Großen Anklang fand der Zeiler Kinosommer im Caritasgarten. An sieben Tagen wurden beliebte Kinofilme gezeigt, wobei am Freitag das Kabarett-Vorprogramm fast zum Hauptprogramm wurde. Rund 200 Zuschauer waren begeistert von Ines Procter, der "Putzfraa" aus "Fastnacht in Franken", die mit ihrem Schrubber mächtig herumwirbelte. An ihrer Seite stand Kosi aus der Rhön auf der Bühne, der mit Wortwitz und originell getexteten Liedern ebenfalls die Lacher auf seiner Seite hatte.

Ganz nach dem Titel des Musical-Kinofilms "Ich war noch niemals in New York", der im Anschluss gezeigt wurde, konnte Ines Procter sagen: "Ich war noch niemals in Zeil am Main und konnte mir bisher nicht vorstellen, dass ich mal in einem Garten mit Campingstühlen spielen werde." Für die aus Erlabrunn stammende und in Leinach (Landkreis Würzburg) wohnende Kabarettistin war der Auftritt in Zeil die passende Einstimmung auf ihr Soloprogramm, das sie einen Tag später in Triefenstein im Landkreis Main-Spessart gab. Seit März stand sie nicht mehr auf der Bühne. Ihr letzter Abend vor einem sehr großen Publikum war bei der Sendung "Fastnacht in Franken" des Bayerischen Rundfunks aus Veitshöchheim. Dort gehört Ines Procter praktisch zu der Stammbesetzung, hatte sie doch 2014 schon ihr erstes Engagement dort.

Die "Putzfraa" schimpfte spaßig über ihren Ehemann ("von dem hab ich meinen komischen Nachnamen") und bewunderte ein Ehepaar im Publikum, das bereits seit 45 Jahren verheiratet ist. So lange würde sie es wohl nicht mit ihrem Ehegatten aushalten: "Ich hab gedacht, jetzt beim Brexit hab ich ihn los und er wird abgeholt, aber nix wars."

Aber auch die Fachwerkstadt nahm sich die Kabarettistin vor. Bei ihrer Anreise führte nämlich das Navi Ines Procter mitten in die Baustelle in der Sander Straße, wo es derzeit kein Durchkommen gibt. Auf der Umleitungsstrecke über Ziegelanger dachte sich die Künstlerin: "Zeil muss schon scheiße groß sein, wenn man so lange außenrum fahren muss."

Auch bereits bekannt durch seine Auftritte in Hofheim, Knetzgau und Zell in den vergangenen drei Jahren ist Kosmas Fischer alias Kosi. Der aus Sondheim vor der Rhön stammende Unterhaltungskünstler steht für sehr spontanen Humor: "Ich weiß manchmal selbst nicht, was ich in den nächsten zwei Minuten erzähle."

Eine besonderes Überraschung hatten die beiden Künstler zum Abschluss ihres zweistündigen Nonstop-Programms für Bürgermeister Thomas Stadelmann auf Lager. Mit der Melodie des bekannten Liedes "Adelheid, schenk mir einen Gartenzwerg" sangen die beiden spontan: "Stadelmann, schenk mir einen Schoppen ein!" Das Stadtoberhaupt dankte neben den Künstlern auch Kinobesitzer Bruno Schneyer und Veranstaltungstechniker Mario Pfaff, die es unter Einhaltung aller Coronaauflagen geschafft haben, sieben Tage Kultur nach Zeil zu bringen. "Das ist sehr wichtig, damit sich das kulturelle Leben, soweit wie es zulässig ist, möglichst bald wieder normalisiert", sagte Stadelmann.

Die Zuschauer waren jedenfalls begeistert von den Darbietungen. "Die Putzfraa war spitze und unser Kosi stark wie immer", sagten die beiden Schwestern Uschi Roppelt und Andrea Echaniz-Gerhard, die Kosmas Fischer bereits von seinen Auftritten bei der Zeller Büttensitzung kennen und seitdem große Fans von ihm sind. Für die beiden musikbegeisterten Frauen war aber auch der Kinofilm interessant, spielen sie doch selbst die dort aufgeführten Lieder von Udo Jürgens mit ihrer Musikkapelle, den "Zeller Musikanten".

Ganz besonders dankbar zeigte sich Detlef Winkelmann. Der ursprünglich aus Schweinfurt stammende Architekt lebt bereits seit 20 Jahren in Zeil und ist seit sieben Jahren der Wirt des Musiktreffs direkt am Marktplatz. "Seit März habe ich hier beim Kinosommer mit dem Ausschank meine ersten paar Euro verdient", sagte der 62-Jährige, der sich Bruno Schneyer sehr verbunden zeigt, dass er ihm diese Chance gegeben hat. Gleichzeitig machte Winkelmann auf seine Lage aufmerksam. Mit der Kneipe hatte er sich seinen Lebenstraum verwirklicht und damit bisher seinen Lebensunterhalt verdient. Bis weit über die Grenzen Zeils hinaus ist der Musiktreff bekannt, nicht zuletzt wegen der bisher samstags stattfindenden Live-Konzerte. Die Soforthilfe der Bayerischen Staatsregierung nahm Winkelmann dankend an, aber diese reicht nur eine begrenzte Zeit, um die Festkosten wie Miete, Strom und Gema zu decken.

Nach den Worten des Wirts hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Anfang Juli angekündigt, sich Gedanken machen zu wollen, wie es mit den Kneipen weitergeht. Enttäuscht ist Winkelmann, dass sich bis zum heutigen Tag aber keine Perspektive auftue, wann er wieder regulär öffnen kann: "Ich hoffe nur, dass ich da wieder anknüpfen kann, wo ich aufgehört habe, denn das Ausgehverhalten der Leute hat sich schon stark verändert."