Vitamin B gefällig? Nein, von Beziehungsgefälligkeit will Roland Schoppel nichts wissen. Seit 31 Jahren im Beruf verlässt sich der Firmen-Chef aus Frickendorf zwar auf Zeugnisnoten. Aber auch auf Menschenkenntnis, wenn er jungen Menschen eine Ausbildungs-Chance eröffnet. Und wenn sich der Vater und die Mutter schon im eigenen Betrieb bewährt haben, fällt die Entscheidung, den Sohn einzustellen, leicht.

"Da weiß man ja, aus welchem Umfeld der neue Mitarbeiter stammt", vertraut Schoppel auf vertraute Kontakte, weswegen er den 17-jährigen Pascal Franz als Maschinen- und Anlagenführer einstellte. Der muss nun erst einmal den Grundkurs Metall absolvieren und dann ins Dreh-, Bohr- und Fräszentrum.
"Da geht's um Hundertstel Millimeter", schärft Schoppel schon einmal die Augen seines neuen Schützlings, der nach der Mittelschule nun für zwei Jahre die Berufsschule in Haßfurt besuchen wird.

Dass während der Ausbildung Durchhaltevermögen notwendig sein wird, sagte Bürgermeister Harald Pascher (FDP) den 71 Berufsstartern voraus. "Fehler gehören da auch dazu. Aber wenn man sie hinterfragt und daraus lernt, bringt es einen weiter. Werfen Sie nicht bei der ersten Hürde die Flinte ins Korn", lautete der Ratschlag des Bürgermeisters.

Dass dies dennoch passiert, das wissen viele Lehrherren. "In den ersten Wochen nach dem Ausbildungsstart kommt es immer wieder zu heftigen Fluktuationen", erzählte ein Ausbilder. Ein Handwerksmeister schildert dies aus seiner Sicht: "Wenn ein junger Mann in den ersten Wochen an drei von fünf Tagen verschläft und in vier Monaten drei mal krank ist, hast du an ihm keine Freude."

Und so hoffte Christina Seebach-Künzel, als Vorsitzende der Tourismus- und Werbegemeinschaft, dass die meisten der Berufsstarter ihre Unterschrift unter den Lehrvertrag aus eigenem Antrieb und nicht nur auf Druck der Eltern gesetzt haben. Seebach-Künzel: "Der Ausbildungsbeginn ist nicht der Ernst des Lebens. Ihr solltet vielmehr mit Freude da rangehen, aber auch ernsthaft."


Aufstiegsmöglichkeiten

Aus eigener Erfahrung schilderte die Augenoptikerin, dass "80 Prozent der täglichen Arbeit Freude machen sollten". Eine Richtschnur, die sich jeder der jungen Menschen zu eigen machen sollte.

"Das Geschäft, in dem ich meine Ausbildung absolvierte, gehört mir jetzt zum Teil", machte sie Lust auf Einsatz und Weiterbildung, was auch Bürgermeister Pascher angesprochen hatte: "Der Ausbildung folgen noch viele weitere Schritte - bis hin zu leitenden Funktionen."

Die Berufsausbildung sei nach dem Schulabschluss der zweite Schritt ins eigenständige Leben. "Nur diesmal ohne Zuckertüte", deswegen auch kein Zuckerschlecken, aber bei der derzeitigen Lage auf dem Arbeitsmarkt scheint dem Bürgermeister eine spätere Übernahme "sehr wahrscheinlich".

So blieben heuer einige Ausbildungsplätze auch auf dem Teilarbeitsmarkt Ebern unbesetzt. Lob gab es aus dem Munde de Bürgermeisters für alle Ausbildungsbetriebe, die genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, die ja oft einen Mehraufwand bedeuten.

Zwischen 15 und 40 Jahre waren die Berufsstarter, die sich im Rathaushof versammelt hatten, alt. Darunter war auch Umschüler wie Mohamed Hassanein, der jetzt auf Bademeister umsteigt.

Ein Lob für die Veranstaltung gab es von einem, der gar nicht teilnahm, Baywa-Geschäftsführer Günter Schuster aus Bamberg: "Das ist toll, was Stadt und Geschäftswelt in Ebern da aufziehen. Das gibt es sonst nirgendwo, dass sich Ausbilder und Auszubildende überbetrieblich kennenlernen und austauschen." Und Schuster kommt im Frankenland viel rum.