Die Autofahrer kennen sie, die Polizei hat sie immer wieder in ihren Unfallberichten aufführen müssen, und auch die Journalisten haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten häufig über sie geschrieben. Über die Bundesstraße 26, die den Landkreis Haßberge zwischen Roßstadt und Gädheim durchquert, immer schön am Main entlang. Durchquert hat, muss es richtig heißen, denn die B 26 gibt es als offizielle Bezeichnung aktuell nur noch für den Straßenabschnitt zwischen Eltmann und der Landkreisgrenze bei Roßstadt. Ab dem Kreisverkehr zwischen Eltmann und Ebelsbach (das ist der Kreisel mit der Anschlussstelle zur Maintalautobahn) bis zur Landkreisgrenze Haßberge/Schweinfurt bei Gädheim heißt die B 26 schon seit längerem nicht mehr B 26, sondern Staatsstraße 2447.

Das gleiche "Schicksal" blüht jetzt auch dem Abschnitt zwischen eben jenem Kreisverkehr und der Landkreisgrenze Haßberge/Bamberg bei Roßstadt. Er wird ebenfalls zur Staatsstraße, und zwar noch heuer, wenn alles nach Plan läuft. Das Staatliche Bauamt in Schweinfurt, die zuständige Straßenbaubehörde, bestätigte auf Anfrage: "Der Abschnitt zwischen Ebelsbach bis zur Bauamts- beziehungsweise Landkreisgrenze ist der letzte abzustufende Abschnitt der Bundesstraße B 26 im Landkreis Haßberge. Diese Abstufung soll voraussichtlich zum Ende des Jahres erfolgen."

Jetzt könnte man als Autofahrer sagen: Ist doch egal! Hauptsache die Straße ist weiterhin da, und mit der Sanierung wird die Trasse sogar noch besser. Ist es wichtig, wie eine Straße genannt wird? Für den Autofahrer ist die Bezeichnung nicht wichtig. Aber es geht, wenn man so will, ein Stück Identität verloren. Mit dem Verschwinden der Bezeichnung B 26 verfügt der Landkreis künftig nur noch über zwei Bundesstraßen: die 279 im östlichen Landkreis, die Bamberg mit Fulda verbindet, und die B 303, die von Schweinfurt nach Coburg führt (und umgekehrt natürlich).

Konkrete Auswirkungen hat die Herabstufung der B 26 zur Staatsstraße für den Freistaat Bayern. Der ist nämlich in Zukunft für den Unterhalt der Trasse verantwortlich. Das war bisher der Bund, also die Bundesrepublik Deutschland. Berlin hat die Straße im Landkreis jetzt komplett los.

Hintergrund der Auf- und Abstufungen von Straßen ist die Bedeutung der Trassen. Mit dem Bau der Maintalautobahn hat die Wichtigkeit der parallel verlaufenden Bundesstraße 26 abgenommen. Und der Bund sagt sich: Wenn Berlin schon für die Autobahn verantwortlich ist, dann nicht auch noch für die Bundesstraße. Also Herabstufung und Übergabe in eine neue Verantwortlichkeit: in die des Freistaates Bayern.

Mit einem Federstrich auf der Landkarte und der Unterzeichnung einer Vereinbarung ist es allerdings nicht getan. Wer eine Straße übernimmt, will, dass sie in einem einwandfreien Zustand übergeben wird. Das ist auch ein Grund, warum jetzt die Bundesstraße 26 saniert wird. In vier Abschnitten mit Vollsperrungen an verschiedenen Orten beginnen am heutigen Montag die Asphaltierungsarbeiten zwischen Eltmann und der Landkreisgrenze bei Roßstadt. Insgesamt 1,9 Millionen Euro müssen dafür aufgewendet werden. Gleichzeitig wird der neben der B 26 verlaufende Radweg, der Teil des überregional bedeutsamen Maintal-Radwanderweges ist, erneuert. Die Kosten für den Radweg gibt die Straßenbaubehörde in Schweinfurt mit 216 000 Euro an. Nach diesen beiden Projekten wird noch der Abschnitt der B 26 zwischen Eltmann und dem Kreisverkehr, der die Bundesstraße an die Autobahn anbindet, hergerichtet. Dafür sind weitere 316 000 Euro erforderlich. Nach Abschluss aller Arbeiten kann die Bundesstraße 26 zur Staatsstraße herabgestuft werden. Die B 26 im Landkreis wird dann Geschichte sein.

Auch andernorts ein Thema

Die Neubewertung von Straßen ist immer wieder ein Thema. Zuletzt hat der Ausschuss für Bau und Verkehr des Landkreises Haßberge Ab- und Aufstufungen von Straßen zugestimmt. Dazu hat das Organ des Kreistages die entsprechenden Vereinbarungen mit der Straßenbauverwaltung akzeptiert. Die Änderungen betreffen vor allem die Stadt Zeil.

