Wie es ist, nichts zu sehen, das durften die Schüler der achten Klasse im Zweig Sozialwesen der Realschule Ebern am Montag morgen selbst erleben. Zusammen mit den Lehrerinnen Nina Heller und Miriam Siedler wagten sich die Schüler an mehrere Experimente.

Das Projekt selbst hatte Miriam Siedler im Rahmen einer Hausarbeit während des Referendariats erarbeitet. "Das ist damals sogar prämiert worden" berichtet die Deutsch- und Sportlehrerin. Doch sie und Nina Heller fanden es viel zu schade das Projekt in der Schublade verschwinden zu lassen.

Passend zum Lehrplan

"Und es passt hervorragend in den Sozialwesen-Lehrplan der achten Klasse" befand Frau Heller. Denn in der achten Klasse nehmen die Schüler "Menschen mit Behinderung" im Unterricht durch. "Wir haben extra die Menschen mit Sehbehinderung nach hinten geschoben, damit wir bei gutem Wetter ins Erfahrungsfeld der Sinne nach Nürnberg fahren können", berichtet Nina Heller weiter.

Zudem erzählt sie von großen Lernerfolgen der Schüler bei diesen schwierigen Themen, die sich auch in der Sprache äußern.

Erkennen ohne Augen

Doch an diesem Morgen kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Jeweils eine Hälfte der Klasse muss sich die Augen verbinden lassen. Dann sollen sie ihr Gegenüber ertasten und so versuchen zu erkennen. Dabei merken die Schüler, dass das gar nicht so einfach ist. Aber auch mit verbundenen Augen eine bestimmte Strecke abschätzen, geradeaus gehen oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen birgt viele Schwierigkeiten. Gut, wenn man einen Partner hat, der einen mit der Stimme lotst. Das macht es viel einfacher, den Weg zu finden.

Anfangs waren die Schüler noch sehr zögerlich. "Da merkt man auch erstmal, dass es unangenehm sein kann, wenn einen andere einfach so anfassen", befanden die beiden Lehrerinnen. Doch im Laufe der Übungen wurden die Schüler immer mutiger.

Mit Taktik und Vorsicht

Manche begannen auch, je näher sie ihrem Ziel kamen, einem Kegel auf dem Boden, bestimmte Techniken zu entwickeln, damit sie nicht einfach darüber stolpern. Oft schwangen sie ihren Fuß vor sich hin und her, bevor sie ihn aufsetzten. Oder sie tasteten den Boden mit ihren Füßen ab, bevor sie den nächsten Schritt taten.
Allein durch diese Übungen steigerte sich das Bewusstsein für die Probleme, die Menschen mit Sehbehinderung haben, bei den Schülern enorm. Und irgendwann tauchten erste pragmatische Fragen auf, wie die nach der Auswahl der Kleidung.

Diese Frage werden die Schüler am Mittwoch sicher stellen, wenn sie ihre ersten Begegnungen mit tatsächlich blinden Personen im Erfahrungsfeld der Sinne in Nürnberg haben werden.