Hat ein 22-Jähriger beim Eishockeyderby Haßfurt gegen Schweinfurt einen festen Plastikbecher in den gegnerischen Fanblock geworfen und damit einer 63-Jährigen eine Platzwunde am Kopf zugefügt oder nicht? Nach umfangreicher Beweisaufnahme war das Amtsgericht Haßfurt im Prozess am Freitag von der Schuld des Mannes überzeugt. Es verurteilte den nicht vorbestraften Angeklagten wegen Körperverletzung im minderschweren Fall zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen á 50 Euro (5500 Euro).


Derby im Oktober

Wie Ilker Özalp für die Staatsanwaltschaft vortrug, fand das Derby am Abend des 30. Oktober 2015 statt. Als gegen Ende des ersten Drittels die Haßfurter den 1:1-Ausgleich schossen, ging es hoch her. Da wurde lautstark gejubelt, getrommelt und gepfiffen - und es flogen wohl etliche Becher durch die Gegend, wie einige der Zeugen bestätigten. Ob die Becherwürfe nur von den Haßfurter Fans ausgingen oder ob es - auf gut Fränkisch - rüber und nüber ging, ließ sich letztendlich nicht klären.


Zeugin sah den Wurf

Entscheidend für die Urteilsfindung war die Aussage einer 16-jährigen Schülerin, die sich damals im Schweinfurter Fanblock aufhielt. Das Mädchen erzählte, dass sie im Vorfeld des Spiels schon gewarnt worden sei und deshalb immer wieder aufmerksam zu dem benachbarten "Haßfurter Block" geschaut habe. Als dann der Puck im Netz zappelte, sei tatsächlich ein Becher direkt auf sie zugeflogen. Ängstlich sei sie daraufhin in Deckung gegangen. Unmittelbar neben ihr habe eine ältere Frau gestanden. Und die habe plötzlich schmerzhaft aufgeschrien, als sie am Kopf getroffen wurde.

Nachdem die vor Ort eingesetzten Sanitäter die Erstversorgung übernommen hatten, wurde die heftig blutende Platzwunde im Krankenhaus behandelt. Die Verletzung verheilte schnell und es gab keine bleibenden Schäden.


Wiedererkannt

Den Becherwerfer identifizierte die Zeugin als den jungen Mann auf der Anklagebank. Sie erinnerte sich genau an die rote Adidas-Jacke, die er damals getragen hatte. Als sie seinerzeit nach dem Spiel die Handyfotos, die sie schon vor dem Wurf gemacht hatte, durchsah, erkannte sie ihn ohne jeden Zweifel. Kurz darauf erfuhr die Schülerin, dass die Polizei auf der Suche nach Augenzeugen war, die das Geschehen in der Eissporthalle beobachtet hatten. Daraufhin meldete sie sich und gab ihre Wahrnehmungen zu Protokoll.

Was nach dieser ersten Zeugenvernehmung wie ein glasklarer Fall aussah, änderte sich im Laufe des weiteren Prozesses. Immerhin fünf Zeugen sagten aus, dass sie in der Nähe des Beschuldigten gestanden hätten und zwei von ihnen schlossen aus, dass der Verdächtige mit einem Becher geworfen habe. Einer sagte ganz konkret, dass er sich mit dem Angeklagten "in den Armen gelegen" habe, als der Ausgleich fiel. Allein, bei allen fünf Zeugen handelte es sich um "Gesinnungsgenossen", also ebenfalls um Haßfurt-Fans.


Duie Unschuld beteuert

In seinem Plädoyer forderte der Ankläger eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Euro, mithin 6000 Euro. Der ohne Rechtsanwalt erschienene Angeklagte beteuerte in seinem letzten Wort vehement seine Unschuld. Doch Amtsrichterin Ilona Conver hielt die Aussage der Augenzeugin für glaubwürdig und fällte den Schuldspruch. Eine Woche hat nun der Verurteilte Zeit, um gegen das Urteil Berufung beim Landgericht in Bamberg einzureichen.