Es ist eine Frage, die viele Menschen in diesen Tagen besonders umtreibt und die für sie und ihre Angehörigen darüber entscheidet, ob sie sich am Weihnachtsfest in diesem so besonderen Jahr wenigstens für eine Stunde sehen und gemeinsame Zeit miteinander verbringen können: Bin ich mit dem Corona-Virus infiziert oder nicht? Nur wer einen negativen Schnelltest vorweisen kann, darf seine Angehörigen in Pflege- und Seniorenheimen oder Behinderteneinrichtungen über die Weihnachtstage besuchen.

Kein Wunder also, dass das Serviceangebot des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Kreisverband Haßberge, von Angehörigen dankbar angenommen wird. Dutzende Ehrenamtliche aus den Gemeinschaften des BRK unterstützen mit ihrem persönlichen Einsatz bei den Schnelltests und verzichten damit selbst auf ein Stück ihrer Freizeit mit ihren Familien, Ehepartnern und Lebensgefährten. Sie machen so die Durchführung der Schnelltests erst möglich.

Spricht man mit den ehrenamtlichen Rotkreuzlern, ist das für sie selbstverständlich, sich im Rahmen der BRK-Aktion und besonders auch an den Weihnachtstagen und die Zeit rund um den Jahreswechsel zu engagieren. Sie wollen damit Angehörigen den Besuch ihrer Liebsten in den Heimen ermöglichen. "Dafür opfere ich meine Freizeit gerne", sagt beispielsweise Tina Rennebohm, ehrenamtliche Helferin der Bereitschaft Ebern. So wie ihr geht es auch ihren Kollegen. "Da sein für Mitmenschen, wenn sie Hilfe brauchen", dieser Maxime hat sich auch Yvonne Fuchs von der Bereitschaft Haßfurt verschrieben.

Über 35 Helfer des BRK sind bereits für die Schnelltests geschult und eingewiesen worden. Das Angebot haben bei den zurückliegenden Terminen bereits über 50 Personen angenommen.

Karin Rügheimer aus dem Königsberger Stadtteil Bühl ist froh darüber, dass ihr durch das Angebot der Antigen-Schnelltests der Besuch ihrer 82 Jahre alten Mutter im Seniorenheim ermöglicht wird, in dem die Seniorin seit 15 Monaten lebt. "Wenn man seine Mutter besuchen möchte und darf nun wegen der Corona-Pandemie ohne einen negativen Test nicht mehr ins Heim, ist das schlimm", sagt die Bühlerin. "Sich nicht sehen zu dürfen, keine Zeit gemeinsam verbringen zu können, macht traurig", schildert sie mit Tränen in den Augen.

Umso schöner, dass ihr Schnelltest, den sie an diesem Abend bei der Testaktion im Rotkreuzhaus in Ebern hat durchführen lassen, negativ ist. Mit einer entsprechenden Bestätigung des Roten Kreuzes darf sie nun gegen Vorlage beim Seniorenheim einen Besuchstermin bei ihrer Mutter vereinbaren. Dass das Rote Kreuz in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Schnelltests anbietet, dafür ist Karin Rügheimer dankbar.

So geht es auch einer Mitfünfzigerin aus Haßfurt, die ihren Namen nicht in den Medien lesen mag. Die Lehrerin will ihre Mutter in einer stationären Einrichtung besuchen. "Ohne negativen Schnelltest ist das aktuell ja nicht mehr möglich", sagt sie. "Für uns Angehörigen bleibt damit ja nur die Möglichkeit, sich testen zu lassen. "Genial, dass das Rote Kreuz das hier bei uns im Landkreis anbietet."

Rudolf Koch aus Ebern besucht seine Frau regelmäßig, die in der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf lebt. Das Corona-Virus erschwert in vielen Fällen das alltägliche Leben, und die Gefahr einer Ansteckung mit anschließender Erkrankung ist allgegenwärtig. Dennoch fühlt sich der 75-Jährige persönlich nicht allzu sehr eingeschränkt ("Unsere Generation hat schon so manche schwierige Zeit erlebt") und hat Verständnis für die Vorsichts- und Schutzmaßnahmen im Hinblick auf die Besuchsregelungen der stationären Einrichtungen.

