Fest steht, dass im Frühjahr - wohl Mitte März - ein Flugzeug am Haßfurter Verkehrslandeplatz über hundert Meter vor dem Aufsetzpunkt gelandet ist. Die Spuren waren eindeutig.

Mehr ist von dem Vorfall nicht bekannt, es ranken sich aber zahlreiche Gerüchte, Vorwürfe, Anzeigen und Untersuchungen um diesen Vorfall. Die Art der Spuren lässt keinen Zweifel. Bei der zu früh gelandeten Maschine dürfte es sich um ein Flugzeug des Modells "King Air 200" handeln.


Letzter Start am 8. März

Just mit einem solchen Fabrikat werden seit Jahren von einem Luftfahrtunternehmen mehrmals wöchentlich Geschäftsflüge der Firma SKF aus Schweinfurt zum Stammsitz des Unternehmens in Göteborg durchgeführt. Der letzte gewerbliche Start dieser Maschine von Haßfurt aus war am 8. März. Danach stand das Flugzeug in der Halle, bestätigt Günter Mendel, Geschäftsführer der Verkehrslandeplatz Haßfurt-Schweinfurt GmbH, gegenüber dieser Redaktion.

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Am 16. März, so Mendel, wollte der Flugbetriebsleiter des Luftfahrtunternehmens zusammen mit einer unabhängigen sogenannten Checkerin einen etatmäßigen Kontrollflug des Flugzeugs nach Magdeburg durchführen, was aufgrund eines heftigen Wintereinbruchs nicht möglich war.

Demzufolge starteten Chefpilot und Checkerin einen Tag später - in Haßfurt war inzwischen ebenfalls heftig Schnee gefallen - zu einem Kontrollflug, um den Instrumentenflug zu üben. Danach flogen beide von Haßfurt nach Leipzig.

Eine Woche später, so Mendel, habe der Geschäftsführer der Firma, dem die King Air 200 gehört, ein Foto auf sein Smartphone geschickt bekommen. Hier wurde ihm mitgeteilt, dass seine Maschine im Grasstück vor der Landebahn in Haßfurt aufgesetzt habe. Die Spuren auf der Wiese habe man eindeutig einer King Air 200 zuordnen können, nur dass eine größere Zahl von Maschinen dieses Typs den Haßfurter Verkehrslandeplatz frequentiert.


Keine eindeutige Zuordnung

Eine eindeutige Zuordnung zu der Maschine dieses Luftfahrtunternehmens sei nicht möglich. Zudem stritten sowohl der Chefpilot als auch die unabhängige Checkerin ein Verfehlen der Landebahn ab. Auch der Flugleiter im Tower habe keine Eindrücke gewinnen können, die auf eine Beteiligung dieser Maschine an dem verfrühten Landemanöver, immerhin ein meldepflichtiger Vorfall, schließen lassen konnte.

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Der Geschäftsführer des Unternehmens meldete daraufhin den Vorfall bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Die Behörde überprüfte deshalb den Mitschnitt des Sprechfunkverkehrs zwischen dem Tower und der Besatzung der Maschine. Dabei, so Mendel, habe nichts Außergewöhnliches oder Hektik registriert werden können. Die Untersuchung brachte folglich keine weiteren Aufschlüsse, von welchem Flugzeug die Spuren vor der Landebahn stammen.


Klage des Geschäftsführers

Nach Ansicht von Günter Mendel sei es durchaus denkbar, dass die Behörde aufgrund des Umstandes, dass es bei dem Unfall keine Verletzten oder gar Toten gegeben habe, durchaus wichtigere Vorfälle zu untersuchen hätten. Die Bundesstelle bestätigte auf Anfrage dieser Redaktion, dass der Vorfall gemeldet wurde. Die Untersuchungen dauern derzeit noch an. Der Pilot sowie die Checkerin seien dennoch vom Geschäftsführer der das Flugzeug besitzenden Firma verklagt worden, so Mendel.
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Das Flugzeug, mit dem der SKF-Flugbetrieb bis 8. März abgewickelt worden war, wurde von dem Unternehmen aus dem Verkehr gezogen und nicht mehr in Betrieb genommen. Was nach Aussage von Günter Mendel ohnehin derzeit nicht möglich sei, denn inzwischen sei dieses Unternehmen, das die Flüge bislang für SKF abwickelte, vom Luftfahrtbundesamt "gegroundet" worden.

Das heißt, die Lizenz, gewerbliche Flüge durchzuführen, sei eingezogen worden. Ob die letzte Anzeige der missglückten Landung der Tropfen war, der das Fass bei der Behörde zum Überlaufen brachte, wollte Mendel nicht vermuten. Dies sei jedoch der Grund, warum die Geschäftsflüge des Kugellagerherstellers aus Schweinfurt derzeit über den Flugplatz in Giebelstadt abgewickelt würden.


Andere Firma springt ein

Die Luftfahrtfirma verfüge nämlich auch nach der Stilllegung der King Air 200 noch über ein etwas kleineres Modell King Air 90, mit fünf Sitzplätzen durchaus ausreichend. Ohne Lizenz könne dieses jedoch nicht in die Luft gehen. Eine andere Firma, die unter dem Dach des gleichen Konsortiums firmiert, sei eingesprungen, habe aber nur einen Jet zur Verfügung, weshalb die SKF-Flüge nach Giebelstadt ausgelagert werden mussten.

Allerdings nur vorübergehend, so Mendel. Seitens des schwedischen Kugellagerherstellers sei definitiv geplant, das bestätigte auch Klara Weigand von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit von SKF auf Anfrage dieser Redaktion, die werktäglichen Geschäftsflüge nach Göteborg wieder von Haßfurt aus durchzuführen.


Haßfurt im Vorteil

Die Vorteile gegenüber Giebelstadt seien eindeutig in der besseren Erreichbarkeit und in der Flexibilität, denn Haßfurt hat rund um die Uhr geöffnet. Das "gegroundete" Unternehmen, das vertraglich an SKF gebunden ist, habe sich deshalb, so Mendel, um die Wiedererteilung der Zulassung bemüht und hoffe darauf, diese rechtzeitig bis September zu erhalten.

Was bleibt, ist die Frage, von welcher King Air 200 die Spuren in der Wiese über hundert Meter vor dem eigentlichen Aufsetzpunkt auf der Landebahn des Haßfurter Flugplatzes stammen. Eines steht für Geschäftsführer Mendel jedoch fest: "Wer auch immer hier gelandet ist, hatte einen Riesendusel." Beim Übergang von der Wiese auf die befestigte Landebahn würde sich ein Flugzeug nämlich entweder das Fahrwerk beschädigen oder überschlagen.
Wolfgang Sandler