Über eine schmale Leiter geht es Stufe für Stufe nach unten, hinab in einen kleinen Raum. Wände und Boden sind gefliest. Im hinteren Teil des Raumes erhebt sich ein verschlossenes Rund. Rohrleitungen aus Guss und Edelstahl sind daran angeschlossen. Was auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, ist zentraler Bestandteil der Wasserversorgung: Einer von insgesamt acht Brunnen, die in einem Schutzgebiet bei Wonfurt Wasser aus dem Erdreich fördern.

Überirdisch ist davon nur wenig zu sehen. Kleine Hügel mit elektronischem Schaltkasten und die Deckel der Einstiegsluken sind alles, was von den Brunnen zu erkennen ist. "Etwa 75 Prozent der Wasserversorgung spielen sich unter der Erde ab", erklärt Wolfgang Thein. Er ist Rohrnetz- und Wassermeister des Zweckverbands zur Wasserversorgung der Knetzgau-Sand-Wonfurt-Gruppe. "Auch zuhause ist ja alles unter Putz", fährt Thein fort. "Aber es steckt viel mehr dahinter."

Wasseraufbereitung: Eisen und Mangan werden entzogen

Das von den Brunnen im Schutzgebiet geförderte Wasser wird über Rohrleitungen zum Maschinenhaus des Zweckverbands in Wonfurt transportiert. Dort bereitet man das Wasser auf. Welche Verfahren hierfür notwendig sind, hängt von der Beschaffenheit des Wassers ab, wie Thein erklärt. Diese unterscheidet sich von Ort zu Ort. In Wonfurt etwa müssen Eisen und Mangan aus dem Rohwasser gefiltert werden.

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Im Büro des Maschinenhauses laufen alle Vorgänge auf einem Computer zusammen. Thein kann von dort aus die Brunnen im Wasserschutzgebiet ebenso überwachen und steuern wie die Abläufe im Maschinenhaus. Auch die Hochbehälter, über die das Wasser anschließend an die einzelnen Gemeinden weiterverteilt wird, sind dort digital abgebildet. Über sein Smartphone kann Thein von unterwegs auf das System zugreifen. Das kleine Gerät macht zudem immer wieder Meldung über die Vorgänge im Netz des Zweckverbands.

Um die Versorgung auch bei Ausfällen sicherzustellen, gibt es viele Dinge doppelt. Die Anlagen sind außerdem sowohl mechanisch als auch elektronisch gesichert. Um die Versorgungssicherheit weiter zu erhöhen, entsteht aktuell unter anderem in Kooperation mit den Stadtwerken Schweinfurt eine gemeinsame Verbundleitung.

Industrie ist größter Abnehmer

1,4 Millionen Kubikmeter Wasser fördert der Zweckverband jährlich über das Gewinnungsgebiet in Wonfurt sowie ein weiteres in Limbach. Zusätzlich bezieht man pro Jahr 200 000 Kubikmeter Wasser von den Stadtwerken Haßfurt.

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Der Zweckverband Knetzgau-Sand-Wonfurt versorgt rund 13 000 Menschen mit Trinkwasser. Hauptabnehmer ist mit einem Anteil von etwa 70 Prozent die Industrie, wie Thein berichtet. Mit Blick auf etwaige Notfälle betont er aber: "Die Bevölkerung hat natürlich Vorrang."