Drei Bier und zwei Schnäpse, gab der 19-Jährige zu, habe er am Freitagabend des 23. August bei der Bamberger Sandkerwa konsumiert. Vielleicht waren es auch einige Gläser mehr, denn auf der Rückfahrt in den Kreis Haßberge gab's Zoff mit einem anderen jungen Mann. Im Fahrzeug blieb es bei verbalen Beschimpfungen, aber nachdem beide in einem Ort im Maintal ausgestiegen waren, folgte den Worten die Tat, und der 19-Jährige schlug seinem Widersacher mit der Faust ins Gesicht. Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte ihn deswegen jetzt zur Zahlung von 200 Euro an den Kreisjugendring.

Schnee von gestern

Für den Angeklagten war die ganze Sache längst Schnee von gestern. Denn zwischenzeitlich, erklärte sein Anwalt Horst Soutschek, seien die beiden Kontrahenten die besten Freunde. Er übergab dem Staatsanwalt ein Schreiben des Opfers, worin dieser seine Strafanzeige zurücknimmt. Damit war die Sache aber nicht erledigt, weil der Staatsanwalt das sogenannte öffentliche Interesse betroffen sah, und in diesem Fall mahlen eben die Mühlen der Justiz.

Öffentliches Interesse wird definiert als Interesse der Allgemeinheit an einer Strafverfolgung. Begründet ist dieses Interesse im präventiven Bestreben, dass sich derartige Taten nicht wiederholen. Schließlich erlitt das Opfer bei der Attacke eine blutende Risswunde im Gesicht, und einige Tage lang brummte ihm der Schädel.

Mit ruhiger und gefasster Stimme gestand der eher schmächtige Bursche auf der Anklagebank seinen Fehltritt. "Da habe ich eindeutig überreagiert", sagte der Angeklagte kleinlaut.

Kein unbeschriebenes Blatt

Was er anschließend schilderte, könnte man unter der Rubrik "Die Wege des Herrn sind unerforschlich" einordnen. Bereits kurz nach dem Vorfall, erzählte der 19-Jährige weiter, habe er sich bei seinem Opfer entschuldigt, und nach einem persönlichen Treffen haben sie sogar Freundschaft miteinander geschlossen.

Damit nicht genug: "Zur moralischen Unterstützung" war der neue Freund sogar mit zur Gerichtsverhandlung gekommen.

Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich berichtete vom schulischen Werdegang des Angeklagten und davon, dass der berufliche Einstieg mit einer Ausbildung bei einem renommierten Betrieb durchaus gelungen sei. Er regte an, das Verfahren gegen eine Auflage gänzlich einzustellen.

Diesem Vorschlag wollte Jugendrichter Martin Kober nicht folgen, weil der Teenager kein gänzlich unbeschriebenes Blatt mehr ist. Vor zwei Jahren stand er schon einmal vor dem Kadi: wegen Trunkenheit im Verkehr.

In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt, das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden und den jungen Mann zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe zu verurteilen. Der Verteidiger hingegen hielt "einige gemeinnützige Arbeitsstunden" für ausreichend.

Mildes Urteil gesprochen

Das Gericht sah sehr wohl eine jugendtypische Verfehlung. Wegen der eindeutig positiven Sozialprognose sowie wegen des reumütigen Verhaltens des Jugendlichen fiel das Urteil mild aus. Bis 20. Januar 2014 hat der Verurteilte Zeit, die 200 Euro zu überweisen, allerdings kann der Staatsanwalt noch Berufung gegen den Richterspruch einlegen.