"Jetzt dreh' ich erst mal eine Runde." Lothar Olbrich ist zufrieden. Fast ein Jahr lang hat der Eberner gekämpft. Am Dienstag ging sein Wunsch in Erfüllung. Er schraubte ein EBN-Wunschkennzeichen an seinen Audi A4.

Olbrich hatte sich geärgert, dass im Kreis Haßberge die Altkennzeichen nicht zugelassen werden sollten. Fast genau ein Jahr ist das her. Der 66-Jährige schrieb zunächst zwei Leserbriefe und ergriff dann die (Privat-)Initiative, legte in den Geschäften der Stadt selbst entworfene Unterschriftenlisten aus. 1350 Eberner erklärten darauf ihre Sympathie für eine Rückkehr der EBN-Kennzeichen.

Olbrich fand schnell Mitstreiter. Eberns Junge Union startete eine Online-Petition, bei einer Vorstandssitzung der CSU wurde auch Landratskandidat Wilhelm Schneider überzeugt, dass es für Eberner Autos nur ein Kennzeichen geben kann.

Letztlich wurden an Landrat Rudolf Handwerker in Haßfurt 2500 Unterschriften übergeben, mit denen sich die Unterzeichner für die Wiedereinführung der EBN-, GEO- und HOH-Kennzeichen aussprachen. "Ich hab' damals dem Landrat erklärt, dass nicht wir den Landkreis spalten, sondern diejenigen, die sich gegen die Altkennzeichen aussprechen, und dass er mit seiner Weigerung der eigenen Partei schadet", erinnert sich der CSU-Stadtrat Manfred Fausten, der dabei war, als die Petition übergeben wurde, die letztlich zum Umdenken des Landrats führte, ehe er sich in den Sommerurlaub verabschiedete. Der Kreistag folgte ihm.

Ab 7 Uhr in der Zulasssungsstelle

Fausten gehörte am Dienstag ebenso wie Lothar Olbrich zu den ersten, die im Gang vor der Eberner Zulassungsstelle anstanden, um sich das Amtssiegel für die neuen Kennzeichen abzuholen. Ihre Wunschkombination hatten sie schon lange vorher reserviert.

Bereits kurz vor 7 Uhr hatten sich Vera und Emil Schlögl aus Rentweinsdorf ihre Wartenummer gezogen, kurz danach gefolgt von Steffen Hohnhausen aus Ebern und Julius Hellmuth aus Ditterswind.

Diese Frühaufsteher waren die ersten, die mit EBN losfuhren. Der Ansturm war so groß, dass die Zulassungssstelle früher als sonst öffnete. "Ich hatte es noch schlimmer erwartet", gab Rudolf Schmidt zu, der die Ummeldungen akribisch durchführte, sich aber insgeheim auch ein bisschen freute, als er "meine erste Feinstaubplakette mit EBN" über den Tresen an Emil Schlögl reichte.

Macht der Gewohnheit

Ansonsten kommen auf die EBN-Nummernschilder ja nur die üblichen Plaketten des Landratsamtes Haßberge. Und doch bedurfte es einiger Umstellung: "Jetzt hab' ich doch tatsächlich HAS eingegeben", schimpfte sich Schmidts Kollegin, Marianne Hümmer, die erst mit ihrem Computer und dann mit der Kundschaft schäkerte, "gell, wir wollen heut' bloß abmelden", aber auch gute Wünsche parat hatte: "Fahrt langsam, und vorsichtig."

Ein Hinweis, der dem Ehepaar Schlögl galt, denn Vera gab offen zu, dass "ich richtig aufgeregt bin". Sie plädierte auch dafür, die HAS-Schilder nach dem Entwerten in die Mülltonne zu treten, setzte sich damit aber nicht gegen ihren Ehemann durch: "Die nehmen wir als Andenken mit. Die werden in der Garage an die Wand genagelt."
"Wir fühlen uns eben mit Ebern verbunden und wollen das auch nach außen hin vertreten", gibt Lothar Olbrich als Grund für sein Engagement im Ruhestand an.

Dass es nach fast einem Jahr nun doch noch geklappt hat, erfüllt ihn mit großer Freude. Und die teilen die vielen Verkehrsteilnehmer, die sich vor der Zulassungsstelle im Eberner Ämtergebäude anstellen  "Uns gefällt halt EBN, weil wir Eberner sind", verkündet ein Heubacher stolz. Und alle sind sich einig: "Der Schneider wäre kein Landrat geworden, hätte er nicht eingelenkt."

Bei der Kfz-Zulassungsstelle in Haßfurt herrschte am Tag der Wiedereinführung auch Andrang. Aber nicht wegen der Umstellung. "Heute kommen die meisten Leute, um ihre Saison-Anmeldung zu machen", sagte Mathias Ullrich, Leiter der Verkehrsbehörde am Landratsamt. Am späten Vormittag hatten die Verwaltungsangestellten genau 27 EBN- und neun HOH-Kennzeichen ausgegeben. Insgesamt waren vorab 982 Eberner, 572 Hofheimer und zehn Gerolzhofener Nummernschilder reserviert worden.

Die größte Arbeit habe im Vorfeld darin bestanden, die elektronische Datenverarbeitung anzupassen, sagte Ullrich. Unterstützung holten sich die Haßfurter aus anderen Zulassungsbehörden - zum Beispiel aus Schweinfurt. Dort begann die Wiedereinführung alter Kreis-Kennzeichen bereits im Juni des vergangenen Jahres.

Beim Haßfurter Schildermacher Klaus Ringer gleich neben dem Amt brummt mit der Wiedereinführung derweil das Geschäft. "Ich gehe in der nächsten Zeit von einem Viertel mehr Aufträgen aus", freut er sich.