"Fremd doch Freund oder Integration und Miteinander." Unter diesem Motto stand das interaktive Theaterstück, das die Lehrkräfte der Jugendsozialarbeit in der Georg-Göpfert-Mittelschule als Projekt zur Prävention von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit organisiert hatten. Der Theaterpädagoge Dirk Bayer griff dabei die Probleme der Asylbewerber und Flüchtlinge auf, bezog die Schüler aktiv mit ein, und gemeinsam suchte man nach Lösungswegen zu einem toleranten Umgang miteinander.
Das Projekt schloss sich in der Mittelschule an die "Woche der Toleranz" an, in der man ein kahles Bäumchen in die Mitte der Aula gestellt hatte. Dies ist ja um diese Jahreszeit nichts Besonderes, aber passend zum Thema soll es in den nächsten Wochen symbolisch Blätter oder Früchte hervorbringen. Mit seinen vielen Ästen lässt es viele Wege zu, um tolerant zu sein oder zu werden. Und so soll der "Baum der Toleranz" nach und nach grüne Blätter erhalten.
Diplom-Pädagogin Margarete Schindhelm von der Jugendsozialarbeit (Jas) leitete zu dem Theaterstück "Fremd doch Freund" über, das mit Motorenlärm vom Hafen oder Flugplatz startete, der auf die Ankunft von Flüchtlingen hinwies. Dazu passte auch ein Rap zu Flüchtlingen, die erst drei Wochen hier waren mit "Hand in Hand, egal wer und wo der herkommt". In dem Sprachgewirr kannte sich niemand aus und verstand man nichts, bis das deutsche "Guten Morgen" durchdrang.
Damit brachte Theaterpädagoge Dirk Bayer auch schon die Schüler ins Gespräch, die ihre Definition zu "Asyl und Flüchtlingen" einbrachten: "Es sind Leute von einem anderen Land", "Asyl bedeutet, dass sie bei uns bleiben dürfen", "Sie kommen wegen Krieg und Anschlägen" und "Es hat viel mit Angst und Not" zu tun.
Als Dirk Bayer darüber informierte, dass eigentlich nur 1,1 Prozent von ihnen eine sofortige Anerkennung als Flüchtlinge erhielten, machte sich schon Staunen breit. "Was ist mit den anderen?", lautete hier die Frage. Natürlich gebe es auch noch einen anderen Status: 13 % bekämen den Flüchtlingsschutz, aber der Rest von 86 % erhalte möglicherweise eine Duldung oder eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung.
Damit war man schon beim BAMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das über die Anerkennung als Asylant entscheidet. Manche Entscheidung von dort löste Verwunderung und Kopfschütteln aus, was aber durch den Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Recht auf Asyl) gleich zurechtgerückt wurde: "Jeder Mensch hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen." Aber: "Dieses Recht kann jedoch im Falle seiner Verfolgung wegen eines nichtpolitischen Verbrechens oder wegen Handlungen, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen, nicht in Anspruch genommen werden." Ein Anrecht hätten also nur Personen, die politisch verfolgt werden und damit Asyl sowie einen sicheren Zufluchtsort suchen können.
Mit konkreten Fällen wurden dann die Schüler selbst zu einer Entscheidung aufgefordert. Zum Beispiel der Fall einer Frau A, die sich in ihrem Heimatland ein lebensrettendes, teures Medikament nicht leisten kann. 54 Schüler meinten, sie werde als Asylantin anerkannt und nur drei glaubten, dass hier kein Asylgrund vorliege. Die Wenigen hatten tatsächlich Recht. Natürlich werde man hier vielleicht der Frau erst einmal helfen, aber als Asylgrund könne dies nicht gesehen werden.
Der Asylbewerber B verteilte in seinem Heimatland Flugblätter gegen die Regierung und wurde dafür verurteilt und gefoltert. Nach zwei Jahren entkam er und landete nach langer Flucht in Deutschland. Hier war die Meinung der Schüler fast umgekehrt, aber dieser Asylbewerber gilt als politisch Verfolgter und kann deswegen mit einer Anerkennung rechnen.
Dann folgte der nächste Szenenwechsel, als ein Flüchtlingsmädchen zum ersten Mal in die Schule kommt und der Lehrer der Einzige ist, der es begrüßt. "Wie würdet ihr auf eine solche Schülerin zugehen?", warf Theaterpädagoge Dirk Bayer die Frage in den Raum und animierte damit zu einem Szenenspiel. An "Pawel" alias Dirk Bayer konnten die Schüler dann testen, wie alltagstauglich ihre Ideen waren, noch dazu wenn der Asylbewerber etwas mürrisch war und natürlich kein Wort verstand.
Was scheinbar einfach ist, scheiterte oft auch an der Sprache, die dann durch Pantomime ersetzt wurde. Hier drang die Idee durch, dass man mit Musik, Sport und Spiel vielleicht am leichtesten zum Kontakt käme oder überlegen müsse, was sonst noch verbindet. Das Fußballspiel oder der Pausenkicker könnten hier möglicherweise gute Alternativen sein.
Das gemeinsame Theaterstück führte den Schülern aber deutlich vor Augen, dass es nicht einfach ist und jeder sich bemühen muss. Dies ist auch notwendig, denn in die Georg-Göpfert-Mittelschule in Eltmann gehen derzeit drei unbegleitete junge Flüchtlingskinder ohne Familie und 15 Flüchtlingskinder, die privat bei ihren Eltern und Geschwistern wohnen. Durch die unmjttelbare Nähe des Kinderheimes der Kinder- und Jugendhilfe St. Josef kommen auch immer wieder neue Asylbewerber in die Schule.
Theaterpädagoge Dirk Bayer verstand es, das schwierige Thema auch mit Humor zu unterlegen und die Jugendlichen aktiv in die Problemlösung einzubinden.
Diplom-Pädagogin Schindhelm richtete einen besonderen Dank an den Rotary-Club Haßfurt und an die Präventionsstelle des Jugendamtes in Haßfurt, die das Projekt finanziell unterstützt hatten. Es habe seine Wirkung nicht verfehlt, zumal es die Schüler in zahlreichen Situationen sehr nachdenklich gemacht habe.