Rund 80 Bürger lauschten im Hotel Goger den Ausführungen von Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD). Zum Einstieg in die Problematik ging Ruß darauf ein, dass sich der Gemeinderat vor gut einem Jahr dazu entschlossen hatte, zusammen mit anderen Kommunen eine Überwachung des innerörtlichen ruhenden Verkehrs einzuführen. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf das unberechtigte Parken auf Gehsteigen und Gehwegen sein. Dies stelle nicht nur ein Ärgernis, sondern besonders eine Gefährdung von Fußgängern mit Gehhilfen, Personen mit Kinderwagen oder Kindern mit Fahr- oder Laufrädern dar.
In Sand wurde mit der Überwachung des ruhenden Verkehrs im Juli 2016 begonnen. Seit dieser Zeit hat es laut Bürgermeister Ruß Lob und Anregungen, aber auch Diskussionen und Kritik gegeben. Auch bei der Bürgerversammlung wurde Kritik geäußert, so zum Beispiel von Hotelbesitzer Stefan Goger, der die Parküberwachung vor dem Hotel für seine Gäste als "sehr unglücklich" bezeichnete. Als Kompromiss schlug er vor, die Parkverbotszeit vor dem Hotel auf die Zeit von 10 bis 17 Uhr einzuschränken. Ruß zeigte sich bereit, diese Überlegung in die Entscheidung des Gemeinderates einfließen zu lassen.
Der Bürgermeister ging auf weitere neuralgische Punkte ein. Vor der früheren Poststelle sei ein kurzes Halten zum Einwerfen der Briefe in den Postbriefkasten erlaubt, aber Dauerparken verboten. Ebenfalls wegen Verkehrsbehinderung sei das Parken in der Zeiler Straße bei der Eisdiele verboten. Auf dem gegenüberliegenden Parkstreifen sei zum Einkaufen die Parkzeit mit Parkscheibe auf eine Stunde begrenzt. Auf dem Parkstreifen vor der Bushaltestelle sei, außer in den Zeiten des Schulbusverkehrs (7 bis 8 und 13 bis 14 Uhr) Parken möglich.
Detlef Weinhold verwies darauf, dass bei einer Versetzung der Beschilderung bei der Raiffeisenbank ein weiterer Parkplatz genutzt werden könnte.
"Der Kirchplatz wurde mit Fördermitteln mitfinanziert und ist schon aus diesem Grund kein Parkplatz. Deshalb ist hier das Parken nur in den gekennzeichneten Parkbuchten vor der Sparkasse und vor dem Anwesen Hofmann erlaubt", erklärte Bürgermeister Ruß. Er verwies darauf, dass auf dem nur 100 Meter entfernten Parkplatz am Altmain genügend Parkflächen zur Verfügung stünden.
Ein Streitpunkt war das Parken auf Gehsteigen. "Ich stand mit einem Rad nur fünf Zentimeter auf dem Gehsteig und hab dafür einen Strafzettel kassiert", berichtete ein Bürger, und ein anderer ergänzte: "Ich war nur fünf Minuten im Geschäft und bin aufgeschrieben worden."
Der Bürgermeister erläuterte, das Parken auf Gehsteigen grundsätzlich verboten sei. "Wir können die Rechtslage nicht ignorieren", antwortete Ruß auf eine entsprechende Anregung von Ernst Albert.



Die Streitgespräche steigerten sich, als Ruß die Vereine dazu aufforderte, von ihren Mitgliedern, Sportlern, Übungsleitern und Veranstaltungsbesuchern mehr Parkdisziplin in der Straße "Am Sportfeld" einzufordern. Besonders Ernst Albert argumentierte vehement dagegen und forderte eine Aussprache zwischen den betroffenen Vereinen und der Gemeinde.
Ihm hielt Antonie Bergmann entgegen: "Man hat leicht reden, wenn man dort wohnt, wo wenig geparkt wird. Wir als Anlieger der Sportfeldstraße, wo kreuz und quer geparkt wird, sind für eine Parküberwachung, weil sie für unsere Grundstückszufahrten eine wesentliche Verbesserung der Parksituation gebracht hat. Das trifft auch auf die Flächen vor der Feuerwehr- und Wasserwachtgerätehalle zu."
Der Bürgermeister ging noch auf das beidseitige Parken im Ortsteil Wörth ein. Hier ließe sich eventuell Abhilfe durch ein eingeschränktes einseitiges Halteverbot erreichen. Des Weiteren beleuchtete Ruß die Parksituationen in der Sandgasse, in der Mozartstraße, in der Zeiler Straße und in der Seestraße.
Ruß gab bekannt, dass im ersten Jahr seit Einführung der Parküberwachung in Sand 579 Verstöße festgestellt worden seien. Die Bußgelder hätten insgesamt rund 9000 Euro betragen. Das entspreche in etwa dem Betrag, den die Gemeinde für die Verwaltung der Parküberwachung aufbringen musste.
Franz Klauer kritisierte, dass mit den Bußgeldbescheiden den Bürgern das Geld aus den Taschen gezogen werde.
Ernst Albert stellte schließlich den Antrag an den Gemeinderat, die Parküberwachung in Sand wieder komplett abzuschaffen.


"Parkmoral besser geworden"

Nach Otto Schmitts Meinung ist die Parkmoral seit der Einführung der Parküberwachung wesentlich besser geworden. Deshalb sprach er sich dafür aus, die kommunale Parküberwachung weiterlaufen zu lassen. Dem stimmten auch noch weitere Bürger zu.
Bürgermeister Ruß fasste zusammen: "Im Gemeinderat werden wir versuchen, erkannte Schwächen der Parküberwachung auszumerzen. Dann schauen wir mal, wie sich das Ganze weiterentwickelt."