Über 350 Menschen waren am Mittwochvormittag (16. September 2020) auf der Straße, um für den Erhalt des Schaeffler-Standortes Eltmann zu kämpfen. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Konzern unter anderem das Werk in Eltmann im Landkreis Haßberge schließen will. Bundesweit sollen 4400 Stellen abgebaut werden, was die Industriegewerkschaft (IG) Metall zur Ausrufung eines bundesweiten Aktionstages veranlasst hatte.

Auch an anderen Schaeffler-Standorten gab es Proteste gegen die geplanten Stellenstreichungen - so unter anderem in Hirschaid. 

Laufender Protest: Schaeffler-Mitarbeiter marschieren zwei Kilometer

Zwei Kilometer marschierten die Eltmanner Beschäftigten vom Industriegebiet über den Autobahnzubringer und die Mainbrücke bis zum Marktplatz. Abgesichert durch mehrere Streifen der Polizei und unter Einhaltung der Corona-Auflagen machten rund 200 Arbeitnehmer ihrem Ärger Luft. Mit dabei waren auch Kollegen der Umbra-Gruppe, die auf dem Schaeffler-Gelände Werkstätten angemietet hat und somit ebenfalls von der Schließung betroffen wäre. In Eltmann wurden die Demonstranten von etwa 150 Unterstützern empfangen, darunter auch Landrat Wilhelm Schneider, Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler und zahlreiche Bürgermeisterkollegen aus dem ganzen Landkreis.

"Arbeit für Eltmann" schallte es von den Treppen der Kirche, auf denen ein ganz besonderes Grüppchen stand. 22 Mädchen und Jungen der Abc-Gruppe des städtischen Kindergartens Eltmann waren zusammen mit ihrer Gruppenleiterin Christine Hofmann gekommen und schwenkten rote Fähnchen. Auch einige Familien der Kindergartenkinder sind von dem Stellenabbau betroffen, wie Hofmann erzählte. "Wenn mein Papa keine Arbeit mehr hat, dann kann er mir keine Spielsachen mehr kaufen", sagte ein vierjähriges Mädchen.

Landrat Wilhelm Schneider sagte die Unterstützung des Landkreises zu: "Wir wollen unbedingt die Arbeitsplätze in Eltmann halten." Gespräche seien schon geführt worden, so Schneider, der gleichzeitig verdeutlichte, dass noch mehr Unterstützung notwendig sei. Mit Staatsministerin Dorothee Bär hat der Landrat, wie er schilderte, schon gesprochen, und der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel habe zugesagt, mit Ministerpräsident Markus Söder über die prekäre Lage zu sprechen.

"Ihr seid nicht nur Arbeiter, sondern ihr seid Menschen"

"Ihr seid nicht nur Arbeiter, sondern ihr seid Menschen, die es verdient haben, einen festen Arbeitsplatz in unserer Region zu halten." Mit diesen Worten sprach Bürgermeister Michael Ziegler die 80-jährige Tradition des Werkes in Eltmann an. Wegen der Pandemie jetzt alles zu kürzen, hält Ziegler für zu kurz gedacht. "Es gibt auch eine Zeit, wo man an die Rücklagen aus guten Jahren gehen kann. Jetzt in schwierigen Zeiten kommt es auf die Menschen, auf den Zusammenhalt an."

Der DGB-Regionssekretär Viktor Grauberger hielt der Schaeffler-Leitung vor, dass Eltmann nicht mit Verlusten arbeite, sondern von Rentabilität geprägt sei. Gleichzeitig appellierte er, dass die Planungen kein Spiel mit Billardkugeln seien, sondern dass es um Menschen und Familien gehe.

Evi Pohl, die Sozialsekretärin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, zeigte mit einer kurzen Ansprache ihre Verbundenheit auf. Sie sagte zu, dass die Kirche, und damit meinte sie beide Konfessionen, hinter den Forderungen der Schaeffler-Mitarbeiter stehe.

"Wir sind laut, wir sind öffentlich und wir werden Paroli bieten" 

"Wir sind laut, wir sind öffentlich und wir werden Paroli bieten." Auf diese Aussage erntete Peter Kippes, der Bevollmächtigte der IG Metall Schweinfurt, großen Applaus und Jubelrufe. Gleichzeitig brachte der Gewerkschaftler seine Verwunderung zum Ausdruck über die Äußerung des Schweinfurter Oberbürgermeisters Sebstian Remelé in einem Radiointerview. Sinngemäß soll Remelé darin geäußert haben, dass er kein Problem darin sehe, wenn die Arbeitsplätze nach Schweinfurt kommen, so Kippes. Der Gewerkschafter vermisst die Solidarität mit Eltmann. Schaeffler plant auch, in Schweinfurt Stellen abzubauen.

Die Informationsphase, in der man sich momentan befinde, könne unter Umständen sehr lange dauern, sagte Betriebsratsvorsitzender Ullrich Schöpplein. Erst dann könne es zu Verhandlungen kommen. Schöpplein rief seine Mitstreiter dazu auf, Stärke zu zeigen und immer so aufzutreten wie an dem jetzigen Aktionstag.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht indes einen massiven Stellenabbau auf Bayerns Automobilbranche zukommen. Der CSU-Chef forderte unlängst erneut eine Kaufprämie - auch für Autos mit Verbrennungsmotor.