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Haßfurt
Wirtschaft

"Der absolute Wahnsinn": Wie der Einzelhandel mit dem Lockdown umgeht

Der harte Lockdown trifft den Einzelhandel gerade im Weihnachtsgeschäft sehr hart. Aber aufgeben ist nicht die Lösung. Wenn's geht, bieten Geschäfte telefonische Beratung sowie Online- und Lieferservice.
 
So menschenleer wie auf diesem Foto sieht der Elektronikfachmarkt Expert Schlegelmilch seit dem heutigen Mittwoch aus. Geschäftsführer Michael Schlegelmilch verspricht aber, telefonisch und online zusammen mit seinem Team für die Kunden erreichbar zu sein und Bestellungen noch vor Weihnachten auszuliefern.
So menschenleer wie auf diesem Foto sieht der Elektronikfachmarkt Expert Schlegelmilch seit dem heutigen Mittwoch aus. Geschäftsführer Michael Schlegelmilch verspricht aber, telefonisch und online zusammen mit seinem Team für die Kunden erreichbar zu sein und Bestellungen noch vor Weihnachten auszuliefern.
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"Uns wird der Teppich unter den Füßen weggezogen." Mit diesen Worten beschreibt Michael Schlegelmilch, der Geschäftsführer des Elektronikfachmarktes Expert Schlegelmilch in Haßfurt, die Lage des Einzelhandels zum zweiten großen Lockdown. Prinzipiell hält der Geschäftsmann den erneuten harten Lockdown für richtig, damit die Infektionszahlen wieder ein niedriges Niveau erreichen und die Belastung der Krankenhäuser zurückgeht. Es sei aber trotzdem der absolute Wahnsinn, den Einzelhandel in seiner Hochphase zu schließen, so Schlegelmilch.

Auch wenn kein Mensch mehr den Laden ab Mittwoch (16.12.2020) betreten darf, ist Expert Schlegelmilch nach wie vor für seine Kunden da. Je Abteilung stehen ein bis zwei Mitarbeiter für eine telefonische Beratung zur Verfügung. Auch im Onlineshop sind neben Bestellungen Anfragen möglich, mit denen gleichzeitig auch Liefertermine abgeklärt werden können. Mit der angeschlossenen Werkstatt und dem dazugehörigen Lieferservice werden Bestellungen rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest frei Haus geliefert, verspricht Michael Schlegelmilch. Gleichzeitig wurden die Öffnungszeiten am Montag und Dienstag auf 9 bis 20 Uhr ausgeweitet.

Lockdown im Einzelhandel: Läden greifen auf Onlineservice zurück

Freilich ist das auch eine große Belastung für die 35 Angestellten im Verkauf und die zwölf Mitarbeiter in der Werkstatt. "Ich bin stolz auf die gesamte Belegschaft, dass alle kurzfristig mitgezogen haben", beschreibt Schlegelmilch die Lage und dankt jedem Einzelnen. Solange es geht, wird das Unternehmen auf Kurzarbeit verzichten und vorrangig Urlaub und Überstunden abbauen.

Mit Tränen in den Augen und sehr gerührt von dem Zuspruch ihrer Kundschaft zeigt sich Ursula Gräbe. Sie betreibt in Ebern die Buchhandlung "Leseinsel" zusammen mit vier Angestellten. "Ebern unterstützt mich", sagt die Buchhändlerin voller Stolz. Am Sonntag postete sie auf ihrer Facebook-Seite die Mitteilung, dass auch sie ihren Laden ab Mittwoch geschlossen halten muss. Binnen kurzer Zeit haben das über 4000 User gelesen und zahlreiche Kommentare hinterlassen. "Eine Buchhandlung mit Herz, einer engagierten Inhaberin und einem tollen, sympathischen Team. Kommt gut durch diese Zeit", schreibt zum Beispiel der treue Kunde Michael Will.

"Wir waren auf einem guten Weg, das Weihnachtsgeschäft ist bisher sehr gut gelaufen", sagt Gräbe, die eigentlich Hoffnung hatte, den Umsatz für das gesamte Jahr auf einen guten Wert zu steigern. Aber unterkriegen lässt sich die Geschäftsfrau nicht. Wie auch schon im Frühjahr ist die Bestellung telefonisch und online möglich. Im Umkreis von 20 Kilometern werden dann die Kunden mit dem gewünschten Lesestoff frei Haus versorgt. Aber auch vor der Ladentür kann die Bestellung bereitgelegt werden. Gräbe ist zuversichtlich für die kommenden Wochen, wenn auch noch keiner so genau weiß, wie lange schlussendlich der Lockdown anhalten wird: "Ebern lässt uns nicht im Stich."

Fehlende Tage sind "nicht kompensierbar"

"Die Tage, die uns durch die Schließung vor Weihnachten fehlen, sind nicht kompensierbar", beschreibt Manfred Schweiger seine Situation. Der Haßfurter ist Geschäftsführer der Fachgeschäfte "Schweiger - Mode für Männer" und "Schweiger - Frauensache" und muss ebenfalls zum zweiten Mal in diesem Jahr die Ladentüren schließen. Im Gegensatz zu Elektronikmarkt oder Buchhandlung kann Schweiger seine Ware natürlich nicht telefonisch verkaufen. In dem alteingesessenen Familienunternehmen stehen nämlich seit 158 Jahren kompetente Beratung und ein persönlicher Service an erster Stelle - und das gehe nun einmal nur, wenn man die Sachen vor sich hat und auch anprobieren kann. Insgesamt sieht sich Schweiger bisher glimpflich davongekommen. Der erste Lockdown habe zwar auch Löcher in der Ladenkasse hinterlassen, aber hier seien die Kosten verringert worden, zum Beispiel mit einem mengenmäßig geringeren Wareneinkauf.

Coronahilfen vom Staat hat keines der drei Unternehmen in Anspruch genommen. Manfred Schweiger vertritt die Meinung, dass der Staat nicht alles auffangen könne, und in erster Linie solle den Branchen geholfen werden, bei denen es um die Existenz geht und die in diesem Jahr noch überhaupt keinen Umsätze erzielt haben. Ursula Gräbe schickte zwar im ersten Lockdown ihre Angestellten in Kurzarbeit, aber mehr hat sie nicht gefordert: "Im Endeffekt zahlen wir Sonderförderungen sowieso später zurück an den Staat." Ähnlich sieht es auch Michael Schlegelmilch. Ein zinsgünstiger Kredit wäre zwar möglich gewesen, aber der muss natürlich auch zurückgezahlt werden.