Zunehmenden Verlust von Fachwissen vor Ort stellen die Verantwortlichen beim Forstamt Schweinfurt immer wieder fest. Wer privat einen kleinen Wald besitzt oder Anteile an einem Genossenschafts- oder als Rechtler an einem Gemeindewald hat, der muss heute nicht mehr unbedingt aus der Landwirtschaft kommen. Das Forstamt spricht dann, erklärt Förster Wolfgang Gnannt, von "urbanen Waldbesitzern".

Um Hintergrundwissen zu vermitteln, hat die Behörde das Bildungsprogramm Wald aufgelegt und jetzt erstmals im Landkreis Haßberge, den die Schweinfurter Behörde betreut, einen fünfteiligen Kurs abgehalten. Wolfgang Gnannt freute sich, dass er - in seinem Forstbüro ist da nicht so viel Platz - die Unterrichtsräume der Eberner Meisterschule benutzten durfte. Hier trafen sich die 45 Kleinwaldbesitzer, Anteilinhaber von Waldgenossenschaften und Interessierte und lernten viel dazu.


Heinz Hümmer aus Fischbach sagte: "Uns Waldbauern wurde verständlich aufgezeigt, wie wir unseren Wald aus ökologischer und ökonomischer Sicht vernünftig nutzen können." Interessant sei es vor allem für die junge Generation gewesen, denn so kompakt wie in dieser Schulungsreihe werde Waldwissen sonst nicht angeboten. Die Jungen und die "alten Hasen" beschäftigten sich mit aktuellen Fragen. Zum Beispiel, welche Baumarten die Klimaveränderung gut mitmachen: Da raten Forstfachleute zu Weißtanne und Eiche.

Oder wie man den Wald erhält? Indem man eben eher auf Naturverjüngung setzt, weniger auf Pflanzungen. Naturverjüngung bedeutet, dass die Schösslinge, die vor Ort aus Samen wachsen, die Favoriten sind und gepflegt werden, schließlich sind sie bereits an den Standort gewöhnt. Förster des Landwirtschaftsamts mit dem Abteilungsleiter Jürgen Hahn gaben die solide Grundausbildung für Waldbauern. Referenten waren Hahn selbst sowie die Forstbeamten Wolfgang Gnannt vom Forstrevier Raueneck in Ebern, Bernd Streck vom Forstrevier Hofheim und Wolfgang Meiners vom Forstrevier Maroldsweisach.

Beim Schlusstreffen im Bestand der Waldgenossenschaft Fischbach gab der Vorsitzende Heinz Hümmer einen Überblick über die 40 Hektar Wald. Er betonte, dass Rückegassen notwendig seien, um den Wald bewirtschaften und das Holz aus den Beständen holen zu können.

Dabei war auch Werner Riegel (SPD), Dritter Bürgermeister und Waldreferent im Stadtrat Ebern; er bilanzierte: "Ich bin von der Veranstaltung recht begeistert, man hat viel Wissenswertes erfahren, Hintergründe und Zusammenhänge der Waldwirtschaft erkannt." Auf die fachliche Hilfe der Förster werde man dennoch nicht verzichten können, sagte Riegel.

Und so wurde direkt vor Ort deutlich, was die Fachleute gemeint hatten mit der "Gesundheitsvorsorge für Wald und Naturschutz", wie ein Themenpunkt geheißen hat. Im "Lehrzimmer" ließen sich die Teilnehmer die Tipps gegen Schädlinge und Pilze zeigen. Etwa beim Fichtenborkenkäfer: Auch wenn Totholz im Wald - Buche, Eiche, Kiefer - wertvoll ist für Flora und Fauna, so gibt es Totholz, das eben besser hinausgeräumt werden sollte, weil es zur unerwünschten Brutstätte werden kann. Fichtenkronen gehören dazu. Aus ihnen lassen sich Hackschnitzel machen, günstiges Brennmaterial für große Heizungen, wo die wertvolleren Brennholzarten zu teuer wären.
Wolfgang Gnannt war mit dem Ergebnis zufrieden: "Der Wissensdurst der 45 Teilnehmer war groß, zahlreiche Fragen wurden gestellt. Es wurde intensiv diskutiert und manches wurde kritisch hinterfragt. Wir können aus unserer Sicht sagen, dass es ein voller Erfolg war."