"Ich werde als Rentner neu anfangen", sang Walter Emmert und begleitete sich dabei selbst auf der Gitarre. Damit könnte er sogar Geld verdienen. Das hatten ihm seine "Wegbegleiter" und seine "Lost Teachers" scherzhaft bewiesen.

Während der Abschiedsfeier nach 20-jähriger Schulleitung in Mainbernheim füllten seine Freunde und Kollegen einen alten Filzhut mit Münzen. Walter Emmert betrachtete den Inhalt und freute sich: "So einen Stundenlohn hatte ich noch nie erreicht."

Pädagoge aus Leidenschaft

Die berufliche Laufbahn des leidenschaftlichen Pädagogen begann 1975 in der Paul-Eber-Hauptschule in Kitzingen. Personalratsvorsitzender Herbert Römmelt betonte in seiner Ansprache die äußerst positiven Charakteristiken Emmerts als Hauptschullehrer und unterstrich dessen früh erkannte Führungsqualitäten, "deren natürliche Fortsetzung die Schulleitung wurde."

"Die Kinder sollen lachen können und gerne ihre Schule besuchen"

1988 kam Emmert an die Mainbernheimer Grundschule. Fünf Jahre lang blieb er Konrektor. Am 1. August 1993 erfolgte die Ernennung zum Schulleiter. Sofort bekam der neue Rektor freie Hand und konnte die anstehende Renovierung des Schulgebäudes selbst mitbestimmen. Mutig und hartnäckig überzeugte er Stadtrat und Fördervereine mit seinen revolutionären Ideen. Jedes Klassenzimmer bekam eine knallig-poppige Farbe. Ganz stolz ist Walter Emmert heute noch auf die Zusammenarbeit mit Renate Jung. Die Würzburger Malerin übertrug seine Leidenschaft für den Zirkus in die langen Flure des Schulgebäudes. "5000 DM hat das damals gekostet", erinnerte sich Emmert schmunzelnd. Aber es habe sich gelohnt. "Die Kinder sollen lachen können und gerne ihre Schule besuchen", das ist dem ausscheidenden Schulleiter immer sehr wichtig gewesen.

Verabschiedung in den Unruhestand

130 Schüler, verteilt auf sieben Klassen, wurden in Mainbernheim in diesem Schuljahr unterrichtet. Zur Verabschiedung in den "Unruhestand", wie es Schulrat Norbert Zwicker in seiner Ansprache treffend ausdrückte, kamen auch viele Kollegen und Kolleginnen aus der fast 40-jährigen Laufbahn des gebürtigen Ansbachers.
Seine Schüler durften per Video ihre Erinnerungen und Wünsche mitteilen. "Ohne ihn läuft nichts", bestätigte ein Schüler aus der dritten Klasse. "Er könnte eine Band gründen oder nach Ägypten ziehen." Die Fantasie der Grundschüler hatte keine Grenzen.

Noch ein klares Ziel vor Augen

Dabei haben sie ihren Schulleiter keineswegs überschätzt. Er selbst hat noch ein klares Ziel vor Augen: "Den Stubaier Gletscher mit einer Freikarte runterfahren!" Und erklärt auch gleich, wie das geht: "Diese Möglichkeit bekommt man erst ab 75 Jahren! Wenn ich dann noch so gut Skifahren kann, schreibe ich mich für die Bayerischen Tennismeisterschaften ein." Sport, Musik und Pädagogik - das sind die drei Turbinen seines Lebens. Nach knapp 40 Jahren Dienstjubiläum feiert Walter Emmert jedoch erst einmal seinen 40. Hochzeitstag. "Meine Frau Ursula hat mir oft die Augen geöffnet, mich vor manchem Fettnäpfchen bewahrt", verriet er.

Die neue Leitung der Grundschule in Mainbernheim ist schon zum zweiten Mal ausgeschrieben. Schulrat Zwickert bedauerte, dass die gute Arbeit Walter Emmerts noch keine Nachfolge aufweisen könne. "Das ist menschlich und vor allem professionell gesehen ein Unding", sagte Zwicker und fügte hinzu, er hoffe, "dass diese Schule eine interessante und attraktive Anlaufstelle für alle Mainbernheimer und Rödelseer Kinder bleiben wird."