"Wir alle sind gefordert, das Leben alter Menschen würdig zu gestalten - Politik, Organisationen wie die Caritas und die Familien", das betonte Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei einem Besuch in der Senioren-Wohngemeinschaft St. Martha, die es nun fünf Jahre gibt. Solche Wohngemeinschaften sind zwar noch Modellprojekte, "aber es müssen viel mehr werden, den sie sind ein wichtiger Teil künftiger Entwicklung", erklärte die Sozialpolitikerin.


Selbst verwaltetes Wohnheim

St. Martha ist kein Altenheim, sondern eine Wohngemeinschaft, die von den Bewohnern und deren Angehörigen verwaltet wird. Über Pflegeverträge gibt es ambulante Pflege, außerdem unterstützen "Alltagsbegleiterinnen" die Bewohner bei der Bewältigung ihres Alltags. "Das sind eigentlich die Senioren, die früher daheim versorgt wurden", erkannte Barbara Stamm.
Wenn das aufgrund der Wandlungen am Arbeitsmarkt oder auch in den Familienstrukturen nicht mehr geht, dann seien solche Wohngemeinschaften eine sehr sinnvolle Möglichkeit.
Die Bewohner haben ihren persönlichen Bereich, auch mit eigenen Möbeln, jeder nach seinen Möglichkeiten bringt sich im Tagesablauf ein und genießt ganz nach persönlicher Gemütslage die Gemeinschaft mit anderen.

Das Herzstück der Wohngemeinschaft ist - wie bei Studenten - die offene Küche mit dem Essbereich, gleich daneben das Wohnzimmer, wo Pfarrer Jürgen Schwarz regelmäßig Gottesdienst hält, wie auch am Freitag. "St. Martha ist meine fünfte Pfarrei", erklärt er dazu.

Mit der Errichtung des Gebäudes mitten im Herzen Knetzgaus, zwischen Rathaus und Kindergarten, betraten Caritas und Gemeinde Knetzgau vor Jahren Neuland. Die Caritas zeichnete verantwortlich für die Wohngemeinschaft im Erdgeschoss, in der Etage darüber entstanden Eigentumswohnungen, die teils von Eigentümern, teils von Mietern bewohnt werden.


Es muss sich rechnen

"Zwölf Mieter sind maximal erlaubt, darunter ist eine solche Wohngemeinschaft aber auch finanziell nicht darstellbar", beschrieb es die Caritas-Kreisgeschäftsführerin Anke Schäflein. Entgegen aller Prognosen "rechnet" sich St. Martha, und Anke Schäflein ist von dem Konzept als Ergänzung zu klassischen Pflegeheimen überzeugt. "Uns war es wichtig, dass die Kosten so gestaltet wurden, dass hier auch Senioren mit kleiner Rente einziehen können, die vom Sozialamt unterstützt werden", erklärte sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das sei gelungen, weil vor allem die Bayerische Landesstiftung, aber auch die ARD-Fernsehlotterie großzügig förderten. "Fast die Hälfte der Baukosten haben wir von Stiftungen erhalten", erinnerte Schäflein, die das Vorhaben auch initiierte.

Begeistert ist sie vom Personal, von den Alltagsbegleiterinnen, die ergänzend zu den Pflegekräften 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr für die Bewohner da sind. Sie "tun das, was Familienangehörige für ihre Senioren daheim auch tun", sind immer gut gelaunt und man merkt im Haus, dass hier sehr innige Beziehungen entstanden sind. "Ich habe noch nie so gerne wie hier in St. Martha gearbeitet", sagt eine von ihnen, auch wenn es natürlich immer wieder eine emotionale Herausforderung sei, wenn "uns ein Mieter verlässt".


Wichtiger Baustein

Diesen Geist spürten auch Barbara Stamm und Landtagsabgeordneter Steffen Vogel bei ihrem Besuch. "Die Politik muss solche Einrichtungen unterstützen und bürokratische Hemmnisse abbauen", betonte Barbara Stamm im Gespräch mit dem Kreisvorsitzenden der Caritas, Johannes Simon. Solche Wohngemeinschaften seien ein wichtiger Baustein der Bewältigung anstehender gesellschaftlicher Veränderungen. "Nicht zuletzt geht es auch darum, dass Angehörige kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie sich nicht daheim um ihre Eltern kümmern können".

Auch in St. Martha sind die Angehörigen gefordert, doch sie sehen diese Arbeit im Gremium als großen Vorteil, denn sie können ganz gezielt mitsteuern. Und das Ergebnis überzeugt alle. "Wenn man hier reinkommt, fühlt man sich gleich wie daheim", sagte eine Tochter, die mit ihrer Mutter just zum Beginn des Gottesdienstes von einem Spaziergang zurückkam.