Alle Jahre wieder: Zu Silvester werden mehr oder weniger große Geschütze aufgefahren, um das neue Jahr ordentlich zu begrüßen. Die allermeisten begnügen sich mit Böllern sowie Knallern oder Lichterkerzen. Manche aber suchen den besonderen Kick. Das dachte sich wohl auch ein heute 23-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis, als er sich vor zwei Jahren bei einem Waffengeschäft in Bamberg eine Schreckschusspistole kaufte.

Da die Waffe beim letztjährigen Altstadtfest in Ebern von der Polizei im Handschuhfach seines Autos gefunden wurde, schickte ihm das Amtsgericht einen eindeutigen Brief - laut Strafbefehl sollte er wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz 1600 Euro Geldstrafe bezahlen.

Weil er mit dem Strafbefehl nicht einverstanden war und über seinen Rechtsanwalt Christian Altmann Einspruch einlegen ließ, landete der bislang unbescholtene junge Mann vor dem Strafrichter am Amtsgericht in Haßfurt.

Er wollte die Waffe zurückgeben

Der große Spaßfaktor, sagte er aus, sei die Knarre aber nicht gewesen. Deshalb habe er vorgehabt, sie zu dem Geschäft zurückzubringen. Er schilderte, dass der Verkäufer der Waffe ihm versichert habe, die Schreckschusspistole auch in gebrauchtem Zustand, gegen Erstattung des Zeitwerts, zurückzunehmen.
Am Montag, 30. Juli, wollte er dazu nach Bamberg fahren, erklärte der Waffenbesitzer weiter. Ausgerechnet da aber stieg das Altstadtfest in Ebern. Also zog er es vor, erst mal ordentlich zu feiern und den Colt am nächsten Tag zurückzugeben.

Gegen halb vier Uhr in der Frühe zog er zusammen mit einem Kumpel zu seinem Auto. Darin wollten sich die beiden zum Schlafen legen.

Indes, dazu kam es nicht. Eine Polizeistreife hatte just zu diesem Zeitpunkt den Parkplatz kontrolliert. Einige andere Heimkehrer des Festes hatten die Ordnungshüter informiert, mehrere Schüsse gehört zu haben. Als sich die Beamten in der näheren Umgebung umschauten, entdeckten sie den Waffenfreund und seinen Kumpel. In Boxershirts und Unterhemd wollten sie sich gerade hinlegen.

Bei der Kontrolle tauchte das Schießeisen auf. Nach eigener Aussage roch der Polizeibeamte, der damals im Dienst war, an der Mündung und konnte keinen Brandgeruch feststellen.
Insofern konnte dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, die Waffe benutzt zu haben. Im rechtlichen Sinne hatte er die Schusswaffe jedoch "geführt" - und sich damit strafbar gemacht.

Führen der Waffe ist verboten

Während der Erwerb erlaubt ist, ist das "Führen" der Waffe verboten. Darunter versteht der Jurist das Mit-Sich-Herumtragen außerhalb der eigenen Wohnung oder des Grundstücks. Das gilt besonders für öffentliche Veranstaltungen wie Jahrmärkte oder dergleichen, wo keinerlei Waffen (mit)geführt werden dürfen.

Bei der Bundeswehr

Den Einspruch gegen den Strafbefehl hat der junge Mann nicht etwa deshalb eingelegt, weil ihm die Geldstrafe zu hoch war. Vielmehr ist er seit Mitte letzten Jahres als Zeitsoldat bei der Bundeswehr - und da müsste er jede Verurteilung seiner vorgesetzten Dienststelle melden.

Mit Zustimmung der Staatsanwältin Nora Reim hatte Richter Roland Wiltschka ein Einsehen, ersparte dem Angeklagten eine Verurteilung und stellte das Verfahren ein. Einzige Auflage: Tausend Euro muss er an den Bund Naturschutz zahlen.