Die umstrittene Baumfällaktion in Volkach war im Sinne des Stadtrates. Mit dieser Feststellung beendete die Ratsrunde die eingehende Debatte, die sich um die zahlreich gefällten Bäume in der Öffentlichkeit entwickelt hatte.

In einer ausführlichen Stellungnahme schilderte der Forstbeauftragte der Stadt, Harald Troll, den Einsatz von Bauhof und Fachleuten, nachdem sich Ingrid Dusolt (BL) in der Öffentlichkeit über die Fällaktion beklagt hatte. "Solche Dinge sollten wir zukünftig mit der Verwaltung besprechen", rügte Bürgermeister Reinhold Reichl (CSU), denn der Begriff Kahlschlag sei keine verantwortungsvolle Äußerung. Naturschutz und der Erhalt eines gesunden Baumbestandes seien vielmehr das Anliegen der Stadt und jedes Stadtrates, der die Aufgaben des Bauhofes ernst nehme.

Bei einer Besichtigung im Oktober 2012, zusammen mit Baumkontrolleuren und Fachberatern, sei zwar nicht jeder Schaden erkennbar gewesen, doch habe schon bei der Ortseinsicht dringender Handlungsbedarf festgestanden. Reichl erhielt Beifall für seine Äußerung, dass man sich auf die Mitarbeiter der Stadt verlassen könne. Wer zudem etwas über eine Wiederaufforstung habe wissen wollen, hätte in der Verwaltung nachfragen können, denn neue Bäume seien teilweise schon bestellt.

"Wir hatten den Auftrag zur Sicherung des Radweges", erinnerte Troll. Dort habe er einen sehr grenzwertigen Zustand vorgefunden. Überhang bei einigen Bäumen sei nur durch Abnehmen der Kronen möglich gewesen. Mit dem Hubsteiger sei eine Höhe von 36 Metern erreichbar gewesen. "Die Bäume reichten aber bis 35 Meter plus X in die Höhe", sagte er.

Die 60 Jahre alte Pappeln seien mit einem Durchmesser von 70 Zentimeter längst hiebreif gewesen. Sie wiesen selbst in 36 Metern Höhe noch Aststärken von 50 Zentimeter auf. Sie konnten nur durch Einsatz schweren Geräts und mit einem Forstunternehmen gefällt werden. Mit zwei Sechs-Tonnen-Seilwinden sollte ein Fallen der bis zu 40 Meter langen Kolosse in Richtung Gärten verhindert werden. Bei Durchmessern von 2,5 Metern sei für den Bauhof allerdings die Grenze des Machbaren erreicht. Um welche Kräfte es dabei ging, wurde im Bericht Trolls deutlich, als er beschrieb, wie ein 20-Tonnen-Seil abriss.

"Die Gefahr ging von den Kronen aus, nicht von den Stämmen", berichtete Troll. Bei Pappeln bestehe nun einmal eine unkontrollierte Bruchgefahr. Selbst in großer Höhe wurden bei den Bäumen unvermutete Hohlräume gefunden, in denen sich Wasser eingelagert hatte. Die Fällungen seien also überfällig gewesen.

Der Umfang überraschte

Einige der Pappeln mussten zudem gefällt werden, da sie im Schutz der älteren Bäume aufwuchsen. Nach deren Beseitigung hätten sie starkem Wind kaum standgehalten. "Bei diesen Kronen muss die Stadt froh sein, dass bislang nichts passiert ist", betonte Troll. Entlang einer Staatsstraße wären Bäume solchen Alters längst gefällt.
"Die Notwendigkeit der Fällung wurde nie bestritten", rechtfertigte sich Stadträtin Dusolt. "Nach der Begehung bin ich aber nicht von solchem Umfang ausgegangen." Sie zitierte Kreisgärtnermeister Ralf Volkamer, dass bei guter Pflege einige Bäume hätten erhalten werden können. Er hätte als zertifizierter Baumkontrolleur zugezogen werden sollen.

Troll erwiderte, dass von kleineren Bäumen eine Gefahr bei den Fällarbeiten ausgegangen wäre. Es habe sich nicht um Fällungen, sondern Extremfällungen gehandelt. Dusolt machte in der Diskussion deutlich, dass sie sich weder vom ersten Bürgermeister Peter Kornell noch durch einseitige Berichterstattung in der Presse vorverurteilen lasse, sondern es als ihr Recht und ihre Pflicht ansehe, als gewählte Stadträtin nachzufragen und auf Unklarheiten hinzuweisen. Zum Vorhalt, die Bäume hätten besser gepflegt werden können, erklärte Troll, dass die Stadt diese Bäume erst vor wenigen Jahren vom Wasserwirtschaftsamt erhielt.

In einem Beschluss billigte der Stadtrat das Vorgehen von Harald Troll und seiner Mitarbeiter ausdrücklich - und zwar einstimmig.