung stellen, Werkstätten und Kurse zur Förderung der Gärten anbieten. Lindenthal verkündete dazu das Frühjahrsprogramm des Vereins. Der OGV wird eine große Rolle spielen. Seine Aufgabe wird es sein, die Gärtnerarbeit wieder attraktiver werden zu lassen.

Finanzierungsbeschlüsse
Gartengräben der Stadt Mainbernheim: 250.000 Euro
davon übernimmt der Städtebauliche Denkmalschutz 150.000 Euro

Radewegebau 236.000 Euro
wird vollständig vom Staatlichen Bauamt übernommen

Aktivierung der Gärten, Stadt Mainbernheim 92.000 Euro
davon werden durch EU-Mittel finanziert: 39.000 Euro