Er hat sich beim Roten Kreuz schon mehrmals testen lassen und freut sich über dieses Angebot und die Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer. "Ein toller Service", sagt er. So ist es ihm möglich, seine Frau regelmäßig sehen zu können. Es sei wichtig in der Gesellschaft, dass sich Menschen füreinander einsetzen, ehrenamtliches Engagement schätzt er sehr. Auch Rudolf Koch selbst hat sich in seinem Leben schon vielfach für Mitmenschen eingesetzt und mitunter Leben gerettet: Bis zum Ausscheiden aus Altersgründen hat er seit dem Jahr 1963 Blut beim Roten Kreuz gespendet. "91 Mal", weiß er die Zahl seiner Spenden noch heute.

Derweil sitzt Karin Rügheimer im großen Lehrsaal des Rotkreuzhauses in Ebern auf einem Stuhl und kann nun getestet werden. Fabian Weber von der Bereitschaft Ebern ist gerüstet: Ausgestattet mit blauem Schutzkittel, FFP2-Maske, Gesichtsvisier und Handschuhen entnimmt er ein Teststäbchen aus der Verpackung. "Den Kopf leicht zurücklehnen", bittet er Karin Rügheimer und führt das dünne Stäbchen rund fünf bis sechs Zentimeter tief in die Nase ein. Ein paar kurze Drehbewegungen und schon ist die leicht unangenehme Prozedur beendet. "Gar nicht so schlimm", bestätigt Rügheimer.

Der Abstrich durch die Nase wird von den Testpersonen generell als leicht unangenehm empfunden. Vor allem weil das Einführen des Stäbchens etwas kitzelt oder mitunter auch ein wenig drücken kann. "Aber es ist auszuhalten, man überlebt es", sagt ein anderer Proband lachend. Schließlich dauert der Prozess nur zwei bis drei Sekunden.

Fabian Weber reicht das Teststäbchen an seine Kollegin Tina Rennebohm weiter. Sie taucht es in eine Flüssigkeit, so dass der Abstrich aus der Nase darin gelöst werden kann. Anschließend müssen davon ein paar Tropfen auf einen Testträger gegeben werden. Jetzt heißt es, bis zu 30 Minuten warten. Dann ist auf dem Testträger das Ergebnis zu sehen. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest kann anhand von Strichmarkierungen ein Ergebnis abgelesen werden.

Auch in dieser Woche, an Heiligabend und Weihnachten sowie zum Jahreswechsel und Anfang Januar 2021 bietet der Kreisverband Haßberge des Roten Kreuzes für Angehörige von Bewohnern stationärer Einrichtungen im Landkreis Haßberge sogenannte POC-Antigen-Schnelltests an. Das Rote Kreuz hat in Absprache mit der Heimaufsicht des Landratsamtes Haßberge kurzfristig Möglichkeiten geschaffen, die Heime bei der Durchführung von Antigen-Schnelltests zu unterstützen, um so die personellen Strukturen in den Heimen zu entlasten. Grundsätzlich muss der Besucher ein negatives Testergebnis vorweisen können. Eine Verpflichtung zur Durchführung der nötigen Testungen besteht für die Einrichtungen nicht; auch fehlt ihnen häufig die nötige personelle Kapazität.

Nach dem Test erhalten die Getesteten eine Bescheinigung des Roten Kreuzes mit ihrem Ergebnis zur Vorlage bei den Heimen. Ein POC-Antigen-Schnelltest ist lediglich 48 Stunden gültig. Für die Angehörigen ist es daher wichtig, dass sie dies bei ihrer individuellen Besuchsplanung berücksichtigen und Abstimmungen im Vorfeld mit der jeweiligen stationären Einrichtung treffen. Um ein berechtigtes Interesse für eine Schnelltestung nachweisen zu können, benötigen Testwillige eine Bestätigung des Senioren- oder Pflegeheimes. Nur wenn diese dem BRK vorgelegt wird, kann eine Testung stattfinden. Personen ohne Bestätigung werden beim Roten Kreuz nicht getestet.

Folgende Termine bietet das Rote Kreuz für die Schnelltests an:

Donnerstag, 24. Dezember: 9:30 bis 11:30 Uhr.

Freitag, 25. Dezember: 9:30 bis 11:30 Uhr.

