Ein Jahr lang war Jule Scheuring weg, ab September gehört sie wieder zum Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt. Durch ein Stipendium des "Botschafter Bayerns" besuchte die 16-Jährige aus Wonfurt als Austauschschülerin die "Koda'ly Zolta'n Magyar Ko'rusiskola" in Budapest. Das Musikgymnasium gilt als eine der besten Chorschulen weltweit.

Jules Fazit nach diesem ereignisreichen Jahr: "Ich habe jetzt zwei Heimatorte, zwei Orte, an denen ich immer freundlich empfangen werde, und dafür bin ich unglaublich dankbar."
Im Gespräch mit unserer Zeitung blickte Jule Scheuring auf dieses besondere Jahr zurück. 15 Jahre alt war sie erst, als sie im August 2016 in den Flieger stieg. Bestens betreut fühlte sie sich durch die Austauschorganisation Youth for Understanding YFU. Das war auch nötig, denn Jule Scheuring musste nach einigen Monaten in Ungarn die Gastfamilie wechseln. Zu diesem Zeitpunkt waren auch schon zahlreiche Freundschaften in Budapest gewachsen, so dass dieses eigentlich unschöne Kapitel des Austauschjahres für sie im Endeffekt doch eine positive Erinnerung ist, denn "ich war in einer schweren Zeit nicht allein, mir wurde geholfen", erzählt sie.
Während des gesamten Aufenthalts gab es regelmäßige Treffen, so dass auch mit anderen Austauschschülern Freundschaften wuchsen.

Ganz außerordentlich wohl gefühlt habe sie sich aber in der Schule, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Die Musik sei gleich das verbindende Element gewesen. "Es bestand keine Barriere zwischen uns".
Ungarisch gilt als nicht so leichte Sprache mit regelrechten Bandwurm-Wörtern. Doch im Alltag sei das Erlernen der Sprache schon leichter als im Sprachunterricht, berichtet die Jugendliche lachend: "Ich habe die Leute einfach mit Worten beworfen und gesehen, ob sie mich verstehen." Nach diesem Jahr spricht sie fließend Ungarisch "mit einem Akzent, aber mir wurde bestätigt, dass man nicht wirklich ausmachen kann, woher dieser Akzent kommt", erzählt sie stolz.


Auch die Stimme entwickelt

Neben ihren Sprachkenntnissen hat Jule Scheuring auch ihre Stimme entwickelt - und ihre Einstellung zur Musik. Außerdem habe die Musik einen wesentlichen Beitrag zur schnellen Integration geleistet, denn "wenn ich mal nicht in Worte fassen konnte, was ich fühlte, dann konnte ich es singen und jeder hat mich verstanden". Die Musik war für sie in Deutschland immer ein schönes Hobby. Am ungarischen Musikgymnasium wurde dann aber richtig professionell gearbeitet. Eine Woche bestand meist aus fünf Stunden Chor, einem Konzert, jeweils einer Stunde Musikgeschichte und Musiktheorie, einer halben Stunde "Kamara" (Übungsstunden in kleinen Gesangsgruppen), einer halben Stunde Stimmbildung und vielen weiteren Proben. "Meine Stimme hat sich sehr entwickelt. Ich hatte professionelle Lehrer und Mitsänger, mit denen es riesig Spaß gemacht hat, zu musizieren und von denen ich viel lernen konnte". Und natürlich hat die junge Wonfurterin Land und Leute kennengelernt.