Wieder einmal - wie so oft - stand das Hohe Gericht vor der entscheidenden Frage: Wer lügt und wer sagt die Wahrheit? Ein 30-jähriger Aussteiger aus der Haßfurter Drogenszene belastete im Zeugenstand zwei weitere junge Männer schwer. Die stritten alles vehement ab und sprachen von Lug und Trug. Richter Roland Wiltschka aber hielt die Aussagen des Kronzeugen für glaubwürdig.

Ein 27-jähriger Angeklagter kassierte eine achtmonatige Bewährungsstrafe samt einer Geldauflage von 1000 Euro, sein um ein Jahr älterer Kumpan kam mit einer Geldstrafe von 2250 Euro davon.
Im Gegensatz zu Zeugen ist es einem Angeschuldigten gestattet, zu schweigen oder im Rahmen seines Selbstschutzes quasi zu lügen, ohne dafür zusätzlich bestraft zu werden. Schließlich muss kein Verdächtiger seine Unschuld, sondern der Staatsanwalt muss umgekehrt die Schuld beweisen.

Dabei spielte in diesem Fall die Zeugenaussage eine Schlüsselrolle. Demnach soll der Ältere der beiden in nachweislich fünf Fällen - zwischen Januar 2007 und Mitte 2010 - als Verkäufer von Amphetamin und Haschisch in Erscheinung getreten sein. Der andere wiederum habe von Januar 2009 bis März 2011von dem Belastungszeugen in 27 Fällen Stoff gekauft.

Für diese Straftaten wurde in einem früheren Prozess der Aussteiger selber bereits rechtskräftig verurteilt. "Warum", so fragte der Vorsitzende rhetorisch, "hätte jemand Straftaten zugeben und sich dafür verurteilen lassen sollen, wenn alles nicht wahr wäre?". Mit anderen Worten: Dem Kronzeugen fehlte es schlicht und einfach an einem nachvollziehbaren Motiv, die beiden Angeklagten fälschlicherweise zu beschuldigen.

Zudem nannte der Zeuge auf Nachfrage des Oberstaatsanwalts Martin Dippold viele Einzelheiten und Details, die nur Insidern des örtlichen Drogenmilieus bekannt sein können. Die zwei Männer auf der Anklagebank, die als Gärtner beziehungsweise als Bauhelfer tätig sind, schworen jedoch Stein und Bein, niemals etwas mit Drogen zu tun gehabt zu haben. Diese Behauptung war offenkundig nicht glaubhaft. Denn: Bei einer Hausdurchsuchung vor ziemlich genau einem Jahr in der Wohnung des 28-jährigen, zwischenzeitlich in Bamberg wohnenden Beschuldigten wurde die Polizei fündig. Die Beamten entdeckten eine Feinwaage sowie einen Stößel, der zum Zerreiben von Betäubungsmitteln dient.

Lauthals protestiert

Der Angeschuldigte wollte dem Gericht weismachen, dass es sich dabei nur um romantische Erinnerungsstücke an eine verflossene Liebe gehandelt habe. "Das Märchen glauben Sie doch selber nicht", kommentierte Wiltschka diese Einlassung. Er hielt ebenso wie der Vertreter der Anklage die beiden Männer für überführt. Strafmildernd berücksichtigte der erfahrene Jurist, dass die Angeklagten bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sind. Das letzte Wort ist wohl noch nicht gesprochen, denn einer der Verurteilten kündigte lauthals protestierend an, gegen den Richterspruch Berufung einzulegen.