Samstag, 26. Dezember: 9:30 bis 11:30 Uhr.

Montag, 28. Dezember: 17:30 bis 19:30 Uhr.

Mittwoch, 30. Dezember: 17:30 bis 19:30 Uhr.

Samstag, 2. Januar: 9:30 bis 11:30 Uhr.

Montag, 4. Januar: 17:30 bis 19:30 Uhr.

Mittwoch, 6. Januar: 9:00 bis 12:00 Uhr.

Freitag, 8. Januar: 17:00 bis 20:00 Uhr.

Die Termine finden an den genannten Tagen zeitgleich an den Rotkreuzhäusern in Haßfurt (Industriestraße 20) und Ebern (Im Frauengrund 12) statt. Ab dem Zeitpunkt des Betretens der BRK-Häuser ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtend. Das Bayerische Rote Kreuz weist Testwillige ausdrücklich darauf hin, dass eine telefonische Anmeldung zum Testen beim BRK nicht notwendig ist. Berechtigte kommen zu den angegebenen Zeiten einfach mit ihrem Berechtigungsschein vorbei. Aufgrund hoher Nachfrage und der bis zur Ergebnisermittlung vom Hersteller der Schnelltests benötigten Zeit muss mit Wartezeiten gerechnet werden.

Stimmen von ehrenamtlichen BRK-Helfern:

Fabian Weber, BRK-Bereitschaft Ebern: "Die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeeinrichtungen und auch deren Angehörige sind die großen Leidtragenden der momentanen Situation. Daher ist es für mich eine richtig gute Sache, dass das Rote Kreuz im Landkreis diese Möglichkeit bietet und dadurch für etwas mehr Normalität für unsere älteren und hilfsbedürftigen Mitmenschen sorgt. Schon alleine aus diesem Grund ist es für mich Ehrensache, als Ehrenamtlicher bei den Testungen mitzuhelfen und meinen Teil beizutragen. Mein Wunsch für das Jahr 2021 ist, dass sich die Situation in Sachen Pandemie - auch durch die jetzt anlaufende Impfung der Bevölkerung - stetig verbessert und wir alle möglichst bald weniger Einschränkungen in Kauf nehmen müssen, was unseren Alltag angeht."

Tina Rennebohm, BRK-Bereitschaft Ebern: "Es ist eine super Sache, dass das BRK durch die Tests Angehörigen ermöglicht, ihre Familienangehörigen in den Heimen besuchen zu können; sonst wäre ja über Weihnachten gar kein persönlicher Kontakt möglich. Ich unterstütze bei den Schnelltests und opfere dafür gerne meine Freizeit, denn ich könnte es mir selbst nicht vorstellen, so lange von meinen Familienangehörigen getrennt zu sein. Ich habe Spaß an meiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Roten Kreuz und möchte in dieser Hinsicht einfach etwas Gutes tun. Meine Hoffnung, die wahrscheinlich jeder von uns hat, ist es, dass wir die Pandemie bald in den Griff bekommen und so wieder ein halbwegs normaler Alltag möglich ist."

Yvonne Fuchs, BRK-Bereitschaft Haßfurt: "Ich finde die Schnelltests eine super Sache! Es ist so wichtig, dass unsere älteren Angehörigen weiterhin Kontakt zu ihren Lieben haben, gerade in dieser schweren Zeit. Da war es für mich klar, dass ich meine Freizeit gerne dafür opfere. Ich wünsche mir, dass wir im Jahr 2021 die Pandemie, so gut es geht, besiegen und wieder zur Normalität übergehen können."

Lisa Gollbach, BRK-Bereitschaft Haßfurt: "Es ist toll und unglaublich wichtig, dass den Angehörigen und damit auch den Heimbewohnern durch die Schnelltests gerade zu Weihnachten diese wertvolle Zeit miteinander ermöglicht wird. Mit diesem Hintergedanken nehme ich gerne meine Freizeit her und helfe, wo ich kann. Für 2021 wünsche ich mir, dass wir hoffentlich möglichst schnell - aber trotzdem sicher - wieder in Richtung Normalität zurückkehren und somit auch wieder uneingeschränkt unserer ehrenamtlichen Arbeit und den damit verbundenen sozialen Kontakten nachgehen können."