Der Tatort: vor einer Diskothek in Hofheim. In der Nacht zum 13. Oktober letzten Jahres tobte eine 22-Jährige - aus nichtigem Anlass - unter dem Einfluss von über zwei Promille Alkohol wie eine Furie und donnerte einem 21-jährigen Mann eine Bierflasche auf den Hinterkopf. Für diese gefährliche Körperverletzung, die zum Glück keine bleibenden Verletzungen nach sich zog, präsentierte ihr nun Richter Roland Wiltschka beim Strafprozess am Amtsgericht Haßfurt die Quittung: Acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldauflage von 500 Euro.

Rückblende: Die erste Verhandlung in dieser Angelegenheit fand bereits vor zwei Monaten statt. Damals wurden fünf Zeugen vernommen. Drei belasteten die Angeklagte, nur ihr Freund und dessen Bruder behaupteten das Gegenteil. Wer hatte nun gelogen? Um die Wahrheit mit Hilfe weiterer Augenzeugen herauszufinden , hatte das Gericht die Verhandlung vertagt.


Das Telefon klingelte

Dass diese Entscheidung des Vorsitzenden, der auf jahrzehntelange Erfahrungen bauen kann, goldrichtig war, erwies sich schon einen Tag später. Da klingelte nämlich auf dem Schreibtisch des Strafrichters das Telefon. Am anderen Ende der Leitung waren die beiden sogenannten Entlastungszeugen. Sie hatten kalte Füße bekommen und gaben kleinlaut zu, bei ihrer Zeugenaussage gelogen zu haben. Gegen die Zeugen hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile ein Verfahren wegen Falschaussage eingeleitet.

Zurück zur Neuverhandlung, die am gestrigen Freitag stattfand: Die Beschuldigte gestand die Tat und brach plötzlich in Tränen aus. Vielleicht waren es Tränen der Reue, vielleicht auch bloß Krokodilstränen. Die Juristen kreideten der jungen Frau an, dass sie vor wenigen Jahren schon einmal wegen Körperverletzung vor dem Kadi stand und verurteilt wurde. Staatsanwältin Nora Reim beantragte in ihrem Plädoyer die Mindeststrafe, die der Gesetzgeber für das Delikt der gefährlichen Körperverletzung vorsieht: sechs Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung.

Gefängnis droht

Der Richter ging sogar über dieses Strafmaß hinaus - ein Vorgang, der relativ selten vorkommt. Er brummte der jungen Mutter eine achtmonatige Freiheitsstrafe auf, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zusätzlich muss sie in 50-Euro-Monatsraten insgesamt 500 Euro an die Deutsche Arthrosehilfe bezahlen. Und natürlich die Kosten des Verfahrens tragen.

In seiner Urteilsbegründung betonte der Amtsrichter, dass eine verantwortungsbewusste Mutter von zwei Kleinkindern nachts um halb Fünf nichts vor einer Disco verloren habe, schon gar nicht in völlig betrunkenem Zustand. Bei einem Rückfall, redete er ihr ins Gewissen, müsse sie damit rechnen, eingesperrt zu werden. Mit den Worten "Hoffentlich haben Sie's kapiert", entließ er die Verurteilte. Das Urteil ist rechtskräftig.