"Ich hatte doch nicht gedacht, dass mich jemand vorschlägt." Was man ihr abnimmt, denn für die Gratulation und das Pressefoto musste sie sich erst schick machen und provisorisch die Frisur richten. Die gebürtige Gereutherin, verheiratet, zwei Kinder, stellte sich dem Votum und steigert damit die Frauenquote am Ratstisch von eins auf vier.

Wie schon tags zuvor in Gleusdorf fiel die Entscheidung in einer Stichwahl: Die Industrie-Kauffrau trat gegen ihren FTE-Kollegen und Greiffenklau-Gastwirt Udo Küchler an. Mit 20:9 Stimmen siegte die Einheimische, was vorher ihr Vorgänger im Rat, Josef Grundler (SPD), als Vorteil herausgestellt hatte: "Das muss jemand machen, der sich auskennt, auch die Beziehungen untereinander", hat Grundler, selbst eine Zugezogener, leidvoll erfahren.

Bei ihm hatte es dennoch zu sechs Jahren als Ortssprecher und sechs Jahren als SPD-Gemeinderat gereicht. Aber er kandidierte ebenso nicht mehr wie Reinhold Meixner (Engagierte Wählergemeinschaft), der neun Jahre lang als Gemeinderat fungierte. "Gereuth war mit 200 Prozent im Gemeinderat vertreten gewesen und die beiden haben sich mit über 100 Prozent eingesetzt", trauerte Bürgermeister Helmut Dietz den beiden Weggefährten nach. "Schade, dass es Gereuth nicht geschafft hat, überhaupt einen Kandidaten aufzustellen", gab sich Dietz überparteilich.

Jetzt aber liege eine Unterschriftenliste vor, auf der 45 der 78 Stimmberechtigten einen Ortsteilvertreter am Ratstisch wünschen. "So ein Ortssprecher kann die Belange seine Dorfes in die Gemeinderatsarbeit einbringen, mitreden und diskutieren. Nur abstimmen darf er nicht." Vorgeschlagen wurde noch Reinhold Meixner, der aber gleich abwinkte. So kam es zur Konstellation Marion Leonhardt gegen Udo Küchler , mit der klaren Mehrheit für die Kandidatin (bei einer ungültigen Stimme).

"Ich hoffe, dass das alles klappt", zeigte sich die Gewählte zurückhaltend, gab am Stammtisch aber gleich mal eine Rund Schnaps aus. Politisch sei sie bislang nicht aktiv gewesen. Lediglich beim Schwalbe-Club gehöre sie dem Vorstand dieser Mopedfreunde an.


Kindergartenkosten explodieren

Neben den allgemeinen Gemeinde-Problemen (Abschluss der Sanierung der Trinkwasserversorgung, Kanalsanierungen in den nächsten drei Jahren, Umbauten in der Eberner Mittelschule und Hallenbad-Bau) sprach Bürgermeister Helmut Dietz noch den wachsenden Zuschussbedarf im Kindergarten an. "Während meiner Amtszeit stieg dieser Ansatz von 77.000 auf 160.000 Euro", was er auf das neue Kindergartengesetz zurückführte, "Aber dieses Geld reut uns nicht, denn Kinder sind unser wichtigstes Gut und ein Kindergarten ist eine Grundvoraussetzung für eine Wohngemeinde."

Als örtlich interessantes Thema stehe in Gereuth die Aussegnungshalle im Fokus. "Die wird auch in den nächsten Jahren kommen", versprach das Gemeindeoberhaupt, ebenso wie schnelle Internetzugänge. "Wir haben das jetzt so beantragt, dass alle Gemeindeteile angeschlossen werden. Das kostet geschätzte 1,2 Millionen Euro und selbst wenn wir 80 Prozent an Förderungen bekommen, müssen wir erst viel Geld vorstrecken."