Konkret wurde beschlossen, dass die Zeiler Umgehung zur Staatsstraße aufgewertet wird, und die Ortsdurchfahrt von Zeil mit der Ortsdurchfahrt Ziegelanger wird teils zu einer Gemeindeverbindungsstraße sowie teils zur Kreisstraße abgestuft. Damit wird der Wunsch der Stadt Zeil weitgehend erfüllt, dass sie wieder Herr im eigenen Haus ist.

Als die Zeiler Umgehung gebaut worden ist, ergab sich die ungewöhnliche Situation, dass die Stadt selbst als Bauträger auftreten musste. Eine ungewöhnliche Situation deshalb, weil eine Straße mit dieser Bedeutung normalerweise mehr als eine Gemeindestraße ist. Um der Stadt zu helfen, wurde Zeil die höchstmögliche Förderung gewährt und obendrein erklärte sich das Staatliche Bauamt in Schweinfurt bereit, die Planung zu übernehmen - zum Nulltarif. Trotz der extrem hohen Förderung blieb ein großer Eigenanteil-Batzen für Zeil. Aber die Stadt wollte die Entlastungsstraße, also stimmte sie der Regelung zu und baute die Umgehung in zwei Abschnitten.

Jetzt soll die Umgehung zur Staatsstraße werden. Damit übernimmt der Freistaat die Unterhaltung. Damit wird der Stadt eine große Last genommen. Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) wollte schon vor Jahren nicht daran denken, was auf die Stadt zukommen könnte, wenn sie beispielsweise eine Betonkernsanierung an der Brücke über die Bahnlinie bei Ziegelanger hätte schultern müssen. Ein Millionenprojekt. Zum Glück ist es nur ein Gedankenspiel (gewesen).

Eine Kontroverse gibt es aktuell in der Gemeinde Theres wegen einer in die Diskussion gebrachten Neueinstufung einer Straße. Dabei geht es um die Ortsdurchfahrt von Dampfach. Sie soll, wie in Theres gefordert wird, von der Gemeinde- zur Kreisstraße aufgestuft werden. Das Argument: Die Trasse hat überörtliche Bedeutung, weil zum Beispiel der aus Richtung Donnersdorf nach Haßfurt fließende Verkehr durch Dampfach geleitet wird. Der Landkreis ist alles andere als angetan von diesem "Geschenk", das Kosten und Arbeit mit sich bringen würde. Die Frage ist bisher nicht entschieden.

Die Organisation der Straßen

Wie sind eigentlich die Zuständigkeiten für die Straßen im Landkreis Haßberge geregelt? Von der Autobahn bis zum Flurbereinigungsweg und zahlreichen Radwegen hat der Kreis alle möglichen Varianten zu bieten.

Eine Autobahn führt durch den Landkreis Haßberge. Das ist die Maintalautobahn (A 70). Sie hat zwischen Gädheim und Stettfeld eine Länge von gut 30 Kilometern. Autobahnen liegen in der Verantwortung des Bundes. Die zuständige Behörde für die A 70 ist die Autobahndirektion Nordbayern. Vor Ort kümmert sich die Autobahnmeisterei Knetzgau um die Fernstraße, sogar über das Gebiet des Landkreises Haßberge hinaus. Knetzgau ist für die A 70 zwischen den Anschlussstellen Bergrheinfeld bei Schweinfurt und Bamberg/Hafen zuständig.

Durch den Landkreis führen ferner drei Bundesstraßen (noch). Das sind die B 26, die B 279 und die B 303. Die Bundesstraßen liegen in der Verantwortung des Bundes. Berlin muss ebenso wie für die Autobahnen das Geld für Unterhaltung und Sanierung stellen. Vor Ort kümmert sich das Staatliche Bauamt in Schweinfurt um die Bundesstraßen. Dazu gehört die Straßenmeisterei Zeil mit ihrer Außenstelle in Ermershausen. Das Bauamt in Schweinfurt hat als Einzugsbereich die gesamte Region Main-Rhön; das sind die Stadt Schweinfurt sowie die vier Landkreise Haßberge, Schweinfurt, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld.

Das Staatliche Bauamt in Schweinfurt hat ferner die Zuständigkeit für die Staatsstraßen im Kreis Haßberge. Der Unterschied zu den Bundesstraßen: Für die Unterhaltung und die Sanierung der Staatsstraßen kommen die Mittel aus München. Der Freistaat Bayern ist der Herr über die Staatsstraßen. Das Netz an Bundes- und Staatsstraßen im Landkreis Haßberge ist etwa 360 Kilometer lang.

Für das 321 Kilometer lange Netz der Kreisstraßen ist der Landkreis Haßberge zuständig. Besser gesagt: die Tiefbauverwaltung des Landkreises, die ihren Sitz in Haßfurt hat. Und dann gibt es noch unzählige Gemeindeverbindungs- und Ortsstraßen, für die die 26 Städte und Gemeinden im Landkreis die Verantwortung haben. Wie viele Kilometer das zusammen sind, ist nicht bekannt.