Auge um Auge, Zahn um Zahn - frei nach diesem alttestamentarischen Grundsatz beharkten sich zwei 19-jährige Burschen vor einiger Zeit in Haßfurt. Nach einer gegenseitigen Rempelei rammte laut Anklageschrift einer der Kontrahenten zweimal seinen Kopf gegen die Stirn des Gegners. Der Getroffene revanchierte sich, indem er eine Bierflasche auf dem Schädel des anderen zerdepperte. Da jeder der Streithähne zugeschlagen und jeder ordentlich etwas abgekriegt hatte, stellte das Jugendgericht am Amtsgericht Haßfurt am Montag das Verfahren wegen Körperverletzung gegen denjenigen, der seine Hirnschale als Waffe eingesetzt hatte, ohne Auflage ein.

An der Flutbrücke

Passiert war der unrühmliche Vorfall bei einer Party an der Haßfurter Flutbrücke am 19. August des vergangenen Jahres. Als die streitlustigen Burschen einander in die Haare kriegten, war es kurz nach 2 Uhr in der Nacht.
Beide hatten schon ordentlich gebechert. Während sich der Angeklagte an zwei Bier und drei Schnäpse erinnern konnte, hatte sich der als Zeuge geladene Widersacher vor allem an Cocktails gütlich getan.

Die beiden Heranwachsenden kannten einander bereits oberflächlich aus diversen Discobesuchen. Alle zwei sind keine Unschuldslämmer - sie standen jeweils schon etliche Male vor dem Kadi. Der aktuell Beschuldigte etwa hat bereits vier Einträge im Strafregister, unter anderem wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Urkundenfälschung. Als "emotional labil" beschrieb ihn der Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich. Wie der Mitarbeiter des Jugendamtes ausführte, litt der Heranwachsende in seiner Kindheit vor allem unter der Trennung seiner Eltern. Wiederholt wechselnde Aufenthalte bei Vater und Mutter hemmten ihn in seiner Persönlichkeitsentwicklung. Schnell scheiterte nach der Schulzeit in einer Förderschule eine erste Lehre. Im Herbst 2011 unternahm er einen zweiten Anlauf.

Ausrutscher

Und diesmal scheint es besser zu klappen, der Auszubildende hat sich nach Ansicht des Sozialpädagogen stabilisiert und ist auch aktiv dabei, seinen Führerschein zu machen. Umso ärgerlicher ist der damalige Ausrutscher, bei dem sich der Betroffene provoziert fühlte.

Eingestellt wurde das Verfahren letztlich auch, weil es jeweils einen Belastungs- und einen Entlastungszeugen gab. Die Aussagen dieser beiden Jugendlichen widersprachen sich. Weder Jugendrichter Martin Kober noch Staatsanwalt Christopher Rosenbusch konnte erkennen, wer die Wahrheit sagte und wer log. Mit der Einstellung geht einher, dass die Kosten des Verfahrens die Staatskasse trägt. Ganz kommt der Angeklagte trotzdem nicht davon, denn: Die Rechnung seiner Rechtsanwältin bleibt an ihm hängen.