Popstar Xavier Naidoo sollte im Sommer in Hof eigentlich ein Konzert spielen - aufgrund der Corona-Krise wurde es jedoch abgesagt. Wenn es nach Stadtrat Thomas Etzel geht, soll der Sänger gar nicht in Hof auftreten. Das geht aus einem Antrag an die Oberbürgermeisterin hervor.

Der Linken-Stadtrat Thomas Etzel warnt vor Naidoo und seinen Aussagen: "Gefährlich ist meines Erachtens, dass er Dinge verbreitet, die nicht mehr durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind - insbesondere antisemitische und rassistische Beiträge", erklärt er gegenüber inFranken.de. 

Naidoo seit Langem in der Kritik: Nähe zu Reichsbürgern, QAnon-Bewegung und andere Verschwörungstheorien

Sänger Naidoo war schon in der Vergangenheit mehrfach durch mehr als fragliche Statements aufgefallen. Unter anderem gab er 2011 im ARD-"Morgenmagazin" ein Interview. In diesem behauptete er, Deutschland sei noch immer ein besetztes Land und habe keinen Friedensvertrag - eine These, die besonders in der Reichsbürgerszene vertreten ist. Es war nicht die erste Aussage Naidoos in diese Richtung.

Seit Beginn der Pandemie fällt Naidoo vermehrt durch Verschwörungstheorien auf. So glaubt er an einen Pädophilen-Ring im Untergrund, der von Politikern geleitet wird. Diese Ansicht vertreten Menschen, die der QAnon-Bewegung angehören. Oft sind die "Eliten", die das ganze angeblich leiten sollen, jüdischen Glaubens. Auch deshalb steht Naidoo wegen Antisemitismus in der Kritik. Noch ein Indiz für die Ablehnung des Sängers gegenüber der Religion ist sein Lied "Raus aus dem Reichstag", in dem er die jüdische Familie Rothschild angreift, um die sich ebenfalls viele Verschwörungstheorien ranken. 

Das Problem, das Etzel bei Naidoo im Speziellen sieht: "Er ist nicht Hinz und Kunz, sondern seit zwei Jahrzehnten prominent". Deswegen und auch aufgrund der neuerdings erstarkenden Coronaproteste, unter denen auch viele Verschwörungstheoretiker mitlaufen, hält der Stadtrat ein Konzert für unangebracht.

"Darüber muss gesprochen werden": Stadtrat weist auf Naidoos Thesen hin

Sein primäres Ziel ist es allerdings nicht, den Auftritt zu verhindern: "Wenn da ein paar tausend Leute hinpilgern und sagen, dass die Songs schön sind, ist das okay. Aber sie sollen sich bewusst machen, welche Thesen er vertritt. Darüber muss gesprochen werden", erklärt Etzel. 

Einen Ersatztermin gibt es übrigens noch nicht. Thomas Etzel hofft darauf, dass die Agentur Naidoos das Konzert absagt, falls bereits im Vorfeld Gegenwind vonseiten des Stadtrats kommt.

Eine detaillierte Übersicht über Momente aus Naidoos Leben, die öffentlich stark in der Kritik stehen, findet sich beim Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ein Faktencheck zu einem der neuesten Videos, die der Sänger veröffentlicht hat, gibt es hier.

Bei den Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen ist es in den vergangenen Wochen verstärkt zu antisemitischen Vorfällen gekommen - auch in Nürnberg.