Zu Gast im Landkreis Haßberge war Judith Gerlach, die bayerische Staatsministerin für Digitales. Auf Einladung des Stimmkreisabgeordneten Steffen Vogel aus Theres (beide CSU) besuchte die 34-jährige Aschaffenburgerin unter anderem den katholischen Kindergarten Sankt Kilian in Obertheres und das Landratsamt in Haßfurt.

Die Kindergarten-Leiterin Heidi Behrendt stellte zusammen mit ihrem Team der Digitalministerin ein Konzept vor, mit dem die Medienkompetenz der Kinder bereits in der Frühpädagogik gestärkt wirt. Als einzige Einrichtung im Landkreis Haßberge nimmt der Caritas-Kindergarten an einem Modellprojekt teil, das staatlich gefördert wird. Für jede der fünf Gruppen in der Kindertagesstätte gibt es ein eigenes iPad, mit dem die Kinder unter Aufsicht zum Beispiel mittels einer App von gemalten Bildern aus einen Vulkanausbruch simulieren oder Fische in einer Unterwasserwelt schwimmen lassen können.

Behrendt betonte gegenüber der Ministerin, dass es dennoch nach wie vor einen strukturierten Tagesablauf gebe und die digitalen Spielereien nicht für ein stundenlanges "Datteln" gedacht seien. Das gemeinsame Spielen habe immer noch Vorrang. Vielmehr sollen die Kinder nach ihrer Darstellung ganz gezielt an die Digitalisierung herangeführt werden, wie zum Beispiel Vorschulkinder, die mit einer Rechen-App in den bevorstehenden Unterricht hereinschnuppern können.

Aber auch für die Erzieherinnen gibt es eine erhebliche Arbeitserleichterung. So können in einem speziellen Programm die Beobachtungen im Rahmen der Dokumentation über die Kinder eingetragen und der jeweilige Stand der Entwicklung mit einem Knopfdruck binnen Sekunden abgerufen werden. "Alleine für die Auswertung nach einem komplizierten System haben wir sonst pro Kind 20 Minuten gebraucht", sagte die Kindergartenleiterin.

Ministerin Gerlach freute sich, dass die Zeitersparnis den Kindern zugute komme, denn jede freie Minute, die das Team nicht für Verwaltungsarbeit benötige, könne es sich direkt um die Schützlinge kümmern. Landtagsabgeordneter Steffen Vogel, der gleichzeitig auch Elternbeiratsvorsitzender des Oberthereser Kindergarten-Trägervereins ist, stellte die Vorreiterrolle heraus: "Die guten Erfahrungen, die hier bei uns gemacht werden, regen andere Kindergärten zum Nachmachen an."

Im Landratsamt empfing Landrat Wilhelm Schneider (CSU) die Digitalministerin. Gerlach wurde vom Leiter des Gesundheitsamtes, Jürgen Reimann, und seiner Mitarbeiterin Jasmin Mauer, der stellvertretenden Arbeitsgruppenleiterin Infektionsschutz, die praktische Anwendung des Programms "BaySIM" vorgestellt. Die Ministerin freute sich, einen der Landkreise besuchen zu können, in dem "BaySIM" bereits seit einigen Monaten läuft. Ziel sei es, alle bayerischen Gesundheitsämter damit zu vernetzen, sagte die Ministerin.

Mit "BaySIM" kann die Corona-Pandemie nach ihrer Darstellung noch besser eingedämmt werden, erleichtere es doch dem Personal, Wege zu Kontaktpersonen besser nachvollziehen zu können. In einem zweiten Schritt ist geplant, dass Betroffene nach einer Freischaltung durch die Behörde selbst ihren aktuellen Gesundheitszustand eintragen können und damit die täglichen Anrufe entfallen. "Allgemein muss man beim Bürger das Bewusstsein wecken, dass bereits heute viele Sachen, wie zum Beispiel die Fahrzeugabmeldung, online erledigt werden können", ergänzte Landrat Wilhelm Schneider.

Einen kleinen Einblick in das Erkunden des Arbeitslebens der "Jobentdecker" gab es ebenfalls für Judith Gerlach. Das bereits im zweiten Jahr laufende Projekt, das gemeinsam vom Regionalmanagement des Landkreises und der Landkreis-Bildungsregion initiiert wird, findet bei den Jugendlichen großen Anklang. Sie können mit Instagram verfolgen, welche Erfahrungen die "Jobentdecker" bei den einzelnen Firmen, in die die "Jobentdecker" hineinschnuppern, machen.

Das erste Kennenlernen, das sogenannte Speed-Dating, zeigte "Jobentdeckerin" Jule Scheuring der Ministerin. Hierbei war Stefanie Beazley-Just ihre Gesprächspartnerin, die die Steuerberatungsgesellschaft Just und Partner vertrat und auf alle Fragen über Arbeitsaufgaben und Unternehmen eine Antwort geben konnte.