Obwohl der Richterspruch noch vergleichsweise milde ausfiel, haben sich die vier Tankstellenüberfälle vom Herbst 2014 bis Frühjahr 2015 im Haßbergekreis (unsere Zeitung berichtete ausführlich in der gestrigen Ausgabe) wirklich nicht gelohnt: Die Große Strafkammer des Schweinfurter Landgerichts verurteilte den heute 22-jährigen Angeklagten zu einer dreijährigen Jugendstrafe, verbunden mit der - wie es juristisch heißt - Unterbringung in einer Entziehungsanstalt (in einer Einrichtung der Drogentherapie).


Akute Geldprobleme

Bei den jeweils zwei Überfällen in Ébelsbach und in Haßfurt erbeutete der in Schweinfurt wohnende Angeklagte insgesamt etwas mehr als 3000 Euro. Damit konnte er nur kurzfristig seine akuten Geldprobleme lösen und vor allem nur für kurze Zeit neues Rauschgift besorgen. Hätte man den Drogenabhängigen nicht beim vierten Mal erwischt, wäre es sicherlich zu weiteren Taten gekommen.

Nach der Urteilsverkündung durch den Vizepräsidenten des Schweinfurter Landgerichts, Wolfgang Titze, begründete der Gerichtsvorsitzende ausführlich die Überlegungen, die zu dem Richterspruch führten. Insbesondere das frühzeitige und umfassende Geständnis wurde dem Angeklagten zugute gehalten. Wenn der Räuber nicht sofort reinen Tisch gemacht, sondern gemauert hätte, wäre es den Behörden schwer gefallen, ihm die ersten Überfälle nachzuweisen.


Leid für die Mitarbeiter

Andererseits habe er sich keinerlei Gedanken darüber gemacht, welches Leid er mit seinen Taten den betroffenen Mitarbeitern der Tankstellen zugefügt hat, sagte Titze. Eine der Kassiererinnen war nicht bloß im Moment des Überfalls total geschockt, sondern ist heute, also mehr als ein Jahr danach, immer noch nervlich angeschlagen und traumatisiert. Im Zeugenstand brach sie in Erinnerung an das Vorgefallene in Tränen aus und sagte mit stockender Stimme: "Der Schreck steckt immer noch in mir drin - seit dem Vorfall habe ich keine Freude mehr an meiner Arbeit."

Die Anwendung von Jugendstrafrecht begründete das Gericht damit, dass es bei dem jungen Mann "erhebliche Reiferückstände und schädliche Neigungen aufgrund langfristiger Erziehungsmängel" gebe. Mit Blick auf die angeordnete etwa einjährige Drogentherapie - die der Verurteilte nach seinen Worten auch selber will - geht der Richter von aussichtsreichen Resozialisierungschancen aus. Oder anders herum: Ohne eine entsprechende Behandlung bestehe die große Gefahr eines Rückfalls mit ähnlich gelagerten Straftaten.


Strafen kommen zusammen

Wie ebenfalls berichtet, sitzt der Verurteilte derzeit wegen des Überfalls auf seinen langjährigen Drogenlieferanten in der Justizvollzugsanstalt im südbayerischen Niederschönenfeld ein. Nun kommt die noch nicht rechtskräftige Jugendstrafe hinzu, und am Ende wird sich die Therapie anschließen. Bis der junge Mann seine vor wenigen Tagen geborene Tochter in die Arme schließen kann, fließt also viel Wasser den Main hinab.