Ein 46-jähriger Mann aus dem nördlichen Landkreis Haßberge, der seine Ehefrau mit Schlägen im Gesicht traktiert und sie mit üblen Worten beleidigt und bedroht hatte, wurde am Mittwoch vom Amtsgericht Haßfurt zu 90 Tagessätzen zu je 60 Euro, also zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Die Anklage warf dem 46-Jährigen vor, im September 2015 seine Ehefrau mehrmals ins Gesicht geschlagen, sie beleidigt und ihr gedroht habe, sie werde in den nächsten Tagen "abkratzen." Der Schläger war mit der Rechtsanwältin Jessica Gralher als Verteidigerin erschienen. Er bedauerte zunächst mit blumigen Worten seine Tat. "Es tut mir sehr leid für meine Frau, wir hatten uns zuvor in den Haaren." Auch räumte er ein, die Tat unter Alkoholeinfluss begangen zu haben. Er sei von seiner Frau und seiner Schwiegermutter provoziert worden, schilderte er.
Seitdem trinke er nicht mehr, habe sich einer ambulanten Therapie unterzogen, um den Alkohol in den Griff zu bekommen. Insgesamt räumte er den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die durch Staatsanwalt Arno Ponnath und eine Rechtsrefrendarin vertreten war, ein.


Einspruch gegen Strafbefehl

Gegen einen Strafbefehl hatte er Einspruch eingelegt, weil ihm die dort geforderten 120 Tagessätze zu hoch erschienen. Wegen des Einspruchs gegen den Strafbefehl war es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt gekommen. Der Angeklagte wollte dem Gericht glaubhaft machen, dass er sich wohl wieder mit seiner Frau arrangieren könne, da er sich geändert habe.

Dass dem nicht so ist, machte seine Frau, die als Zeugin gehört wurde und zunächst in Tränen ausbrach, schnell deutlich. Die 37-Jährige gab an, dass die Scheidung eingereicht sei und dass es auch dabei bleibe. Mit tränenerstickter Stimme schilderte sie den Tathergang. Provoziert wurde ihr Mann, wie sie darstellte, weder von ihr noch von ihrer Mutter, die zu Besuch war. Auch habe es in zurückliegenden Jahren, 2003 und 2012, schon Schläge gesetzt, sagte die Zeugin. Anzeige habe sie in diesen Fällen nicht erstattet. "Ich hatte die Hoffnung, er ändert sich." Es habe keinen Grund gegeben, weshalb ihr Mann ausrastete, sagte sie zum neuerlichen Vorfall. Eventuell habe er damit Probleme, dass sie beruflich erfolgreich war. "Statt sich zu freuen, musste ich mir von ihm Vorwürfe anhören; er war an diesem Tag mehrmals im Keller und immer wenn er wieder rauf kam, habe ich gemerkt, dass sein Alkoholpegel gestiegen war", sagte die 37-Jährige.


Vor den Kindern

Um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, habe sie sich mit ihren Kindern ins Bett gelegt. Er sei gekommen, habe sie im Beisein der Kinder beleidigt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. "Wie oft kann ich nicht sagen, ich war gleich weg. Ich weiß dann erst wieder von mir, als Polizei und Krankenwagen da waren." Zwei Tage habe sie im Krankenhaus auf der Intensivstation verbringen müssen, eine Wunde sei genäht worden. "Die Narbe bleibt mir", sagte die Frau. Schlimm fand sie auch, dass ihre Kinder durch die Tat Angst hatten.
Die Staatsanwaltschaft beantragte, den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je 60 Euro zu verurteilen. Staatsanwalt Arno Ponnath erklärte, besonders verwerflich sei gewesen, dass die Misshandlungen im Beisein der gemeinsamen Kinder stattgefunden hätten.


Geständnis milderte die Strafe

Die Verteidigerin Jessica Gralher, wollte nicht ausschließen, dass ihr Mandant provoziert wurde, und bat zu berücksichtigen, dass er geständig war. Sie beantragte 90 Tagessätze. In seinem letzten Wort wandte sich der Angeklagte an seine Frau: "Es tut mir einfach alles, was ich gemacht habe, sehr leid."
Richterin Ilona Conver sagte in ihrem Urteil, dass die Entschuldigung wohl nicht angenommen wurde. Sie verurteilte den 46-Jährigen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen.